Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (Apg 21,18-26,32)

Apg 21,31-36

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 21,31-36

 

 

Übersetzung

 

Apg 21,31-36:31 (Und) Als sie sich daranmachten, ihn umzubringen, erging an den Tribun der Kohorte Meldung, ganz Jerusalem sei in Aufruhr. 32 Der nahm sich sofort Soldaten und Hauptleute und lief zu ihnen hinab. Als sie den Tribun und die Soldaten erblickten, hörten sie auf, (den) Paulus zu schlagen. 33 Da trat der Tribun heran, nahm ihn fest und befahl, [ihn] mit zwei Ketten zu fesseln. Und er erkundigte sich, wer er denn sei und was er getan habe. 34 In der Menge riefen ihm die einen dies zu, die anderen das. Weil er wegen des Lärms den Sachverhalt nicht klären konnte, befahl er, ihn in die Kaserne abzuführen. 35 Als er aber an die Stufen kam, geschah es, dass er wegen des gewaltigen Drucks der Menge von den Soldaten getragen wurde. 36 Denn die Volksmenge drängte nach und schrie: "Weg mit ihm!“

 

 

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V. 31

 

Beobachtungen: Der Abschnitt Apg 21,31-36 schließt an den Rauswurf des Paulus aus dem Tempel (V.27-30) an. Man hatte Paulus vorgeworfen, er habe Griechen in das Heiligtum hineingebracht und so diese Stätte entweiht. Nun wird die Reaktion des Militärs der römischen Besatzungsmacht geschildert.

 

Es bleibt offen, wer genau es war, der sich daranmachte, Paulus umzubringen. Es lässt sich nur sicher sagen, dass es eine Mehrzahl Menschen war. Diese Menschen können dieselben gewesen sein, die Paulus aus dem Tempel hinausgezerrt hatten. Dann wären es Angehörige des zuvor erwähnten jüdischen Volksauflaufs, die in den Tempel gestürmt waren, Juden aus der Provinz Asien, andere im Tempel Anwesende oder Angehörige des Tempelpersonals gewesen. Es können aber auch Menschen gewesen sein, die nicht zu denjenigen gehörten, die Paulus aus dem Tempel hinausgezerrt hatten. Dann wären es Teilnehmer des Volksauflaufs gewesen, der sich vor dem Tempel ereignet haben dürfte. Wie auch immer: Die Juden erscheinen als diejenige Personengruppe, die für die beabsichtigte Lynchjustiz verantwortlich zu machen ist.

 

Nicht gesagt ist, auf welche Weise Paulus umgebracht werden sollte. Waffen werden nicht genannt, so dass die Lynchjustiz mit oder ohne Waffen in Angriff genommen worden sein könnte.

 

Bei der Kohorte (speira) handelte es sich um eine militärische Einheit, und zwar um eine Untereinheit der Legion. Eine Legion umfasste 3000-6000 Mann und war regulär aus zehn Kohorten zusammengesetzt. Eine Kohorte (von lat. cohors = Schar, Gefolge) umfasste also 300-600 Mann. Die Kohorte wiederum war aus sechs Centurien (Hundertschaften) zusammengesetzt, wobei jeweils zwei Centurien ein Manipel bildeten. In modernen Begriffen ausgedrückt könnte man den Manipel als "Kompanie“ bezeichnen, die Kohorte als "Bataillon“. Handelte es sich bei der Legion und der Centurie eher um Verwaltungseinheiten, so war die Kohorte die militärisch-taktische Grundeinheit. Sie wurde von einem Tribun (lat. tribunus cohortis) befehligt. Der griechische Begriff "chiliarchos“ ist wörtlich mit "Tausendschaftsführer“ zu übersetzen. Die Kohorte wurde also als eine Tausendschaft Soldaten angesehen, auch wenn sie tatsächlich etwas kleiner war. Die V. 31-36 lassen offen, von welcher Kohorte und von welchem Tribun die Rede ist. Erst in 23,26 wird der Name des Tribuns genannt: Claudius (oder: Klaudius) Lysias.

