Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (18,23 - 21,17)

Apg 21,10-14

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 21,10-14

 

 

Übersetzung

 

Apg 21,10-14:10 Als wir uns [dort] mehrere Tage aufhielten, kam von Judäa ein Prophet namens Agabus herab. 11 Und er kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus, fesselte sich die Füße und die Hände und sprach: "Dies sagt der heilige Geist: "Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so fesseln und in [die] Hände der Heiden ausliefern.'“ 12 Als wir das hörten, baten wir − und auch die Einheimischen - ihn, nicht nach Jerusalem hinaufzuziehen. 13 Da erwiderte (der) Paulus: "Was tut ihr da, dass ihr weint und mir das Herz brecht? Ich bin ja bereit, mich nicht nur fesseln zu lassen, sondern sogar in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus zu sterben.“ 14 Da er sich nicht umstimmen ließ, wurden wir still und sagten: "Des Herrn Wille geschehe!“

 

 

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V. 10

 

Beobachtungen: Die in 21,10-14 geschilderte Begebenheit ereignete sich während des mehrtägigen Aufenthaltes des Paulus und seiner Begleiter bei dem Evangelisten Philippus in Cäsarea (vgl. 21,8-9). Im Zentrum steht die Weissagung des Propheten Agabus das bevorstehende Ergehen in Jerusalem betreffend.

 

21,10-14 stellt die Fortsetzung des zweiten Wir-Berichts 20,5-6.13-15; 21,1-9 dar. Nimmt man 21,10-14 für sich, so ist völlig offen, wer der Sprecher ist. Geht man von einem in 16,10-17, dem ersten Wir-Bericht, und 20,5-15; 21,1-14 identischen Sprecher aus, so kann Paulus selbst nicht der Sprecher sein, weil er namentlich erwähnt und über sein Handeln gesprochen wird. Vermutlich wird der Sprecher in beiden Wir-Berichten nicht namentlich genannt. Wenn er aus Troas stammte bzw. dort wohnhaft war, ist bemerkenswert, dass er nicht in Troas blieb, sondern weiterreiste. Ist dies ein Argument gegen eine Herkunft aus Troas? Dass der Verfasser der Apg dieser Sprecher war, ist eher unwahrscheinlich (ausführlich zum Sprecher der Wir-Berichte bzw. des zweiten Wir-Berichtes siehe Beobachtungen zu 20,5; zum Verfasser der Apg als Sprecher des Wir-Berichtes siehe Beobachtungen zu 16,10).

Fraglich ist, ob es neben dem Sprecher noch weitere Begleiter des Paulus gab. In 20,4 wurden zwar Sopater, Aristarch, Sekundus, Gaius, Timotheus, Tychikus und Trophimus genannt, doch hieß es nur, dass diese bis nach Troas reisten. Dass sie darüber hinaus Paulus begleiteten, ist angesichts fehlender Informationen fraglich.

 

Dass von den vier Töchtern des Agabus keine konkrete Weissagung zur Sprache kommt, dagegen die konkrete Weissagung des Agabus in den Mittelpunkt gerückt wird, lässt annehmen, dass die vier Töchter zum bevorstehenden Schicksal des Paulus nicht geweissagt hatten. Diese Weissagung kam dem Propheten Agabus zu.

 

Ein Prophet namens Agabus wurde auch in Apg 11,28 genannt. Dieser kündigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen werde. Die Weissagung war in Antiochia erfolgt, doch stammte Agabus aus Jerusalem. Da Jerusalem in Judäa lag, spricht die Herkunftsangabe durchaus für die Identität beider gleichnamigen Propheten. Gegen eine Identität spricht allerdings, dass der Prophet Agabus im Bericht so eingeführt wird, als sei von ihm in der Apg bisher noch nicht die Rede gewesen. Es bleibt offen, was er bisher gemacht hat. So lässt sich auch nicht sagen, ob er zuvor schon geweissagt hatte, oder ob die Weissagung an Paulus seine erste Weissagung war. Auch mit dieser einen Weissagung wäre er ja ein Prophet gewesen. Vielleicht lässt sich der fehlende Bezug auf 11,28 damit erklären, dass der Sprecher des Wir-Berichtes nichts über den Propheten Agabus wusste. Die Informationen von 11,27-28 können ihm unbekannt gewesen sein.

