Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (Apg 27-28)

Apg 27,33-38

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 27,33-38

 

 

Übersetzung

 

Apg 27,33-38:33 Bis es Tag werden wollte, redete (der) Paulus allen zu, Speise zu sich zu nehmen, und sagte: "Heute ist [schon] der vierzehnte Tag, den ihr in banger Erwartung appetitlos geblieben seid und nichts zu euch genommen habt. 34 Deshalb rate ich euch, Speise zu euch zu nehmen, denn das dient zu eurer Rettung. Keinem von euch nämlich wird ein Haar von seinem Kopf verlorengehen.“ 35 Nachdem er dies gesagt und Brot genommen hatte, dankte er (dem) Gott vor aller Augen, (und) brach es und begann zu essen. 36 Da fassten alle neuen Mut und nahmen ebenfalls Speise zu sich. 37 Wir waren insgesamt zweihundertsechsundsiebzig Seelen auf dem Schiff. 38 Und als sie von der Speise gesättigt waren, erleichterten sie das Schiff, indem sie das Getreide ins Meer (hinaus)warfen.

 

 

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V. 33

 

Beobachtungen: Gemäß Apg 27,27-32 hatten die Matrosen angesichts des bevorstehenden Auflaufens auf Klippen das Segelschiff mittels des Beibootes verlassen wollen, wobei das Ansinnen jedoch von den Soldaten auf einen Hinweis des Paulus hin mittels Kappen der Haltetaue verhindert worden war. Mit Blick auf 27,33-38 bedeutet das, dass sich die gesamte Besatzung weiterhin auf dem Segelschiff befand. Folglich redete Paulus auch den Matrosen zu.

 

Das Imperfekt "parekalei“ ("redete … zu“) zeigt an, dass sich das Zureden über eine gewisse Zeit, nämlich von der tiefen Nacht bis zum Tagesanbruch, erstreckte. Es ist davon auszugehen, dass Paulus nicht eine lange Ansprache an alle Mitreisenden gleichzeitig hielt, sondern er jedem einzelnen Mitreisenden gut zuredete.

 

Der Begriff "trophê“ kann "Speise/Nahrung“ jeder Art meinen. Es geht also nicht um eine ganz bestimmte Art Speise/Nahrung, sondern um jede beliebige.

 

Die Zeitdauer "vierzehn Tage“ entspricht in etwa der Zeitdauer, die das Segelschiff in der "Adria“ herumtrieb ("vierzehn Nächte“; vgl. V. 27). Mit dem Umhertreiben ging also Appetitlosigkeit einher. Eine symbolische Bedeutung der Zahl 14 ist hier nicht zu erkennen. Entweder handelt es sich um eine historisch korrekte Zeitdauer der Appetitlosigkeit oder die Zahl ist allgemein im Sinne von "eine lange Zeitdauer“ zu deuten.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 34

 

Beobachtungen: Die "Rettung“ ("sôtêria“) dürfte hier zunächst im leiblichen Sinne gemeint sein: Wenn die Schiffbrüchigen über lange Zeit nichts aßen, dann drohten sie schließlich zu verhungern. Aber auch in anderer Hinsicht konnte das Hungern lebensbedrohlich werden, nämlich dann, wenn das Schiff auf Klippen auflief, zerbrach und die Schiffbrüchigen um ihr Leben schwimmen oder auf Trümmern rudern mussten. Um auf diese Weise das rettende Ufer der nahenden Landmasse (vgl. V. 27) erreichen zu können, mussten sie bei Kräften sein. In V. 34 mag bei dem Wort "Rettung“ aber auch die Rettung im geistlichen Sinn, nämlich die Rettung der Seele und das ewige Leben, anklingen, die mit dem Essen verbunden sein konnte.

 

Eine Textvariante liest in V. 34 "zu unserer Rettung“ statt "zu eurer Rettung“. Möglicherweise erregte bei Schreibern Anstoß, dass Paulus sich selbst nicht in die Rettung einschloss. Allerdings lässt sich der besser bezeugte, von Nestle-Aland, 27. Aufl. gebotene Text damit erklären, dass Paulus ja seine Mitreisenden dazu bringen wollte, wieder Speise zu sich nehmen, und er deshalb ganz konkret den Mitreisenden ihre eigene Rettung ans Herz legen wollte. Paulus dürfte auch von seiner eigenen Rettung ausgegangen sein, jedoch war die im Augenblick des Zuredens zweitrangig. Folglich liest der besser bezeugte Text "zu eurer Rettung“ statt "zu unserer Rettung“.

 

Die Redewendung "Keinem von euch nämlich wird ein Haar von seinem Kopf verlorengehen“ findet sich schon im AT (vgl. 1 Sam 14,45; 2 Sam 14,11; 1 Kön 1,52; im lukanischen Doppelwerk findet sie sich ebenfalls in Lk 21,18). Sie unterstreicht bildlich die Vollständigkeit der Rettung.