 

Unklar ist, wer dem Tribun die Meldung überbrachte. Dies ist auch unerheblich, denn entscheidend ist, dass ihm die Meldung überbracht wurde.

 

Unklar ist, ob es sich bei der "Meldung“ ("phasis“) um eine formale Meldung oder um ein Gerücht handelte. Für eine formale Meldung spricht, dass der Tribun wohl kaum so unverzüglich auf ein Gerücht reagiert haben dürfte. Für ein Gerücht spricht, dass die Meldung recht unpräzise, ja sogar übertrieben wirkt. Dass tatsächlich "ganz Jerusalem“ in Aufruhr war, ist eher unwahrscheinlich.

"Ganz Jerusalem“ (vgl. V. 30: "ganze Stadt“) muss allerdings nicht unbedingt wörtlich zu nehmen sein. Wesentlich ist, dass es sich um einen Aufruhr handelte, der sich über das Tempelgelände hinaus ausgebreitet und − vermutlich auf dem Vorhof der Heiden − zu einem Volksauflauf geführt hatte. Die Formulierung verdeutlicht die Größe der Bedrohung, die ein Einschreiten des Tribuns erforderte.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 32

 

Beobachtungen: "Hekatontarchês“ ist genau genommen mit "Hundertschaftsführer“ (allgemeinere Übersetzung: Hauptmann) zu übersetzen. Der Begriff verweist auf die Untergliederung des römischen Heeres in Hundertschaften (Centurien). Der "Hundertschaftsführer“ (lat. "centurio“) leitete die Hundertschaft (Centurie) an. Die "Hundertschaftsführer“ erscheinen als dem Befehl des Tribuns Unterstellte.

 

Dass Verb "hinablaufen“ ("katatrechô“) macht deutlich, dass sich der Tribun und seine Soldaten erhöht aufhielten. Vermutlich ist vorausgesetzt, dass sie sich in ihrer Kaserne, der Burg Antonia, aufhielten, die sich an der Nordwestecke des Tempels befand. Die auf ihren Mauern patroullierenden Soldaten konnten das gesamte Tempelgelände, insbesondere den Vorhof der Heiden, überblicken. Von diesen Soldaten könnte die Meldung des Aufruhrs dem Tribun übermittelt worden sein. Allerdings konnten die Soldaten von den Mauern des Tempels aus nicht beurteilen, ob "ganz Jerusalem“ in Aufruhr war. Insofern kann die Meldung dem Tribun auch von anderer Seite aus zugegangen sein. In diesem Fall käme dem Verb "anabainô“ ("[hinauf] ergehen an“) wörtliche Bedeutung zu: die Meldung oder das Gerücht ist zu dem Tribun hinauf ergangen, und zwar vom Vorhof der Heiden oder von der Stadt hinauf in die Burg Antonia.

 

Das Personalpronomen "ihnen“ bezieht sich auf diejenigen Personen, die sich darangemacht hatten, Paulus zu töten. Dies lässt sich daraus erschließen, dass diese Personen den Tribun und die Soldaten erblickten und daraufhin aufhörten, Paulus zu schlagen. Dass sie mit dem Schlagen aufhörten, zeigt, dass dem Tribun und den Soldaten Autorität zukam.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 33

 

Beobachtungen: Fraglich ist, wie der Tribun überhaupt an Paulus herantreten konnte. Geht man davon aus, dass Paulus von Menschen umringt war, müssen die Menschen beim Erscheinen des Tribuns samt seiner Soldaten diesem bereitwillig Platz gemacht oder die Soldaten dem Tribun den Weg gebahnt haben. Allerdings ist auch möglich, dass sich nur einige Personen daranmachten, Paulus zu töten. Der Rest könnte so zugeschaut haben, dass Platz blieb, durch den der Tribun samt seinen Soldaten zu Paulus gelangen konnte.