 

Das Verb "herabkommen“ ("katerchomai“) erklärt sich mit der geographischen Lage von Judäa und Cäsarea. So war Judäa weit gehend bergiges Land, in dem auch Jerusalem lag. Um von Judäa nach Cäsarea zu gelangen, musste Agabus hunderte von Metern herabsteigen, um schließlich in die Ebene der Mittelmeerküste zu kommen, in der Cäsarea lag.

 

Cäsarea wird von Judäa unterschieden, obwohl Cäsarea die Hauptstadt der römischen Provinz Judäa war. Das weist darauf hin, dass "Judäa“ hier nicht die römische Provinz, sondern die Landschaft Judäa oder auch das ehemalige Südreich (Juda) des Landes Israel meint. Cäsarea gehörte nicht zur Landschaft Judäa, sondern lag am Rand der Landschaft Samarien. Es hatte nie zum Südreich gehört.

 

Weiterführende Literatur: J. Wehnert 1989, 193 geht kurz auf die durch Einschaltungen in mehrere Wir-Stücke zerfallene zweite Wir-Passage 20,5-21,18 ein, die offensichtlich die Kollektenreise des Paulus von Makedonien über Kleinasien nach Jerusalem schildere. J. Wehnert geht davon aus, dass sich Lukas bei den Wir-Passagen eines Stilmittels der jüdischen Literatur bediene, nämlich der (nachträglichen) Autorisierung eines Textes, und auf diese Weise seine um unbedingte Zuverlässigkeit bemühte Darstellung absichere (vgl. S. 182-183).

Laut D.-A. Koch 1999, 367-390 ergebe der Vergleich der beiden Seereisen in Apg 18,18-22a und 20-21, dass der Verfasser der Apg in 20-21 eine Quelle verwertet, und zwar den ersten Teil eines Rechenschaftsberichts, den ein Mitglied der in 20,4 genannten Kollektendelegation nach der Rückkehr aus Jerusalem angefertigt habe. Diese Quelle sei von vornherein im "Wir“-Stil verfasst gewesen. Dagegen gingen die Reiseroute und das "Wir“ von Apg 16,10-17; 17,1 auf Lukas selbst zurück, der so einen gemeinsamen Rahmen für die selbstständige Mission des Paulus bilde. Lukas betone dabei besonders die Lenkung des Geschehens durch den Geist.

C.-J. Thornton 1991 legt dar, dass es Lukas darauf ankomme, dass nicht missionarischer Ehrgeiz des Paulus oder eine zufällige Reiseangelegenheit das Evangelium nach Europa brachten, sondern Gott selbst habe diesen Schritt initiiert. Dafür sei Lukas Zeuge; das aber sei keine Zeugenschaft im Sinne historischer Autopsie, sondern ein Zeugnis des Glaubens, dass die miterlebte Vergangenheit von Gott geleitete Geschichte ist.

 

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V. 11

 

Beobachtungen: Die Weissagung an Paulus erscheint als Grund für das Herabsteigen des Agabus. Es ging darum, Paulus nochmal im Einzelnen sein bevorstehendes Schicksal zu verdeutlichen.

 

Die Weissagung bestand aus zwei Teilen: Zum einen aus einer Zeichenhandlung, die der Prophet an sich selbst vornahm, zum anderen aus Worten, die die Zeichenhandlung erklärten. Diese Worte erscheinen nicht als vom Propheten ersonnene Worte, sondern als Worte des heiligen Geistes. Dabei ist anzunehmen, dass die Worte nicht nur eine Zukunftsvorhersage wiedergaben, sondern auch den Willen des heiligen Geistes bzw. Gottes.