Wörtlich heißt es "von dem Kopf“. Da jedoch klar ist, dass es um den Kopf jedes Angesprochenen geht, ist hier die Übersetzung "von seinem Kopf“ zu wählen.

 

Weiterführende Literatur: Möge Apg 27 auch detaillierte Orts- und Zeitangaben umfassen, die auf einen exakten Reisebericht schließen lassen könnten, möge dem erzählten Geschehen auch ein historischer Kern (vielleicht einige Notizen aus paulinischen Kreisen stammend) − eine ausführlicher Augenzeugenbericht liege kaum vor − zugrunde liegen, so sei der Duktus des gesamten, als Einheit gesehenen Kapitels laut R. Kratz 1997, 320-350 doch in erster Linie auf symbolisch-theologische (Be-)Deutung hin angelegt. Ein historischer Bericht lasse sich als Quelle unter Herauslösung der der lukanischen Redaktion zugeschriebenen Paulusszenen nicht herausarbeiten. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Lukas als Endredaktor auf reichhaltiges Quellenmaterial zurückgegriffen hat. Seesturm- und Schiffbruchdarstellungen seien in antiker Literatur und mündlicher Tradition in reichem Angebot zuhanden, geradezu zur literarischen Gattung geworden. Veranlassung der lukanischen Darstellung müsse eine Notiz (in welchem Umfang auch immer) über die Gefangenschaftsreise des Paulus nach Rom, und damit über das gefährliche Mittelmeer gewesen sein. Zum Verständnis von Apg 27: Es gehe um die Rettung des christlichen Missionars durch Gott. Diesem seinem Verkündiger, der nicht zugrunde gehen könne, sondern in Rom vor den Kaiser treten müsse, um das Evangelium Christi ungehindert in der damaligen Weltmetropole verkündigen zu können, habe Gott auch das Leben der Mitfahrenden geschenkt. Paulus sei gleichsam der zweite − ins Positive verkehrte − Jona, der nicht vor seinem Gott davonlaufe, nicht von den Heiden beschämt werden müsse, sondern in vorbildlicher Weise zu seinem Gott stehe, ihn gläubig bekenne und dadurch den Reisegefährten Mut einflöße, ihre Rettung, ihr Heil herbeiführe.

Auch S. M. Praeder 1984, 683-706 sieht eine Beziehung zwischen Apg 27,1-28,16 und der antiken Literatur mit ihren Reiseberichten, Vorhersagen von Sturm und Schiffbruch und Sturmszenen sowie ihrer Sorge um Sicherheit auf Seereisen. Das den gesamten Abschnitt durchziehende gemeinsame theologische Thema sei die Sendung des in Jesus Christus und seiner Kirche gegründeten göttlichen Heils zu den Heiden.

 

Laut F. S. Spencer 1998, 150-159 handele die Apg nicht nur von der bemerkenswerten Wandlung des Paulus vom Erzfeind des Evangeliums hin zu dessen leidenschaftlichstem und dynamischstem Verkündiger, vor allem unter Heiden, sondern auch vom fortwährenden Kampf des Paulus um das Bekennen und Bewahren der neuen Identität angesichts widriger menschlicher, natürlicher und übernatürlicher Kräfte. Neben der Christuserscheinung auf dem Weg nach Damaskus (vgl. Apg 9) kämen auch den Ereignissen auf den Inseln Zypern (vgl. Apg 13) und Malta (vgl. Apg 28) am Anfang und am Ende der Missionsreisen besondere Bedeutung im Hinsicht auf die Entwicklung von Paulus' Charakter und Status zu. Im Rahmen seines Aufsatzes kommt F. S. Spencer auf verschiedene Aspekte der besonderen Bedeutung der Inseln in der Antike zu sprechen: Inseln hätten als Orte der Zuflucht, des Exils, der Erhöhung und heidnischer Bewohner gegolten. Auch Paulus erfahre Zypern als sicheres, lichtes Gebiet inmitten ungestümer Mächte der Finsternis um ihn herum. Für Paulus sei Zypern zwar kein Ort des Exils, aber doch der Auszeichnung, werde ihm doch Erstaunen und Respekt − sogar Glaube - entgegengebracht. Und schließlich werde er auf Zypern zum göttlich befähigten Führer der Verbreitung des Evangeliums und schließlich auch zum führenden Heidenmissionar. Der absolute Höhepunkt der Erhöhung des Paulus komme schließlich auf Malta. Er sei zwar ein Gefangener, werde aber verschiedentlich mit Respekt behandelt. In einer Zeit, als Paulus nicht missionarisch tätig sein konnte und in einem heftigen Unwetter mit den anderen Reisenden jegliche Hoffnung auf Rettung verlor (vgl. 27,20), habe er sich wieder als dynamischer Führer und Wohltäter herausgestellt, der aller Unbill trotzte. So habe er nicht nur seinen Mitreisenden wieder Mut gemacht, sondern sei zu großer Ehre gekommen (vgl. 28,10). Nach den Ereignissen auf Malta bis zum Ende der Apg habe er sich trotz seiner Gefangenschaft wieder wie ein Führer verhalten und das Evangelium verkündigt.

