Auslegung und Bibliographie zur Bibel

Römerbrief
Paulus' Brief an die Römer
Röm 16,17-20

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Röm 16,17-20

 

 

Übersetzung

 

Röm 16,17-20:17 Ich ermahne euch aber, Brüder, auf die achtzugeben, die (die) Zwistigkeiten und Ärgernisse erregen entgegen der Lehre, die ich euch gelehrt habe; und meidet sie! 18 Denn solche Leute dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und mit schönklingenden Reden und schmeichelnden Worten täuschen sie die Herzen der Arglosen. 19 Euer Gehorsam ist ja zu allen gedrungen; so freue ich mich denn auch an euch, möchte aber, dass ihr weise seid in Bezug auf das Gute, unverdorben jedoch in Bezug auf das Böse. 20 Der Gott des Friedens aber wird in Kürze den Satan unter eure Füße zermalmen. Die Gnade unseres Herrn Jesus sei mit euch.

 

 

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V. 17

 

Beobachtungen: Die Ermahnung nach der persönlichen Grußliste 16,3-16, nach der eigentlich der unmittelbare Anschluss des Segens V. 20b zu erwarten wäre, überrascht, zumal die Grüße noch nicht abgeschlossen sind, sondern in V. 21-23 fortgesetzt werden. Abgeschlossen sind nur die Grüße, die Paulus selbst ausrichten lässt. Die Ermahnung überrascht auch, weil aus dem Vorhergehenden kein für Grund für sie ersichtlich wird. Es gab bisher keinen Hinweis darauf, dass die Gemeinde durch Irrlehrer bedroht wird. Als Konfliktpunkte kommen nur das Verhältnis zwischen Juden und Christen bzw. Judenchristen und Heidenchristen und das Verhältnis zwischen Glaubensschwachen und Glaubensstarken zur Sprache. Und schließlich ist die Deutlichkeit der Ermahnung erstaunlich, weil Paulus die Gemeinde in Rom nicht gegründet hat. Diese Beobachtungen in Verbindung mit der Tatsache, dass sich in V. 17-20 zahlreiche für Paulus ungewöhnliche Begriffe finden, können zur Annahme verleiten, dass die V. 17-20 nicht von Paulus stammen, sondern einen sekundären Einschub darstellen. Allerdings ist bezüglich einer solchen Annahme zu bedenken, dass das Vokabular nicht nur für Paulus, sondern auch im Hinblick auf andere ntl. Schriften ungewöhnlich ist. So lässt sich kaum klären, welcher nichtpaulinischen Schrift 16,17-20 sprachlich zuzuordnen ist. Auch ist die Unterbrechung der Grüße nicht überzubewerten, denn die V. 21-23 schließen nicht bruchlos an V. 3-16 an - eben weil es sich nicht um Grüße des Apostels, sondern um Grüße seiner Mitarbeiter handelt. Auch eine Entnahme von V. 17-20 aus dem Brief würde also noch keinen solchermaßen glatten Briefverlauf ergeben, dass man einen sekundären Einschub zwingend annehmen müsste. Als Gegenargument gegen die Annahme eines sekundären Einschubs lässt sich auch 3,8 anführen, woraus hervorgeht, dass sich in der Gemeinde oder zumindest in deren Umkreis Gegner des Paulus finden, die dem Apostel die Lehre billiger Gnade vorwerfen. Man kann also nicht behaupten, dass die Gemeinde vor jeglicher negativer Einflussnahme und vor nicht-paulinischen Lehren gefeit ist. Vielleicht denkt Paulus an dieser Stelle des Briefes an Erfahrungen, die er mit den Korinthern und den Galatern gemacht hat und benutzt dementsprechend hier ein Vokabular, das sich eher im Zweiten Korintherbrief (vgl. v. a. 11,3-14) oder im Galaterbrief finden könnte. Insofern passt 16,17-20 also besser zu diesen beiden Briefen als zur paulinischen Tradition (1 und 2 Tim, Tit, 2 Thess). Einen Hinweis darauf, dass die V. 17-20 an die Christen in Ephesus und nicht in Rom gerichtet sein könnten, gibt es nicht. Paulus lässt in seinen Briefen nicht erkennen, dass Ephesus ein Ort innerkirchlicher Zwistigkeiten ist. Ephesus wird zwar in Apg 20,29-35 mit Gefährdungen durch Irrlehrer in Verbindung gebracht, doch ist dieser Text nachpaulinisch.