 

Agabus führte die Zeichenhandlung an sich selbst aus, nicht an Paulus. Einige jüngere Manuskripte sehen dies anders. Sie lesen "te autou“ ("ihm“) statt "heautou“ ("sich selbst“), womit Paulus die Zeichenhandlung an Paulus ausgeübt hätte. Die Variante kann als Hörfehler beim Diktat des Textes oder als Fehler beim Abschreiben gedeutet werden. Möglich ist auch, dass eine absichtliche Änderung vorliegt, die der Ansicht entspringt, dass die Zeichenhandlung an demjenigen ausgeübt worden sein muss, dem sie galt.

 

Dass der heilige Geist und nicht der "Herr“ (gewöhnlich Gott) die Weissagung äußerte, ist ungewöhnlich. In 20,23 hatte Paulus gesagt, dass der heilige Geist von Stadt zu Stadt bezeuge, dass Fesseln und Drangsale auf ihn warten. Im Lichte von 20,23 kann man 21,11 als ein solches Zeugnis des heiligen Geistes verstehen.

 

Das Substantiv "zônê“ bezeichnet einen Gürtel aus Leinen, Leder oder Baumwolle, der über dem Oberkleid um die Hüfte geschlungen wurde. Der Gürtel hielt das weite Oberkleid, das beim Gehen behinderte, über der Hüfte zusammen und kürzte seine Länge. An ihm konnte eine Tasche für den Transport von Gegenständen oder auch von Geld befestigt werden (vgl. Mk 6,8).

Wenn der Prophet diesen Gürtel nahm, so muss er diesen zuvor von der Hüfte des Paulus gelöst haben. Möglich ist auch, dass Paulus ihn selbst löste oder schon in der Hand hielt, oder dass der Gürtel irgendwo lag.

 

Das "Fesseln“ ("deô“) ist nicht unbedingt im wörtlichen Sinn zu verstehen, wonach die Juden selbst Paulus fesseln werden. Es kann auch ausgesagt sein, dass das Handeln der Juden dazu führt, dass Paulus gefesselt wird. Dann bliebe offen, wer die Fesselnden sein werden. Tatsächlich geht aus dem weiteren Verlauf der Apg hervor, dass die Juden Paulus nach dessen Ankunft in Jerusalem nicht selbst fesselten, sondern nur durch ihren Aufruhr bewirkten, dass die römische Obrigkeit einschritt und Paulus festnahm (vgl. 21,27-33). Damit war Paulus zunächst einmal vor dem jüdischen Mob geschützt. Da die Juden die Festnahme nicht betrieben, ist auch das "Ausliefern“ ("paradidômi“) nicht unbedingt wörtlich zu verstehen. Besser zu dem tatsächlichen Schicksal des Paulus passt die Deutung, dass Agabus vorhersagte, dass die Juden durch ihr Handeln bewirkten, dass Paulus in die Hände der "Heiden“ fiel. Vermutlich ist die Ungenauigkeit damit zu erklären, dass das Schicksal des Paulus im Lichte des Schicksals Jesu erscheinen sollte, der tatsächlich von den Juden an die "Heiden“ ausgeliefert worden war (vgl. Mt 20,18-19; Lk 18,32-33), nämlich an die heidnischen Verwalter der römischen Provinz Judäa und an deren Soldaten.

 

Weiterführende Literatur: Auf die prophetische Zeichenhandlung des Agabus kommt B. Rapske 1994, 408-411 zu sprechen.

 

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V. 12

 

Beobachtungen: Die wörtliche Übersetzung von V. 12 lautet: "Als wir das hörten, baten wir − und auch die Einheimischen -, er möchte nicht nach Jerusalem hinaufziehen.“

 

In V. 12 schließt der Sprecher Paulus nicht in die Wir-Gruppe ein. Die Wir-Gruppe besteht aus Ermahnenden, Paulus dagegen wird ermahnt. Aus der Tatsache, dass Paulus hier nicht in die Wir-Gruppe eingeschlossen ist, ist − geht man nicht von einem literarischen, nur auf den Sprecher bezogenen "wir“ aus - zu schließen, dass Paulus eine Mehrzahl Begleiter hatte.