 

D. R. MacDonald 1999, 88-107 stellt zahlreiche Ähnlichkeiten der Schiffbrucherzählungen in der Apg und in der Odyssee des Homer (Buch 5 und 12) fest. So fänden sich auch in der Odyssee Wir-Berichte. Der Ablauf und das Vokabular der Schiffbrucherzählungen in der Apg und in der Odyssee des Homer ähnelten sich. Auch in der Odyssee werde die Rettung angekündigt, wenn auch nicht von einem Engel, sondern von der Meeresgöttin. Die Rettung erfolge sowohl in der Apg als auch in der Odyssee mittels des Schwimmens auf Planken. Sowohl Paulus als auch Odysseus würden auf der unbekannten Insel der Rettung von den Einheimischen freundlich aufgenommen und schließlich fälschlicherweise für einen Gott gehalten. Und schließlich erführen beide Helden bei ihrer Abreise Ehren. Nicht historische Fakten seien also Grundlage der Schiffbrucherzählung des Paulus, sondern literarische Fiktion. Lukas habe die Vorlage des Homer nicht nur imitiert, sondern christlich umgewandelt. Seine Absicht sei es gewesen, durch den Bezug des Schiffsbruchs des Paulus auf die Schiffbrüche des Odysseus Paulus und seinen Gott mittels eines Vergleichs zu erhöhen. Anders als Poseidon und Zeus sei der Gott des Paulus nicht für den Sturm verantwortlich, sondern nur für die Rettung. Odysseus verliere die Hoffnung, Paulus bleibe voller Vertrauen. Nur der Gott des Paulus rette sämtliche Schiffbrüchigen. Und schließlich werde bei Homer zwar der Held glänzend dargestellt, aber die Apg überrage die Odyssee hinsichtlich der Tugend des Paulus und seines Gottes.

 

C. K. Barrett 1987, 51-64 setzt sich kritisch mit der Meinung auseinander, dass Paulus wie die anderen Apostel ein "Gottesmann“ gewesen und als Nachfolger seines Meisters Jesus mit der gleichen göttlichen Kraft versehen und von dem gleichen göttlichen Geist wie dieser geleitet gewesen sei. Laut C. K. Barrett werde zwar verschiedentlich suggeriert, dass Paulus ein "Gottesmann“ sei, tatsächlich sei er es jedoch nicht. So sei beispielsweise die Aussage V. 34, dass für die Rettung die Aufnahme von Speise nötig sei, mit dem gesunden Menschenverstand zu erklären.

 

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V. 35

 

Beobachtungen: Es ist fraglich, ob die vier in V. 35 erwähnten Handlungen im Sinne eines gewöhnlichen jüdischen Mahles oder im Sinne eines christlich-eucharistischen Mahles zu deuten sind. Auch der jüdische Hausvater nahm bei einer Mahlzeit gewöhnlich das Brot, sprach aus Dankbarkeit für das Geschaffene Segenssprüche, brach das Brot und begann zu essen bzw. leitete das gemeinsame Essen ein. Die fehlende Erwähnung von Wein, die fehlende Bildung von Gemeinschaft und die Tatsache, dass die meisten Schiffbrüchigen im Gegensatz zu Paulus keine Christen waren, lassen an ein gewöhnliches jüdisches Mahl denken. Allerdings dürfte die Mehrheit der Schiffbrüchigen anders als Paulus auch kein Jude gewesen sein, was man wiederum als Argument gegen ein gewöhnliches jüdisches Mahl anführen kann. Ebenfalls spricht gegen ein gewöhnliches jüdisches Mahl, dass alle vier Handlungen durchaus Bestandteil eines christlich-eucharistischen Mahles sind. Der Wein wird möglicherweise deshalb nicht erwähnt, weil es nur um die Kräftigung durch das Essen geht. Auch die vorhergehende, durchaus auch eine geistliche Deutung ermöglichende Erwähnung des Begriffs "Rettung“ lässt an ein christlich-eucharistisches Mahl denken, das ja im Zusammenhang mit der Auferstehung und dem ewigen Leben, also der Rettung der Seele vor dem ewigen Tod, zu sehen ist. Auch wenn die anderen Schiffbrüchigen mehrheitlich wohl keine Christen waren, kann das Mahl durchaus christlichen Charakter gehabt haben, denn auch die anderen Schiffbrüchigen vertrauten Paulus und seinem Gott in der Not zunehmend. So diente das Mahl dem Paulus möglicherweise dazu, die anderen Schiffbrüchigen noch stärker in den Bann seines Gottes zu ziehen, ohne dass sie bereits Christen waren.