 

Dass Paulus sogleich festgenommen und gefesselt wurde, zeigt, dass der Tribun ihn als Unruhestifter ausgemacht hatte. Der Tribun ging also nicht gegen den Aufruhr an sich vor, sondern gegen die Ursache des Aufruhrs. Dadurch konnte er den Aufruhr wirksam eindämmen und besänftigen.

 

Zwei Ketten dürften bei der Fesselung benutzt worden sein, weil Paulus zwei Hände hatte. Dabei dürfte es sich um zwei Handschellen gehandelt haben. Diese können mittels einer Kette miteinander verbunden gewesen sein. Dann wäre es jedoch genau genommen eine Kette mit zwei Handschellen gewesen. Zwei Ketten im eigentlichen Sinne wären es gewesen, wenn es sich um zwei Handschellen und um zwei Ketten gehandelt hat. Dann würde sich jedoch die Frage stellen, womit die in Handschellen gelegten Hände des Paulus verbunden wurden. Am ehesten ist daran zu denken, dass die beiden Ketten von einem Soldaten oder auch von zwei Soldaten gehalten wurden, wobei in letzterem Fall jeder Soldat eine Kette gehalten hätte. Zwar ist theoretisch auch möglich, dass mit einer Kette die Hände und mit der anderen die Füße gefesselt wurden, doch hätte eine Fesselung der Füße die Abführung des Paulus (vgl. V. 34) verhindert. Man kann die Erwähnung der zwei Fesseln zwar auf die Bewahrheitung der Weissagung des Propheten Agabus hin deuten, doch ist eine solche Deutung keinesfalls über alle Zweifel erhaben. Zwar hatte sich Agabus in seiner auf die Gefangennahme des Paulus verweisenden Zeichenhandlung sowohl die Hände als auch die Füße gefesselt, doch hatte er dies nicht mit zwei Gürteln, sondern nur mit einem Gürtel getan (vgl. Apg 21,10-11).

 

Das Imperfekt "epynthaneto“ ("er erkundigte sich“) weist auf einen länger währenden Vorgang hin. Hier ist wohl gemeint, dass es sich nicht nur um kurze Fragen und kurze Antworten handelte, sondern um ein Verhör.

Es wird nicht gesagt, bei wem sich der Tribun erkundigte. Fragte er Paulus oder fragte er die aufgebrachten Menschen? Falls letzteres der Fall ist, ist kaum anzunehmen, dass sich der Tribun an eine Menge als Ganze wandte. Da es sich gemäß V. 34 um eine "Menge“ handelte, dürfte er sich bestimmte Personen für die Befragung ausgesucht haben.

 

Weiterführende Literatur: Mit der Frage, wie Paulus gefesselt war, befasst sich B. Rapske 1994, 139-140. Vermutlich sei von zwei Handschellen auszugehen, die mit zwei Soldaten verbunden waren. Begründung: Erstens gehe Lukas mehr ins Detail, wenn er von der Fesselung von Händen und Füßen spreche (vgl. Lk 8,29; ähnlich Mk 5,4), zweitens lasse 21,35 annehmen, dass Paulus noch laufen konnte.

 

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V. 34

 

Beobachtungen: Es kommen allerdings keine ausgesuchten Personen in den Blick, sondern es ist nur von der "Menge“ ("ochlos“) die Rede, von der der Tribun Antworten erhielt. Das lässt darauf schließen, dass der Tribun seine Fragen nicht an ausgesuchte Personen aus der Menge richtete, sondern an Paulus. Dass dem Tribun aus der Menge trotzdem Antworten ungefragt zugerufen wurden, lässt die Erregung der Menschen erkennen.

Aus der Tatsache, dass sich die Antworten aus der Menge unterschieden, lässt sich das mangelnde Wissen der zur Menge gehörenden Menschen erschließen. Vermutlich riefen sie einfach das, was sie über Paulus erfahren hatten, wobei es sich vorrangig um Gerüchte gehandelt haben dürfte. Aus V. 27-30 war ja hervorgegangen, dass sich die Juden beim Rauswurf des Paulus aus dem Tempel nicht die Mühe gemacht hatten, wahren Sachverhalten nachzugehen; sie hatten vielmehr nur vorurteilsbeladene Vermutungen geäußert. Da niemand den wahren Sachverhalt kannte, sondern jeder Fehlinformationen oder Halbwahrheiten folgte, unterschieden sich die Antworten.