 

Paulus ermahnt die "Brüder“, wobei Glaubensbrüder und nicht leibliche Brüder gemeint sind. Die Anrede "Brüder“ meint vermutlich auch Frauen, also die "Schwestern“. Dass diese nicht eigen genannt werden, hängt damit zusammen, dass die männerorientierte Sprache Frauen in gemischtgeschlechtlichen Gruppen verschweigt.

 

Angesichts des paulinischen Gedankens von der Gemeinde als dem einen Leib Christi spielt der Einheitsgedanke eine große Rolle. Die Einheit soll die paulinische Glaubenslehre als Grundlage haben, nicht eine andere Glaubenslehre. Deshalb warnt der Apostel vor Menschen, die Zwistigkeiten verursachen und Ärgernisse durch Irrlehren erregen.

 

Unklar ist, ob die Ermahnung, sich von den Irrlehrern fernzuhalten bzw. abzuwenden, eine vorsorgliche Warnung zur Schärfung der Aufmerksamkeit oder eine Aufforderung angesichts einer akuten Bedrohung ist. Auch ist nicht ersichtlich, ob sich schon ein Teil der Adressaten hat auf den falschen Weg bringen lassen. Damit lässt sich auch nicht endgültig entscheiden, ob die Übersetzung mit "fernhalten“ oder "abwenden“ angebrachter ist. "Fernhalten/Meiden“ wäre bei einer grundlegenden Warnung vor Irrlehrern passender, "abwenden“ bei einer akuten Bedrohung und schon erfolgten Verführung einiger Gemeindeglieder. Weil der Römerbrief keine akute Bedrohung der Adressaten erkennen lässt, ist eher von einer allgemeinen Warnung zur Schärfung der Aufmerksamkeit auszugehen.

Es ist nicht ersichtlich, dass die Irrlehrer zu den römischen Christen gehören. Die römische Adressatenschaft wird als Ganze gewarnt und die Bedrohung als von außen kommend dargestellt. Wären die Irrlehrer unter den Adressaten, dann hätte Paulus wohl statt "auf die achtzugeben“ die Formulierung "auf die unter euch achtzugeben“ gewählt.

 

 

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Weiterführende Literatur: M. Müller 1997, 216-217 geht kurz auf die Schlussmahnung 16,17-20a ein.

 

W. J. Hassold 2000, 196-208 untersucht die Stellung von 16,17-20 im Zusammenhang des Römerbriefes, um herauszufinden, was "und meidet sie!“ im ursprünglichen Zusammenhang bedeutete und ob diejenigen, die sich im Laufe der Geschichte auf die Forderung beriefen, im Einklang mit der Absicht des Apostels waren. Ergebnis: V. 17b könne zwar adjektivisch verstanden werden und sich auf die falsche Lehre beziehen, doch sei die Vershälfte wohl eher adverbial zu verstehen und auf jede Art Meinungsverschiedenheiten zu beziehen. Paulus warne vor allen Menschen und Dingen (z. B. Irrlehren), die in der Gemeinde Differenzen hervorrufen. Paulus' Warnung sei ursprünglich an eine Gemeinde gerichtet gewesen. Zu beachten sei, dass Paulus zwischen den Aufrührern selbst und den von den Aufrührern Verführten, die an sich unschuldig seien, unterscheide. Dies sei von denen, die sich in der Geschichte auf V. 17b bezogen, nicht immer beachtet worden.