Im Sinne eines christlich-eucharistischen Mahles deutet eine Textvariante V. 15 und fügt dementsprechend "und gab auch uns davon“ hinzu. Gemäß dieser Textvariante handelte es sich also um ein Gemeinschaftsmahl, bei dem alle am Brot teilhatten.

 

Die Formulierung "vor aller Augen“ (wörtlich: "vor allen“; "enôpion pantôn“) unterstreicht den Vorbildcharakter des Handelns. Das Vorbild des Paulus V. 35 führt zur Nachahmung der anderen Schiffbrüchigen V. 36.

 

Weiterführende Literatur: C. H. Talbert, J. H. Hayes 1995, 321-326 befassen sich mit folgenden Fragen: Welcher theologische Inhalt hat sich den Lesern der Sturmberichte Lk 8,22-25 und Apg 27 erschlossen? Wie fügen sich diese beiden Sturmberichte in das lukanische Gesamtwerk ein? Ergebnis (zu Apg 27): Der Schiffbruch und der Angriff der Schlange seien keine Strafe Gottes gewesen. Die Rettung des Paulus sei nicht auf dessen Leistung, sondern auf den Plan Gottes zurückzuführen. Gott erweise Paulus als Gerechten, nicht als Sünder. Dem entspreche, dass in 23,12-26,32 auch Menschen die Unschuld des Paulus bekräftigten. Diese Aspekte fügten sich nahtlos in den weiteren literarischen und theologischen Horizont des lukanischen Gesamtwerkes ein.

 

Laut C. K. Barrett 1987, 60-64 erinnere das Mahl an des letzte Abendmahl Jesu.

 

H. Mottu 2004, 109-120 macht sich anhand von 27,33-38 Gedanken zur "prophetischen Eucharistie“.

 

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V. 36

 

Beobachtungen: Dass alle neuen Mut fassten und ebenfalls Speise zu sich nahmen, wird nicht als ein sich lange hinziehendes, sondern als ein kurzzeitiges, in etwa gleichzeitiges Geschehen dargestellt. Dementsprechend ist als Zeitform der Verben der Aorist gewählt. Es fassten auch nicht nur einige der Schiffbrüchigen Mut und nahmen Speise zu sich, sondern alle.

Es ist fraglich, ob sich alle am Brotbrechen des Paulus beteiligten. Zwar ist in V. 35 vom "Brot“ ("artos“) die Rede, in V. 36 wird aber nur allgemein "Speise“ ("trophê“) erwähnt, die alle zu sich nahmen. Zwar ist auch Brot eine Speise, doch umfasst "Speise“ auch andere Arten Nahrungsmittel. Dementsprechend ist in V. 33 auch noch keine Verengung des Begriffs zu erkennen. Somit ist wohl in V. 36 nicht ausgesagt, dass alle am Brot Anteil hatten, sondern dass alle sich Paulus zum Vorbild nahmen und aßen. Was sie aßen, bleibt offen. Dass es Brot war, wird nicht ausdrücklich gesagt.

Nur wenn man wie die Textvariante von V. 35 von einer Teilhabe der anderen Schiffbrüchigen am von Paulus gebrochenen Brot ausgeht, liegt die Deutung nahe, dass in V. 36 der Begriff "Speise“ konkret das von Paulus gebrochene Brot meint.

 

Die Tatsache, dass auf das Vorbild des Paulus hin alle wieder aßen, kann auch erhellen, warum es gemäß V. 21 auf dem Schiff zu einem großen Hungern bzw. zu großer Appetitlosigkeit gekommen war. Der hohe Seegang dürfte nicht der Auslöser für das Hungern bzw. die Appetitlosigkeit gewesen sein, denn erstens ist nicht klar, ob sich dieser bei dem Brotbrechen des Paulus schon gelegt hatte − dafür spricht, dass ohne Probleme die Tiefe der See gemessen werden konnte (vgl. V. 28), dagegen spricht, dass die Schiffsbesatzung weiter in großer Sorge um das Schiff war -, und zweitens erscheint der Seegang hinsichtlich des Essens als bedeutungslos. Wenn das Schiff weiterhin stark schwankte, zeigte Paulus mit seinem Handeln, dass man auch bei hohem Seegang durchaus Brot essen konnte. Wenn sich die See gelegt hatte, hätte jeder bereits zu Nahrungsmitteln greifen können, ohne erst auf das Vorbild des Paulus zu warten. Besonderer Zubereitung bedurfte die Speise des Paulus nicht, denn das Brot wird nicht erst auf dem Schiff gebacken, sondern bereits gebacken mitgenommen worden sein. Verdorben gewesen sein können das Brot und andere Nahrungsmittel auch nicht, weil Paulus sonst nichts hätte essen und die anderen nicht seinem Vorbild hätten folgen können. Diese Beobachtungen legen nahe, dass das Hungern psychisch zu begründen ist und seine Ursache entweder in der Furcht oder in der Hoffnungslosigkeit hatte. Furcht dürften die Mitreisenden des Paulus auch noch gehabt haben, als Paulus vor ihren Augen das Brot brach und aß. Was sich aber angesichts der Worte und des Handelns des Paulus legte, war die Hoffnungslosigkeit. Paulus hatte deutlich gemacht, dass das Leben aller Schiffbrüchigen weitergehen würde, und er unterstrich dies nun durch sein vorbildhaftes Essen. So fassten auch die Mitreisenden des Paulus wieder neuen Mut, der durch Vertrauen auf die Worte und das Handeln des Paulus ermöglicht wurde. Da Paulus wiederum seine Vorhersage, dass alle den Schiffbruch überleben würden, auf Gottvertrauen und nicht auf Selbstvertrauen gründete, vertrauten indirekt auch alle seine Mitreisenden seinem Gott. So verwundert es nicht, dass das Brotbrechen des Paulus den Charakter eines eucharistischen Mahles hatte und auch bei den mehrheitlich heidnischen Mitreisenden Wirkung entfalten konnte.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 37

