Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Erster Thessalonicherbrief

Der erste Brief des Paulus an die Thessalonicher

1 Thess 4,1-12

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

1 Thess 4,1-12

 

 

Übersetzung

 

1 Thess 4,1-12:1 Im Übrigen (nun), Geschwister, bitten und ermahnen wir euch im Herrn Jesus, dass ihr, so wie ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben und Gott gefallen sollt - und wie ihr ja auch schon lebt -, dass ihr [darin] noch vollkommener werdet. 2 Denn ihr wisst, welche Weisungen wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. 3 Dies nämlich ist Wille (des) Gottes: eure Heiligung, dass ihr die Unzucht meidet, 4 dass jeder von euch versteht, sein eigenes "Gefäß“ in Heiligung und Ehrbarkeit zu erwerben, 5 nicht in leidenschaftlicher Begierde wie auch die Heiden, die (den) Gott nicht kennen; 6 dass man nicht zu weit geht und seinen Bruder [oder seine Schwester] im Handel übervorteilt, denn ein Rächer dieser Dinge ist [der] Herr, wie wir euch schon früher gesagt und nachdrücklich bezeugt haben. 7 Denn (der) Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern zur Heiligung. 8 Wer [das] nun verachtet, verachtet nicht (einen) Menschen, sondern (den) Gott, der seinen heiligen Geist in euch gegeben hat. 9 Dass man euch über die Geschwisterliebe schreibt, habt ihr nicht nötig, denn ihr selbst seid von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben; 10 das tut ihr ja auch an allen (den) Geschwistern, die in ganz Makedonien sind. Wir ermahnen euch aber, Geschwister, dass ihr noch vollkommener werdet 11 und eure Ehre darein setzt, ein ruhiges Leben zu führen, euch um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, wie wir euch geboten haben, 12 damit ihr ehrbar lebt vor denen, die draußen sind, und auf niemanden angewiesen seid.

 

 

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V. 1

 

Beobachtungen: Paulus, Timotheus und Silvanus setzen inhaltlich neu an. Nun gehen sie auf das ein, was noch "übrig“ ist. Bisher haben sie für das Verhalten der Thessalonicher gedankt und deren vorbildlichen Glauben und deren Liebe - nicht allerdings deren Hoffnung - gelobt. Immer war jedoch das Lob von Ermahnungen durchsetzt, als ob es angesichts der nahen Wiederkunft Christi um jeden Preis ein Abfallen der Thessalonicher zu verhindern und zugleich das positive Verhalten zu stärken gelte. Mit dem gedanklichen Neuansatz kommt nun der Lebenswandel in den Blick, wobei sich die Frage stellt, warum er überhaupt thematisiert wird, wo doch die Thessalonicher Gemeinde gemäß den eigenen Aussagen der Missionare schon (fast) vorbildlich lebt. Diese Frage stellt sich erst recht angesichts der Tatsache, dass die folgenden Ermahnungen bezüglich des gottgefälligen Lebenswandels mit Nachdruck geäußert werden, als seien sie besonders wichtig: Sie werden gleich mit zwei Verben eingeleitet und zwar mit "bitten“ und mit "ermahnen“. Zusätzlich wird betont, dass die Bitte und Ermahnung "im Herrn Jesus“ erfolgt; dieser stellt also den Maßstab für sie dar. Nun nennen die Missionare den Inhalt der Bitte, tun das allerdings mit einem komplizierten Satzbau. Das liegt vermutlich darin begründet, dass die Missionare beim Verfassen des Briefes in erster Linie das Ziel, nämlich die Vervollkommnung des Lebenswandels der Thessalonicher Gemeinde im Sinn haben. Nun ist es ihnen aber wichtig, erst deutlich zu machen, dass es sich bei der Bitte und Ermahnung um keinen unbekannten Inhalt handelt, sondern dass nur die Anweisungen bekräftigt werden, die sie bei ihrem Aufenthalt in Thessalonich schon gemacht haben.

Um die Bitte und Ermahnung abzuschwächen und die Gemeindeglieder wohlgesonnen zu stimmen, wird ein Einschub eingefügt, der deutlich macht, dass sich diese schon auf dem rechten Wege befinden. Nur - und das ist die eigentliche Bitte und Ermahnung - sie mögen diesen Weg verstärkt fortsetzen und ihren Lebenswandel optimieren.

 

"Geschwister“ meint hier nicht "leibliche Geschwister“, sondern Glaubensgeschwister, nämlich Christinnen und Christen. Bei dem Substantiv "adelphoi“ handelt es sich zwar um eine maskuline Form, die zunächst mit "Brüder“ zu übersetzen ist, jedoch sind hier vermutlich auch die "Schwestern“ eingeschlossen. Dass diese unkenntlich bleiben, liegt an der männerzentrierten Sprache, die gemischtgeschlechtliche Gruppen als reine Männergruppen erscheinen lässt.