 

M.-É. Boismard 1999 vertritt die These, dass der uns heute vorliegende paulinische Brief an die Epheser einen authentischen Brief des Paulus enthalte, der jedoch mit Glossen überladen sei, die sich vielfach vom Brief an die Kolosser herleiteten und vom Herausgeber der paulinischen Briefe stammten. Dem ursprünglichen, authentischen Epheserbrief seien die Grußliste Röm 16,3-15 und die Warnung vor den Irrlehrern Röm 16,17-20 zuzuweisen. V. Mora 2000, 541-547 geht kritisch auf diese These ein: Röm 16,17-20 passe an der Stelle, die M.-É. Boismard dem Text zuweise, nicht. Auch enthalte der Abschnitt zu viele stilistische Eigenheiten, als dass er tatsächlich Paulus zugeschrieben werden könne. In seiner Antwort auf V. Moras Kritik sieht M.-É. Boismard seine These im Wesentlichen bestätigt, modifiziert jedoch diese in einem zentralen Punkt: Röm 16,17-20 sei kein einheitlicher Text. Die V. 17-18a.20 seien paulinisch, nicht jedoch die V. 18b-19, die eine Vielzahl ungewöhnlicher Begriffe enthielten. Fazit: Röm 16,17-18a.20 (statt 16,17-20) sei ebenso wie Röm 16,3-15 dem ursprünglichen, authentischen Epheserbrief zuzuweisen.

 

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V. 18

 

Beobachtungen: Eine nähere Bestimmung der Irrlehrer ist insofern problematisch, als Paulus nicht näher auf den Inhalt der Irrlehre eingeht. Stattdessen schreibt er nur etwas über die Art des Dienstes der Irrlehrer, über den Charakter ihrer Lehre und über deren Wirkung.

Die Irrlehrer dienen nicht Christus, sondern ihrem eigenen "Bauch“ ("koilia“). Dabei scheint die Bedeutung des Begriffes "Bauch“ hier recht weit gefasst zu sein. Im engeren Sinne wäre dem Bauch gedient, wenn diesem durch die Lehre ausreichende und gute Nahrung zugeführt wird. Die Lehre müsste also die Hörenden zu Wohltaten an den Lehrenden anregen, sodass sie diesen Naturalien zukommen lassen oder Geld. Wird Geld gespendet, so kann dieses auch für andere Dinge als für Nahrung ausgegeben werden. Insofern dient es auch über die Nahrung hinausgehend dem Wohlstand der Irrlehrer. Der Begriff "Bauch“ scheint also auf den Nutzen anzuspielen, den die Irrlehrer im Hinblick auf ihr leibliches und materielles Wohlergehen aus ihren Irrlehren ziehen. Der Eigennutz treibt demnach die Irrlehrer an, nicht der Dienst an Christus, der weniger Nutzen für die eigene Person zu bringen scheint.

Die Irrlehrer "täuschen“, lehren also nicht die Wahrheit. Sie täuschen die " Herzen der Arglosen“, wobei hier mit den "Arglosen“ ("akakoi“) Menschen gemeint sein dürften, die willig das Gelehrte aufnehmen, ohne Arglist seitens der Lehrenden zu vermuten. Das "Herz“ ist der Ort des Sinnes und Verstandes.

Die Täuschung erfolgt mit "chrêstologiai“ und "eulogiai“. "Chrêstologiai“ sind "schönklingende“ oder "heuchlerische Reden“. "Eulogiai“ sind eigentlich "Preisungen“ oder "Segnungen“, also etwas sehr Positives. Hier dürften jedoch schmeichelnde Worte den Adressaten gegenüber gemeint sein, womit der Begriff ungewöhnlicherweise eine negative Bedeutung hätte. Die Adressaten werden also vermutlich in einer unangemessenen Sicherheit und Selbstgefälligkeit bezüglich des eigenen Glaubens gewogen. Demgegenüber scheint Paulus bezüglich der Adressaten die Notwendigkeit der Ermahnung zu sehen, wobei Ermahnung - ganz allgemein gesagt - zu rechtem Glauben und Verhalten angesichts der nahen Wiederkunft des Auferstandenen, Jesus Christus, führen soll. Nähere Schlüsse bezüglich des Verhaltens der Christen in Rom lassen sich aus V. 18 nicht ziehen. Weder lässt sich sagen, ob diese tatsächlich vom rechten Glauben und Verhalten abgewichen sind oder ob Paulus auch bei rechtem Glauben und Verhalten grundsätzlich die Notwendigkeit stärkender Ermahnung sieht, noch kann bei Annahme von falschem Glauben oder Verhalten genauer bestimmt werden, wie dieses im Einzelnen beschaffen ist.