 

Beobachtungen: In V. 37 meint der griechische Begriff "psychê“ nicht die menschliche Seele (Psyche) im Gegensatz zum menschlichen Körper, sondern die gesamte menschliche Person. Wenn also von "276 Seelen“ die Rede ist, so ist "276 Personen“ oder "276 Leute“ gemeint.

 

Warum nennt der Sprecher die genaue Zahl der "Seelen“ auf dem Schiff, nämlich 276? Vermutlich wollte der Sprecher präzisieren, wie groß der Vorbildcharakter des Handelns des Paulus war, indem er die genaue Zahl der "Seelen“, die sich hinter dem allgemeinen "alle“ verbarg, nannte. Es ist davon auszugehen, dass er den Vorbildcharakter als beträchtlich empfand und das Wundersame des Geschehens herausstellen wollte. Dabei stellt sich die Frage, ob es sich um die historisch korrekte Zahl handelt oder nicht. Dass sich auf dem Schiff insgesamt 276 Personen befanden, ist durchaus möglich. Antike Schiffe konnten eine beträchtliche Größe haben und auch noch mehr Personen befördern als 276. So berichtet der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus in seiner Autobiographie von einem eigenen Schiffbruch in der "Adria“ und merkt an, dass sich auf seinem Schiff etwa 600 Personen befunden und von diesen nur um die 80 überlebt hätten (vgl. Ios. Vita 15). Allerdings kann sich hinter der 276 auch mystische Zahlensymbolik verbergen. Zählt man nämlich die Zahlen 1 bis 23 zusammen, so kommt man auf die Summe 276. Allerdings ist nicht ersichtlich, welche symbolische Bedeutung die Zahl 276 in V. 37 haben könnte.

Bezüglich der Zahl der Personen auf dem Schiff gibt es viele Varianten, die anderslautende Zahlen bieten: 69, ungefähr 70, 76, 176, 270, 275, 522, 876. Dabei kann es sich um Hör- oder Schreibfehler oder um absichtliche Änderungen handeln. Vielleicht gab es bezüglich der Zahl Personen auf dem Schiff auch verschiedene Traditionen, die in der Vielzahl Varianten ihren Niederschlag finden. Es fällt auf, dass nicht alle Varianten geringere Zahlen als 276 bieten, es also nicht grundsätzlich für unwahrscheinlich gehalten wurde, dass 276 Personen auf einem Frachtschiff Platz finden könnten.

 

Der Sprecher schließt sich in die Zahl der Personen auf dem Schiff ein, erscheint in V. 33-38 jedoch nicht als Handelnder. So bleibt auch unklar, inwieweit auch der Sprecher von Hoffnungslosigkeit und daraus resultierender Appetitlosigkeit ergriffen worden war, und ob auch er erst auf das vorbildhafte Essen des Paulus hin wieder Speise zu sich nahm.