Offen bleibt, wer neben dem Sprecher Begleiter des Paulus gewesen sein könnte. In 20,4 wurden zwar Sopater, Aristarch, Sekundus, Gaius, Timotheus, Tychikus und Trophimus genannt, doch hieß es nur, dass diese bis nach Troas reisten. Dass sie darüber hinaus Paulus begleiteten, ist angesichts fehlender Informationen fraglich.

 

Es wird nicht präzisiert, wer die Einheimischen waren. An alle Einwohner von Cäsarea, seien es Heiden, Juden oder Christen, dürfte nicht gedacht sein, weil sicherlich nur die Christen am Schicksal des Paulus Anteil nahmen. Folglich dürften die "Einheimischen“ die Christen Cäsareas gewesen sein, und zwar diejenigen Christen, die die Zeichenhandlung und deren Erklärung mitbekommen hatten.

 

Die Begleiter des Paulus und auch die Einheimischen zogen aus der Zeichenhandlung und den Worten des heiligen Geistes eine andere Schlussfolgerung als Paulus. Die Begleiter des Paulus und die Einheimischen deuteten sie als Ermahnung, nicht nach Jerusalem hinaufzuziehen. Paulus dagegen deutete sie als Willen des heiligen Geistes (oder: Gottes/Jesu), wonach er sich geradezu aufgefordert sah, nach Jerusalem hinaufzuziehen.

 

Das Verb "parakaleô“ kann "ermahnen“, “trösten“ oder "bestärken“ bedeuten. In V. 12 liegt die Bedeutung "ermahnen“ vor, und zwar im Sinne von "dringend bitten“.

 

Das Verb "anabainô“ ("hinaufsteigen“) lässt sich als ein Hinaufsteigen in das judäische Bergland nach Jerusalem erklären. Außerdem mag in dem Ausdruck mitschwingen, dass Jerusalem besondere Bedeutung zukam, womit das Aufsteigen auch den Weg zu einer besonders wichtigen Stadt verdeutlicht. Cäsarea war zwar die Hauptstadt der römischen Provinz Judäa, war jedoch nicht von religiöser Bedeutung. Jerusalem dagegen war die religiöse Hauptstadt sowohl der Juden als auch der Christen.

 

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Weiterführende Literatur:

 

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V. 13

 

Beobachtungen: Die Frage des Paulus war rhetorisch. Ihm war bewusst, dass seine Begleiter und die "Einheimischen“ ihn mittels Emotionen dazu bewegen wollten, nicht nach Jerusalem hinaufzuziehen. Für ihn war aber nicht der Wille der Menschen entscheidend, auch wenn dieser noch so emotional vorgetragen wurde, sondern der Wille Gottes (oder: Jesu Christi / des heiligen Geistes).

 

Das Verb "synthryptô“ bezeichnete in der Antike das Walken der Wäsche mit Steinen, um sie gründlich zu waschen oder zu bleichen. In Verbindung mit dem Herzen bedeutet es in Apg 21,13 aber "erweichen/brechen“. Das Herz des Paulus wurde emotional bearbeitet, damit es schließlich erweichen/brechen sollte.