 

Weiterführende Literatur: R. F. Collins 1998, 398-404 setzt sich zunächst mit Hypothesen auseinander, die davon ausgehen, dass der Erste Thessalonicherbrief aus mehreren Briefen zusammengesetzt sei, und fragt dann nach der Gattung des gesamten Briefes. Dabei fragt er jeweils danach, welchen Zweck die paränetischen Abschnitte des Briefes haben. Auf S. 404-410 geht er konkret auf 4,1-12 ein. 4,3-8 solle die Thessalonicher Christen sozialisieren, die durch eine fiktive Verwandtschaft verbunden sind. Es werde das besondere Verhältnis zu Gott betont, das auch ein besonderes, geheiligtes Verhalten bedinge. Gottes Wille sei, dass die Christen ihm allein gehören. Die Paränese 4,9-12 mache den Gemeindegliedern bewusst, dass sie ein von Gott gelehrtes soziales Ganzes bilden, das sich durch gegenseitige Liebe auszeichnet. Nach außen hin sollten die Thessalonicher Christen bei niemandem Anstoß erregen und niemandem zur Last fallen. R. F. Collins geht von der Einheit des Ersten Thessalonicherbriefes aus. H. Ulonska 1987, 210-218 dagegen vermutet, dass 4,3-8 zu einem älteren, im Ersten Thessalonicherbrief enthaltenen Paulusbrief gehöre. Dabei stützt er sich auf die Teilungshypothese von R. Pesch 1984 u. a. Dieser geht davon aus, dass der vorliegende Erste Thessalonicherbrief aus ursprünglich zwei verschiedenen Briefen zusammengesetzt sei, und zwar aus einem früheren, in Athen geschriebenen Brief, der 2,1-3,5.11-13; 4,1-8 umfasse, und aus einem späteren, in Korinth verfassten Brief, zu dem 1,1-10; 3,6-10; 4,9-5,28 gehörten. Den früheren Brief habe Paulus nach seiner überstürzten Abreise aus Thessalonich in Sorge über das Schicksal der Gemeinde geschrieben. Er habe Timotheus zu den Gemeindegliedern geschickt, weil er selbst am Kommen gehindert wurde, und habe ihm als Begleitschreiben den Brief mitgegeben. Laut H. Ulonska sei 4,3-8 der ermahnende Schlussteil des Briefes und habe die Heiligung zum Thema.

 

B. S. Rosner 1995, 351-360 knüpft an R. F. Collins 1984 Aussage auf S. 299-300 an, dass es sich bei 1 Thess 4,1-12 um das älteste dokumentierte Beispiel frühchristlicher moralischer Paränese handele. B. S. Rosner erwägt zwar, dass der Galaterbrief älter als der Erste Thessalonicherbrief sein könnte, stimmt jedoch der frühen Datierung letzteren Briefes zu. Im Rahmen seiner Aufsatzes geht er auf die Herkunft, den Kontext, die soziale Dimension, den Rahmen, die Logik, die Beweggründe und normativen Grundlagen und schließlich auf die Relevanz von 4,1-12 ein. Eine versweise Auslegung des Textes findet sich in R. Börschel 2001, 241-268.

Z. A. Crook 1997, 156-158 liest den Text unter dem Gesichtspunkt von "Ehre“ und "Schande“. Paulus verteidige seine Lehre, indem er die Adressaten darauf hinweist, dass bezüglich bestimmter Punkte die Wirklichkeit in der Gemeinde Thessalonichs nicht mit seinem Anspruch übereinstimmt.

 

N. O. Míguez 1989, 15-25 legt mittels 4,1-12 dar, dass Paulus eine Ethik vertrete, die derjenigen widerspricht, die in der heidnischen Umwelt der christlichen Gemeinden im Römischen Reich vorherrschend ist. Das auserwählte Volk Gottes solle den Weg der "Heiligung“ gehen und sich von der freizügigen Sexualmoral der heidnischen Welt abgrenzen. Gott sei das Zentrum christlicher menschlicher Beziehungen. Allerdings sei das Verhältnis der christlichen Gemeinden nicht nur durch Abgrenzung zu bestimmen, sondern auch durch die Kontinuität des Lebens, die durch ehrbaren Lebenswandel vor denen, die "draußen“ sind, gekennzeichnet sei.

Gemäß E. Verhoef 2007, 347-363 ermahne Paulus die Thessalonicher zu einem körperlich und geistig reinen Leben als Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi.