 

Weiterführende Literatur: Einen Forschungsüberblick über die Frage, wie die Wir-Stücke zu erklären sind, bietet J. Börstinghaus 2010, 282-304. Grundsätzlich habe man fünf Möglichkeiten erwogen, die Wir-Stücke zu erklären: a) Der traditionelle Ansatz: Man nehme an, dass der Verfasser durch das Wir anzeige, welchen Geschehnissen er als Augenzeuge und somit historischer Paulusbegleiter selbst beigewohnt hat. b) Der quellenkritische Ansatz: Man nehme an, dass der Verfasser eine Quelle, die bestimmte Phasen der Paulusreisen schilderte und im sog. "Wir-Stil“ verfasst war, ganz oder auszugsweise bzw. gekürzt zitiert und die 1. Pers. Pl. übernommen habe. c) Der Anspruch des Verfassers: Man nehme an, dass der Verfasser durch die Wir-Passagen einen (unberechtigten) Anspruch auf Augenzeugenschaft oder zumindest auf Erfahrung als Seereisender im östlichen Mittelmeerraum erhebe. d) Die literarische Erklärung: Man nehme an, dass Wir-Passagen ein literarisches Stilmittel seien, das auch sonst belegbar ist; der Verfasser habe sich dieses Stilmittel zunutze gemacht. e) Die theologische Erklärung: Man nehme an, dass der Verfasser die Wir-Passagen mit einer (im weiteren Sinne) theologischen Aussageabsicht eingesetzt habe. J. Börstinghaus sehe derzeit keine in jeder Hinsicht schlüssige und befriedigende Lösung für das Wir-Problem und versuche daher auf S. 304-345, wenigstens für das Wir-Stück 27,1-28,16, einen neuen (?) Erklärungsversuch zu unterbreiten. Dabei knüpft er an die Idee eines Rechenschaftsberichtes an. Diese sei von D.-A. Koch konsequent auf das eine Wir-Stück Apg 20,5-21,18 bezogen worden. Das sei ebenso neu wie die präzisen Überlegungen zu Abfassungs- und Verwendungszweck des Dokuments. D.-A. Koch 1999, 367-390 vertrete die plausible These, dass das zweite Wir-Stück (Apg 20,5-21,18) und nur dieses (ohne die Abschiedsrede in Milet 20,18-35), aber mit der Liste der Teilnehmer an der Kollektendelegation (20,4) auf einem Rechenschaftsbericht basiere, der auch in der 1. Pers. Pl. abgefasst gewesen sei. Dieser Rechenschaftsbericht habe dazu gedient, nach der Rückkehr von den einzelnen Gemeinden Rechenschaft über die Durchführung der Kollekte zu geben. In Analogie zu diesem Rechenschaftsbericht der Kollektendelegation nimmt J. Börstinghaus einen Rechenschaftsbericht an, in dem die wohl von der Gemeinde in Cäsarea dem Paulus als Geleit mitgeschickten Männer über ihr Tun und Lassen während der Reise nach Rom Bericht erstatteten, nachdem sie zu ihrer Gemeinde nach Cäsarea zurückgekehrt waren. Dieser Rechenschaftsbericht werde nur eine dürre Ansammlung von Informationen zum Inhalt gehabt haben, die Lukas aber als Gerüst einer großen Seereiseerzählung gedient haben dürften. Diese habe er dann, durch verbreitete Seefahrtserzählungen beeinflusst, relativ selbstständig und frei gestaltet, dabei aber die Erzählperspektive aus der 1. Pers. Pl. aus dem Bericht übernommen. Dem Lukas vorliegenden Rechenschaftsbericht seien in erster Linie die Orts- und Personennamen in 27,1-9.12 sowie in 28,1.11-16 zuzuweisen. Darüber hinaus könnten in dem Bericht auch einzelne Informationen über den Fahrtverlauf enthalten gewesen sein, wahrscheinlich auch die Zahlenangabe 276 in 27,37.

C. J. Hemer 1985, 79-109 deutet den Wir-Bericht in Apg 27-28 als Ausdruck der "Unmittelbarkeit“ der Erfahrung des Verfassers.

 

C.-J. Thornton 1991, 200-367 legt dar, dass Lukas nicht habe im Sinne der antiken Geschichtsschreibung Augenzeugenschaft für bestimmte Ereignisse beanspruchen wollen. Andernfalls hätte es genügt, im Proömium darauf hinzuweisen, dass er Paulus auf einigen seiner Reisen begleitet hatte und darum teilweise aus eigener Anschauung berichten könne. Aufgrund der detaillierten Darstellung der Europa-, Jerusalem und Romreise hätten die Leser selbstverständlich gewusst, wo der Erzähler am Geschehen beteiligt war. Allenfalls hätte er am gegebenen Ort jeweils hinzugefügt, dass er dies oder jenes miterlebt habe. Dies sei aber nicht seine Absicht gewesen. Vielmehr wolle sich Lukas einem relativ begrenzten und überschaubaren Kreis von Lesern gegenüber als Zeuge dafür verstanden wissen, dass und wie sich in entscheidenden Momenten der Geschichte des Christentums der göttliche Plan verwirklichte.