 

Es ist unklar, ob Paulus tatsächlich glaubte, dass er gemäß Jesu (oder: Gottes) Willen für den Namen des Herrn Jesus in Jerusalem sterben sollte. Betrachtet man den tatsächlichen weiteren Verlauf der Dinge, so war Jesu (oder: Gottes) Wille ein anderer. Paulus ist nämlich nicht in Jerusalem gestorben, zumindest haben wir davon keine Nachricht. Wo und unter welchen Umständen Paulus gestorben ist, ist unbekannt; seine Spuren verlieren sich in Rom. Dass Paulus dennoch seine Todesbereitschaft erklärte, dürfte damit zu begründen sein, dass er seinen absoluten Gehorsam dem Willen Jesu gegenüber unterstreichen wollte. Jesus war nicht nur von den Juden an die "Heiden“ ausgeliefert worden, sondern auch infolge der Auslieferung gestorben (vgl. Mt 20,18-19; Lk 18,32-33). Durch seine Bereitschaft zum Tod stellte sich Paulus in die radikale Nachfolge Jesu, seines "Herrn“, dem er diente.

Paulus sah Jesus nicht nur als seinen eigenen "Herrn“ an, sondern als den "Herrn“ aller Christen. Daher bezeichnete er ihn in V. 13 auch nicht als "mein Herr“, sondern als "der Herr“.

 

Dem Namen kommt in V. 13 wohl keine besondere Bedeutung zu. Die Formulierung "für den Namen des Herrn Jesus“ dürfte wohl im Sinne "für den Herrn Jesus“ zu deuten sein. Allerdings erinnert der Name daran, in wessen Namen christliche Handlungen wie z. B. die Taufe erfolgten. So wie der Name grundsätzlich die christlichen Handlungen bestimmte, so bestimmte er auch das Verhalten des Paulus im Angesicht des Jerusalembesuches.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 14

 

Beobachtungen: Der Aorist "hêsychasamen“ kennzeichnet eine einmalige, kurze Handlung. Daher ist die Übersetzung "wir wurden still“ der Übersetzung "wir schwiegen“ vorzuziehen.

 

Das abschließende "Des Herrn Wille geschehe!“ ist nicht im Sinne der Resignation, sondern im Sinne des Anerkennens des Willens des "Herrn“ zu verstehen. Liest man V. 14 isoliert für sich, ist fraglich, was der Wille des "Herrn“ war. Mit Blick auf V. 11 wird der Wille des "Herrn“ aber deutlich: Es war der Wille des "Herrn“, dass Paulus in Jerusalem gefesselt und in die Hände der Heiden ausgeliefert wird. Zwar ist der heilige Geist nicht mit dem "Herrn“ gleichzusetzen, denn dieser Titel kommt in V. 14 Jesus zu, (vgl. V. 13; ansonsten wird auch Gott als "Herr“ bezeichnet), doch ist der heilige Geist in einem engen Zusammenhang mit Jesus (und Gott) zu sehen. Der Wille des heiligen Geistes wich also nicht von demjenigen Jesu ab. Vielmehr wurde der Wille Jesu (und Gottes) vom heiligen Geist geäußert, wobei der Prophet Agabus wiederum als "Sprachrohr“ des heiligen Geistes und letztendlich auch Jesu (und Gottes) diente.

Die Aussage "Des Herrn Wille geschehe!“ erinnert an die Worte Jesu im Garten Gethsemani kurz vor seiner Gefangennahme (Lk 22,42). Jesus hatte sich in den Willen Gottes gefügt. Auch diese Parallele zeigt, dass Apg 21,10-14 im Lichte der letzten Tage Jesu zu lesen ist und Paulus in der radikalen Nachfolge Jesu erscheinen soll.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

Koch, Dietrich-Alex; Kollektenbericht, "Wir“-Bericht und Itinerar. Neue (?) Überlegungen zu einem alten Problem, NTS 45/3 (1999), 367-390

Rapske, Brian; The Book of Acts and Paul in Roman Custody (The Book of Acts in Its First Century Setting 3), Grand Rapids, Michigan - Carlisle 1994

Thornton, Claus-Jürgen; Der Zeuge des Zeugen: Lukas als Historiker der Paulusreisen (WUNT 56), Tübingen 1991

Wehnert, Jürgen; Die Wir-Passagen der Apostelgeschichte: ein lukanisches Stilmittel aus jüdischer Tradition (Göttinger Theologische Arbeiten 40), Göttingen 1989