 

 

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Weiterführende Literatur: Mit den ungewöhnlichen Begriffen "chrêstologiai“ und "eulogiai“ befasst sich J. L. North 1996, 600-614, die in "chrêstologiai“ eine paulinische Wortschöpfung, ein Wortspiel, sieht. Meist werde das Wort vom Adjektiv "chrêstos“ ("brauchbar/nützlich/gut“) und vom Verb "legô“ ("reden/sagen“) abgeleitet, doch klinge auch die Pflanze "chrêston“ ("Endivie“) an. Mit Blick auf die Endivie könne das Verb "legô“ statt als "reden/sagen“ auch als "sammeln“ gedeutet werden. Scharlatane hätten die Endivie für eine Pflanze gehalten, die Ansehen und Erfolg mit sich bringt. Angesichts ihrer sprachlichen Gewandtheit gebe Paulus zu erkennen, dass seine Gegner nicht besser als Endiviensammler seien, die sich der Magie widmeten. Die Gegner widersetzten sich der paulinischen Lehre und dienten nicht Christus.

 

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V. 19

 

Beobachtungen: Der in V. 19 hervorgehobene Gehorsam der Adressaten scheint dafür zu sprechen, dass der Glaube und das Verhalten der durchaus rechtens sind. Allerdings ist fraglich, ob die Betonung des Gehorsams von Glaubensfestigkeit und christlichem Verhalten der Adressaten zeugt oder ob umgekehrt der Betonung die Sorge zugrunde liegt, dass die Adressaten bezüglich ihres Glaubens und Verhaltens ungefestigt sind. In letzterem Fall wären die Adressaten zwar noch nicht vom rechten Glauben abgefallen und vom rechten Weg abgekommen, doch wäre zumindest die latente Gefahr eines Abfalls und Abkommens gegeben. Die Gefahr wird dann akut, wenn in Rom Irrlehrer auftauchen, die die Christen zu gewinnen suchen. Dies scheint der Fall zu sein.

Auf dem Hintergrund dieser Lage wird verständlich, dass Paulus einerseits den Gehorsam der Adressaten lobt und sich dessen freut, andererseits aber auch zu Standfestigkeit ermahnt. Das Lob kann dazu beitragen, die Adressaten für ermahnende Worte empfänglich zu machen. Insofern ähnelt es vom Charakter her der "captatio benevolentiae“ (vgl. Röm 1,8-12).

 

Die Christen in Rom sollen weise sein, und zwar in Bezug auf das Gute. Paulus definiert das "Gute“ nicht weiter und auch bleibt offen, was unter "weise sein“ zu verstehen ist. Sicher lässt sich nur sagen, dass das Evangelium und dessen Befolgung zum Guten zu zählen sind, denn darauf dringt Paulus ja. Weisheit dürfte sich zum einen auf das rechte Erkennen, die Einsicht beziehen. Weil aber nicht davon auszugehen ist, dass Paulus an rein philosophisches, weltliches Sinnieren über das Gute und die damit verbundene rechte Erkenntnis und Einsicht denkt, dürfte "weise sein“ auch im Lichte der Theologie, ganz konkret des Evangeliums zu verstehen sein. Es geht also vermutlich darum, die von Paulus verkündigte Lehre, das Evangelium, die zum Guten zählt, als wahr zu erkennen (zum mit dem Evangelium und speziell dem "Wort vom Kreuz“ verbundenen Weisheitsbegriff siehe insbesondere 1 Kor 1,18-2,16).