 

Der Tribun erscheint als an den wahren Sachverhalten interessiert. Weil er erkannte, dass er diese aus den verschieden lautenden Antworten aus der Menschenmenge nicht ermitteln konnte, zumal der Lärm das Verstehen erschwerte, befahl er, Paulus in die Kaserne abzuführen. Dabei dürfte mit der Kaserne die Burg Antonia gemeint sein.

Der Papyrus 74 liest "anagesthai“ ("hinauf abführen“) statt "agesthai“ ("abführen“). Er konkretisiert also, dass Paulus in die Burg Antonia hinauf abgeführt wurde.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 35

 

Beobachtungen: Das Substantiv "anabathmos“ kann sowohl die einzelne Stufe als auch die Treppe meinen. Insofern kann der Plural sowohl mehrere Stufen als auch mehrere Treppen meinen. Im Falle mehrerer Treppen könnte vielleicht eine von zwei Seiten zugängliche Freitreppe gemeint sein.

Es wird nicht gesagt, um welche Stufen/Treppen es sich handelte. Da es sich um ganz bestimmte Stufen/Treppen ("die Stufen/Treppen“) handelte, ist davon auszugehen, dass deren Bekanntheit seitens der Leser vorausgesetzt wird. Stufen/Treppen sind implizit schon in V. 32 erwähnt worden, denn auf diesen dürften der Tribun und die Soldaten die Burg Antonia hinabgelaufen sein. Da Paulus vermutlich in die Burg Antonia abgeführt wurde, ist am wahrscheinlichsten, dass es sich um die Stufen/Treppen handelte, die zur Burg Antonia führten. Da in V. 35 und V. 36 von einer "Menge“ und einer "Volksmenge“ die Rede ist, ist davon auszugehen, dass es sich nicht um Stufen/Treppen innerhalb der Burg Antonia handelte, sondern um Stufen/Treppen vor der Burg Antonia, die zu ihrem Eingang führten. Fraglich ist, ob diese Stufen/Treppen mit den von Josephus im Jüdischen Krieg erwähnten "Abstiegen“ ("katabaseis“), die an die Säulenhallen des Tempelplatzes stießen (vgl. 5,243-244), identisch sind.

 

Es wird nicht präzisiert, um welche "Menge“ ("ochlos“) es sich handelte. Mit der in V. 27 genannten "Menge“ (oder: Menschenmenge“) kann sie nicht identisch gewesen sein, weil sich die in V. 27 genannte im Inneren des Tempels befunden hatte, nicht aber im Vorhof der Heiden. Da inzwischen aus der ganzen Stadt Menschen herbeigelaufen waren, dürfte die Menschenmenge außerhalb des Tempels anders als diejenige innerhalb des Tempels zusammengesetzt gewesen sein, auch wenn letztere aus dem Tempel herausgekommen sein kann. Möglich ist allerdings, dass die in V. 35 genannte "Menge“ mit der zuvor in V. 34 genannten identisch war. Personen dieser in V. 34 genannten Menge hatten ja Paulus außerhalb des Tempelinneren, vermutlich im Vorhof der Heiden, zu töten versucht. Es ist durchaus möglich, dass diese "Menge“ zu den in die Burg Antonia führenden Stufen gelaufen war und ihn dort bedrängte. Auf dem Weg zu den Stufen können Menschen aus der "Menge“ ausgeschieden oder zu ihr hinzugestoßen sein. Insofern ist nicht sicher, dass die in V. 34 genannte "Menge“ mit der in V. 35 genannten identisch war.