J. Wehnert 1989, 182-183 geht davon aus, dass sich Lukas bei den Wir-Passagen eines Stilmittels der jüdischen Literatur bediene, nämlich der (nachträglichen) Autorisierung eines Textes, und auf diese Weise seine um unbedingte Zuverlässigkeit bemühte Darstellung absichere (vgl. S. 182-183). Zu 27,1-28,16: Die sporadische bzw. ganz fehlende Verwendung des "Wir“ in den Abschnitten 27,13-44; 28,3-6.8-10a werfe die Frage auf, ob es sich hierbei um sekundäre Erweiterungen des Romreiseberichts handelt. Für diese Möglichkeit spreche vor allem, dass der Reisebericht 27,1-8 eine glaubwürdige und folgerichtige Fortsetzung erst in 28,11ff. finde: Das dreimonatige Überwintern von Schiff und Besatzung hätte in diesem Fall auf Kreta stattgefunden. Für diese Möglichkeit spreche weiter, dass das alexandrinische Schiff mit Fahrtziel Italien von 27,6 mit dem alexandrinischen Schiff mit Fahrtziel Syrakus - Rhegion − Puteoli von 28,11-13 fraglos identisch sein kann, so dass sich die historische Frage nach einem Schiffbruch des Paulus vor Malta erübrige. Der Aufenthalt auf Malta habe wohl nur drei Tage und nicht drei Monate gewährt. Ansonsten sei der Widerspruch zwischen den Zeitangaben "drei Tage“ (vgl. 28,7) und "drei Monate“ (vgl. 28,11) unlösbar. Als Resultat hält J. Wehnert fest, dass zwischen der Reisebeschreibung 27,1-8; 28,1-2.7.10-16 und den lukanischen Ergänzungen (den Pauluspassagen samt dem Seeabenteuer 27,9-44 sowie den Wundergeschichten 28,3-6.8-9; sämtlich mit dem Wir-Bericht nur lose oder gar nicht verknüpft) deutlich unterschieden werden müsse. Statt des von Lukas berichteten Schiffbruchs vor Malta sei in der Tradition wohl nur von einer (etwa dreimonatigen) Überwinterung auf Kreta die Rede gewesen, nach deren Ende die Fahrt nach Italien (mit dreitägigem Zwischenaufenthalt auf Malta) bestimmungsgemäß fortgesetzt worden sei (vgl. S. 44-45.110-112.193-196). Eine kritische Auseinandersetzung mit der literarkritischen Analyse von J. Wehnert bietet A. Suhl 1991, 21-28.

 

Laut C. Reynier 2006, 61-63.82-83 sei durchaus wahrscheinlich, dass das Schiff 276 Personen an Bord hatte. Aus Schiffsfunden gehe hervor, dass die Schiffe in der Antike immer größer geworden sind. Ein 600 Personen transportierendes Schiff habe eines 40 x 15 Meter großen Deckes bedurft. Eine solche Größe sei realistisch. Wie viele Tonnen das Schiff als Fracht laden konnte, sei unklar. Zur Zeit des Paulus habe das durchschnittliche Fassungsvermögen eines Frachtschiffes zwischen 150 und 500 Tonnen gelegen.

 

Laut M. Oberweis 1988, 169-183 helfe die Hypothese einer romanhaften Vorlage für Apg 27 bei der Deutung der 276 nicht weiter. Vielmehr sei die Zahlenangabe 276 fest in den Zusammenhang der Mahlszene eingebettet. Bei der Deutung bedient sich M. Oberweis der Gematrie. Diese Form der Dechiffrierung basiere auf der Tatsache, dass im Griechischen und im Hebräischen alle Buchstaben auch als Ziffern verwendbar sind. In hebräischen Ziffern geschrieben, stelle sich die 276 wie folgt dar: Resch = 200, Ajin = 70, Waw = 6. Würden diese Zeichen in gematrischer Deutung als Buchstaben aufgefasst, so entstehe durch Punktation das hebräische Wort raʽu ("sie haben geweidet“). Damit werde klar, warum die Zahl 276 unmittelbar auf V. 36 folgen muss: Die erschlossene Verbform sei ersichtlich eine Paraphrase des griechischen "proselabonto trophês“ ("sie nahmen Speise zu sich“; vgl. V. 36). Wenn der Verfasser auf hintergründige Weise die essenden Schiffsreisenden mit einer weidenden Herde vergleiche, verfolge er damit wohl eine bestimmte theologische Absicht. Paulus sei trotz seiner herausgehobenen Stellung Bestandteil der weidenden Herde, nicht aber der Hirte. Mit dem sorgenden Hirten, auf den das Zahlenrätsel verweisen wolle, könne demnach nur jener Gott gemeint sein, den Paulus bereits in V. 23-24 als rettende Instanz verkündet hat. Lukas habe in Apg 27 eine literarische Aneignung von Motiven aus Ps 23 vorgenommen.