Paulus fordert die Adressaten dazu auf, sich von dem Bösen unberührt zu halten. Christentum umfasst also den ganzen Menschen mit seiner ganzen Existenz. Auch das Böse definiert Paulus nicht, doch lässt sich sagen, dass es das Gegenteil vom Guten ist, das Gute nicht einschließt. Folglich ist auch das Evangelium nicht eingeschlossen, vermutlich aber die Irrlehre, die die Menschen von der wahren Lehre, die zum Guten gehört, abzubringen versucht. Das Adjektiv "akeraios“ kann statt mit "unberührt“ auch mit "unvermischt“, "unversehrt“ oder "unverdorben“ übersetzt werden. Es enthält zum einen also die strikte Trennung von Gut und Böse, zum anderen aber auch den Gedanken der Reinheit und Unversehrtheit. Die Reinheit wird durch die vom Bösen verursachte Befleckung gefährdet. Mit dieser Befleckung ist die Unversehrtheit hin. Dies hat nicht nur Konsequenzen für das irdische Leben und Heil, sondern auch für das jenseitige, denn Reinheit und Unversehrtheit sind notwendig, um vor dem Richter Jesus Christus bzw. Gott am Ende der Tage bestehen zu können. Diese Heilsrelevanz von Reinheit und Unversehrtheit lässt die Dringlichkeit der Worte des Apostels - oder des Redaktors - erahnen.

 

 

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Weiterführende Literatur:

 

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V. 20

 

Beobachtungen: Gott wird als "Gott des Friedens“ bezeichnet, wobei hier zwei Deutungen des Genitivs nahe liegen: a) von Gott stammt der Friede; b) Gott ist vom Frieden gekennzeichnet. Wahrscheinlich sind hier beide Bedeutungen im Blick. Paulus schreibt an dieser Stelle zwar nichts zum Frieden, doch lässt die unmittelbar anschließende Rede vom Zermalmen des Satans annehmen, dass es sich dabei um einen Beitrag zum Frieden handelt. Der Satan wäre demnach mit dem Unfrieden in Verbindung zu bringen, ja möglicherweise als dessen Urheber anzusehen. Aufgrund fehlender weiterer Informationen über den Satan, bleibt dieser an dieser Stelle eine unklare Gestalt. Weil er dem Unfrieden zuzuordnen ist, der dem Frieden entgegengesetzt ist, erscheint er als Gegenspieler von Gott, der beseitigt werden muss, damit sich der Friede und damit auch Gott durchsetzen kann.

 

Das Zermalmen stellt eine Vernichtung dar und zugleich auch eine Klarstellung der Herrschaftsverhältnisse. Die Herrschaft wird durch den Gegensatz von oben und unten ausgedrückt. Interessanterweise ist es aber nicht der "Gott des Friedens“, der oben ist, sondern oben sind die Christen in Rom, also die Adressaten des Briefes. Der "Gott des Friedens“ zermalmt den Satan zwar, doch geschieht dies "unter die Füße“ der Adressaten. Der "Gott des Friedens“ erscheint somit zwar als Zermalmender, aber nicht als letztendlich Herrschender. Die Adressaten wiederum erscheinen nur als Herrschende, nicht jedoch als Zermalmende. Dass deren letztendliche Herrschaft über den Satan herausgehoben wird, lässt annehmen, dass das Wirken des Satans die Christen in Rom unmittelbar betrifft. Weil in 16,17-20 konkret die Irrlehre als Gefährdung der Christen in Rom erscheint, ist zum einen anzunehmen, dass die Versuchung durch die Irrlehre das Werk des Satans ist und der Satan somit ein Versucher, der die Christen vom rechten Glauben und Verhalten abzubringen und damit deren Heil zu gefährden versucht. Wenn die Adressaten letztendlich ihre Füße auf den zermalmten Satan stellen können, so bedeutet dies, dass den Versuchungen ein Ende gesetzt und das Heil der Christen in Rom gesichert ist.