 

Das Substantiv "bia“ kann sowohl "Gewalt“ als auch "Kraft“ bedeuten. Die "Gewalt“ oder "Kraft“ ging von der "Menge“ aus. Dabei ist jedoch unklar, ob die Menge gewalttätig war oder ob sie mit großer Kraft drückte. Insofern lässt sich auch nicht sagen, ob Paulus von den Soldaten getragen werden musste, damit er nicht verletzt oder gar getötet wurde, oder damit er nicht im Gedränge steckenblieb oder gar erdrückt wurde. Wahrscheinlich ist, dass beide Möglichkeiten im Blick sind: die "Menge“ war zugleich gewalttätig und drückte mit großer Kraft. Indem die Soldaten Paulus trugen, schützten sie ihn zum einen und sorgten dafür, dass er in die Burg Antonia gelangen konnte. Es bleibt zwar offen, wie die Soldaten Paulus trugen, doch ist am wahrscheinlichsten, dass sie dies hochgestreckt auf ihren Händen taten.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 36

 

Beobachtungen: Auch V. 36 enthält sowohl Hinweise auf drückende Kraft als auch auf Gewalt. Die "Volksmenge“ − wahrscheinlich als mit der "Menge“ V. 35 identisch gedacht − drängte nämlich Paulus nach und sie schrie, wobei die Gewalt auch aus den geschrieenen Worten hervorging: "Weg mit ihm!“

 

Angesichts der anzunehmenden Identität der in V. 35 und V. 36 genannten "Menge“ bzw. "Volksmenge“ ist die unterschiedliche Begrifflichkeit irritierend. So wird in V. 35 der Begriff "ochlos“ ("Menge“) benutzt, in V. 36 dagegen die Formulierung "plêthos tou laou“ ("Volksmenge“). Dabei bezeichnet "laos“ ("Volk“) hier sicherlich ganz konkret das Volk Israel, also die Juden, aus denen sich die "Menge“ ja im Wesentlichen zusammengesetzt haben dürfte. Die Irritation angesichts der unterschiedlichen Begrifflichkeit zeigt sich auch in den Textvarianten: Der Codex Bezae Cantabrigiensis und einige wenige weitere Textzeugen bieten in V. 35 "laou“ ("des Volkes“) statt "ochlou“ ("der Menge“), womit auch die in diesem Vers genannte Menge eindeutig als eine jüdische Menge erscheint. Der Begriff "laos“ ("Volk“) taucht nun sowohl in V. 35 als auch in V. 36 auf. Vielleicht erschien dies dem Schreiber des Codex Bezae Cantabrigiensis als unnötige Doppelung, sodass er (ebenso wie der Schreiber des Codex Gigas) in V. 36 "tou laou“ ("des Volkes“) strich. Dagegen bietet eine ebenfalls von wenigen Textzeugen gebotene Textvariante in V. 36 "plêthos tou ochlou“ ("Menge/Versammlung der Menge“) statt "plêthos tou laou“ ("Volksmenge“), womit die in V. 36 genannte Menge nicht mehr sogleich als jüdische Menge zu erkennen ist und der Begriff "ochlos“ sowohl in V. 35 als auch in V. 36 auftaucht. Bei beiden Varianten handelt es sich um begriffliche Angleichungen der V. 35 und 36.

Die Formulierung "plêthos tou laou“ kann zwar grundsätzlich auch "Volksversammlung“ bedeuten, doch kommt diese Bedeutung hier nicht infrage. Schließlich handelte es sich nicht um eine im Voraus festgesetzte Volksversammlung, sondern um einen spontanen Volksauflauf.

 

Mit nahezu den gleichen Worten hatten die Juden auch den Tod Jesu gefordert (vgl. Lk 23,18; ähnlich Joh 19,15). Vermutlich sind auch in Apg 21,36 die Worte so zu verstehen, dass der Tod gefordert wird.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

Rapske, Brian; The Book of Acts and Paul in Roman Custody (The Book of Acts in Its First Century Setting 3), Grand Rapids, Michigan - Carlisle 1994