 

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V. 38

 

Beobachtungen: Der Begriff "sitos“ kann sowohl Getreide als auch konkret Weizen meinen. Dabei bleibt offen, ob es sich um Ladung des Schiffes oder um Proviant für die Reisenden handelte. Das Brot, das Paulus aß, war vermutlich bereits gebacken mitgenommen worden. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass es auf dem Schiff gebacken worden war. Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Getreide/Weizen um die Hauptladung des Schiffes, weshalb es/er auch noch im Schiff belassen worden war, als man bereits einen Teil der Ladung und auch Schiffsausrüstung über Bord geworfen hatte, um das vermutlich Leck geschlagene Schiff vor dem Untergang zu bewahren (vgl. V. 18-19). Vermutlich hatte das Getreide / der Weizen auch eine stabilisierende Funktion, indem es/er als im Schiffsbauch lagernder Ballast einen tiefen Gewichtsschwerpunkt bewirkte. Nachdem das Schiff Leck geschlagen war, konnte der Ballast der Neigung des Schiffes zu einer Seite entgegenwirken.

Der Zusammenhang zwischen der Sättigung und dem Werfen des Getreides/Weizens ins Meer ist möglicherweise darin zu sehen, dass man nach der Sättigung angesichts der nahe bevorstehenden Rettung keines Getreides/Weizens mehr bedurfte. Dieser Zusammenhang setzt voraus, dass das Getreide / der Weizen der eigenen Nahrungsmittelversorgung diente. Auch wird die Sättigung zu einer Stärkung geführt haben, die die Schiffsbesatzung erst in die Lage versetzte, das Getreide / den Weizen über Bord zu werfen. Angesichts des Verlustes des Beibootes wird man wohl angestrebt haben, für einen möglichst geringen Tiefgang des Schiffes zu sorgen, um möglichst nahe an das rettende Ufer heranfahren und dieses dann auch ohne Beiboot erreichen zu können. Die Rettung von Menschenleben wäre dann der Rettung von Proviant oder Ladung Vorrang gegeben worden. Ein solcher Plan setzt aber voraus, dass man nicht fest vom Auflaufen des Schiffes auf Klippen ausging. Die Furcht vor einem solchen Auflaufen hatte ja zum Fluchtversuch der Matrosen geführt (vgl. V. 29-30), jedoch mag die aufkeimende Hoffnung diese Furcht gemindert haben.

Weil nicht von Interesse ist, wie das Getreide / der Weizen transportiert und über Bord geworfen wurde, findet sich diesbezüglich keine Information. Es ist daran zu denken, dass das Getreide / der Weizen in Behältern, vielleicht in Säcken, verpackt war.

 

Weiterführende Literatur: Aus der Herkunft des Schiffes aus Alexandria (vgl. 27,6) und aus der Erwähnung des Begriffes "sitos“ (vgl. 27,38) werde laut C. Reynier 2006, 76-80 gewöhnlich geschlossen, dass das Schiff Getreide geladen habe. Diese Schlussfolgerung sei jedoch falsch. Staatliche, militärisch bewachte Getreideflotten seien von Alexandria nicht aufgebrochen. Private Schiffe hätten zwar Getreide geladen, aber ab einer bestimmten Schiffgröße seien auch andere Güter transportiert worden. "Sitos“ bezeichne nicht nur Getreide, sondern auch andere Nahrung wie insbesondere Brot im Gegensatz zum Fleisch. In V. 38 bezeichne also "sitos“ gebackenes, als Reiseproviant dienendes Brot und Getreide und Mehl für die Zubereitung von Brei. Vgl. J. Rougé 1985, 224. P. A. Gianfrotta 1997, 107 weist darauf hin, dass in Schiffswracks Mahlsteine gefunden worden seien, die wohl − zumindest wenn es sich um einzelne Exemplare handelte − nicht als Ballast gedient hätten, sondern zum Mahlen des Getreides oder des getrockneten Gemüses, um Brei oder Suppe herzustellen. Ebenfalls habe man Tischgeschirr, Kochtöpfe (teils mit Brandspuren) und Kohlenbecken gefunden. Das Brot, das man auf den Schiffen verzehrt habe, sei aus Gründen der Haltbarkeit fest gebacken und trocken gewesen. Funde von Angeln und Tierknochen zeigten, dass man auch auf Seefahrt nicht auf tierische Produkte verzichtete. Diese hätten frisch sein können, denn es sei Fisch gefangen und an Bord durchaus auch Kleinvieh geschlachtet worden. Laut J. Rougé 1985, 225 sei die kleine Küche für den Kapitän und diejenigen, die mit ihm zusammen aßen, vorbehalten gewesen. Der Rest der Schiffbesatzung habe wie die Reisenden vermutlich auf dem Deck die Speisen mit kleinen Holzkohlekochern, die das Grillen von Fisch und die Herstellung von flachen Kuchen/Broten ermöglicht hätten, zubereitet.

Zu Lieferungen von Getreide (insbesondere aus Alexandria) und von anderen Nahrungsmitteln und Gütern in die Großstadt Rom siehe A. Tchernia 1997, 116-121.

 

 

Literaturübersicht

 

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