 

Das Zermalmen des Satans erwartet Paulus in Bälde. Das lässt annehmen, dass auch das Weltende und die Wiederkunft Christi als unmittelbar bevorstehend gedacht sind.

 

Auf die Heil verheißende Aussage folgt ein Segenswunsch. Dieser bildet im vorliegenden Römerbrief nicht den Schluss, könnte jedoch wie bei anderen paulinischen und nicht-paulinischen Briefen den Schluss darstellen. Dies kann als Argument dafür beigebracht werden, dass es sich bei V. 17-20 um einen sekundären Einschub handele, der ursprünglich einem anderen Schreiben angehört haben könnte. Anders kann man aber auch schlussfolgern, dass die V. 21-27 ursprünglich nicht zum Römerbrief gehört haben.

 

 

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Weiterführende Literatur: Mit der apokalyptischen Eschatologie bei Paulus befasst sich D. N. Scholer 1990, 53-61, der sich bei seiner Untersuchung auf Texte des Galaterbriefes, des Ersten Korintherbriefes, des Zweiten Korintherbriefes und des Römerbriefes beschränkt. Zu Röm 16,20a merkt er an, dass der Hinweis auf die Zermalmung des Satans dem Gottesvolk sowohl Hoffnung als auch Vollmacht über das Böse und den Satan geben solle.

 

P. W. Macky 1993, 121-133 sieht das Zermalmen des Satans durch den Gott des Friedens als künstlerische Metapher an. Bei seiner Analyse dieser Metapher wendet er fünf Schritte an: a) Untersuchung des Zusammenhangs der zu Grunde liegenden Texte; b) Darlegung des metaphorischen Charakters von V. 20; c) Herausarbeitung des als Symbol benutzten Bildes unter Berücksichtigung der Bezugstexte; d) Untersuchung, was der zum Symbol gemachte Gegenstand ist; e) Betrachtung des geheimnisvollen Gegenstandes vom als Symbol benutzten Bild her.

 

 

Literaturübersicht

Buchtipp: Der Schatten des Galiläers. Historische Jesusforschung in erzählender Form.
Lebendig erzählte Geschichtsforschung Gerd Theißen erzählt von Jesus und seiner Zeit. Die Rahmenhandlung ist fiktiv: Ein junger Jude, Andreas, wird von Pilatus dazu erpresst, Material über neue religiöse Bewegungen in Palästina zu sammeln. Dabei stößt er auf Jesus und reist ihm hinterher. Aus Erzählungen über Jesus rekonstruiert er dessen Leben. Theißen ist ein fesselndes Buch gelungen, das dem Stand der Forschung entspricht, aber auch für die Gegenwart verständlich ist. Verkündigung und Geschick Jesu werden aus der Perspektive eines jüdischen Zeitgenossen dargestellt und im Rahmen der religiösen und sozialen Welt des Judentums verständlich gemacht.

Boismard, Marie-Émile; L’énigme de la lettre aux Éphésiens (Études Bibliques 39), Paris 1999

Boismard, Marie-Émile; Rm 16,17-20: Vocabulaire et style, RB 107/4 (2000), 548-557

Hassold, William J.; "Avoid Them“: Another Look at Romans 16:17-20, CThMi 27/3 (2000), 196-208

Macky, Peter W.; Crushing Satan Underfoot (Rom 16:20) − Paul’s Last Battle Story as True Myth, Proceedings EGL&MWBS 13 (1993), 121-133

Mora, Vincent; Romains 16,17-20 et la lettre aux Éphésiens, RB 107/4 (2000), 541-547

Müller, Markus; Vom Schluß zum Ganzen: Zur Bedeutung des paulinischen Briefkorpusabschlusses (FRLANT 172), Göttingen 1997

North, J. Lionel; "Good Wordes and Faire Speeches“ (Rom 16,18 AV): More Materials and a Pauline Pun, NTS 42/4 (1996), 600-614

Scholer, David N.; “The God of Peace Will Shortly Crush Satan Under Your Feet” (Romans 16:20a): The Function of Apocalyptic Eschatology in Paul, ExA 6 (1990), 53-61