 

R. Hodgson Jr. 1982, 199-215 vertritt die These, dass 4,1-12 auf die Heiligkeitstradition zurückgehe, die auf dem Heiligkeitsgesetz Lev 17-26 basiert. Diese Tradition finde sich auch in Schriften des hellenistischen und palästinischen Judentums, wobei er Lev 17-26 LXX, Pseudo-Phokylides und die Damaskusschrift aus Qumran heranzieht. Sie enthalte drei charakteristische Bestandteile: a) grundlegende Aussagen zur Heiligkeit Gottes und/oder Heiligung des Gottesvolkes; b) konkrete Ermahnungen; c) weitere Motivation zum Verhalten entsprechend der Bestimmung. Diese drei Bestandteile fänden sich auch in 4,1-12.

Allgemein mit der Frage, inwiefern sich die Vorstellungen von der Erwählung der Christen als "heiliges Volk“ bei Paulus, dem Absender des Briefes, und seinen Adressaten gleichen, setzt sich T. J. Deidun 1981, 15-28 auseinander. Ergebnis: Paulus und die Adressaten teilen das Verständnis der Christen als "heiliges Volk“ analog zu dem "heiligen Volk“ Israel. Diese Erwählung verpflichte die Christen zu einem geheiligten, reinen Leben. Dem Einwand, dass die paulinischen Ermahnungen angesichts fehlender konkreter Missstände auf Topoi beruhten, hält T. J. Deidun entgegen, dass den Ermahnungen im Ersten Korintherbrief, die eine Reaktion auf tatsächliche Missstände seien, das gleiche Gedankengebäude vom "heiligen Volk“ zugrunde liege. Die Ermahnungen in 1 Thess 4,1-12 seien nur formaler und weniger scharf.

 

Im Hinblick auf die Anrede "Brüder“ legt R. Börschel 2001, 241-242 dar, dass deren Wurzel in dem Gedanken der Stammesverwandtschaft aller Israeliten zu suchen sei. Paulus greife auf diesen aus der jüdischen Tradition stammenden Begriff zurück, der − weil aus dem familiären Bereich stammend − sich im Vergleich zu anderen möglichen Begriffen durch eine besondere Intensität oder emotionale Färbung auszeichne. Unter Verwandten gelte ein verstärkter Zusammenhalt, ein höheres Maß an Solidarität etc.

 

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V. 2

 

Beobachtungen: Die Missionare erinnern an die Weisungen, die sie den Thessalonichern gegeben haben. Diese Weisungen sind verbindlich im Sinne von Geboten zu verstehen und sind auch für das gegenwärtige Leben relevant, wie die Verbform im Perfekt zeigt.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 3

 

Beobachtungen: Die Absender des Briefes nennen nun den Willen Gottes, den es zu erfüllen gilt. Hatten sie schon im Segenswunsch die "geheiligten Herzen“ erwähnt (3,13), so wird hier die Heiligung des ganzen Menschen als Wille Gottes dargestellt. So wie Gott heilig ist, so sollen auch die gläubigen Menschen heilig sein. Dieses Prinzip der Entsprechung ist schon im AT verbreitet (vgl. Lev 11,44; 19,2 usw.).

Im Zusammenhang mit der Heiligung gehen Paulus, Silvanus und Timotheus auf einzelne Aspekte ein. Dies ist entweder damit zu begründen, dass sie den Missionaren besonders wichtig sind, oder - und das ist wahrscheinlicher -, dass sich ein Teil der Thessalonicher Gemeindeglieder nicht daran hält. Letztere Möglichkeit würde auch erklären, warum trotz der Betonung, dass die Thessalonicher schon auf dem richtigen Weg sind, in V. 1 mit Nachdruck eine Vervollkommnung angemahnt wird. Es ist anzunehmen, dass einige Gemeindeglieder Unzucht - vermutlich ist damit illegitimer/außerehelicher Geschlechtsverkehr gemeint - treiben.

 

Weiterführende Literatur: W. Schrage 1989, 222-234 setzt sich − von der Begrifflichkeit im Zusammenhang mit "Heiligung“ und "Heiligkeit“ ausgehend − mit der Frage auseinander, inwiefern Heiligung ein Prozess ist und wie dieser genauer zu verstehen ist. Dass Gott selbst heiligt, entspreche der alttestamentlich-jüdischen Tradition. Auch dort erwachse Heiligkeit nicht aus Aktivität, sondern Partizipation. Im NT geschehe die Heiligung nicht durch den Gott Israels, sondern "in Christus“. Der geheiligte Christ bewege sich "in Christus“, der die Heiligung ist. Es folgt eine Bestimmung des Verhältnisses zwischen Rechtfertigung und Heiligung, das von Gleichzeitigkeit geprägt sei. Die Heiligung sei ethischer akzentuiert als die Rechtfertigung und sei sowohl ethische Größe als auch Gottes Heilswille. Der Prozess der Heiligung erfasse die ganze Gemeinde und den ganzen Christen. Er geschehe auf bestimmten "Wegen“ anhand von konkreten "Weisungen“ (vgl. 4,1). Abschließend geht W. Schrage konkret auf 1 Thess 4 ein.

 

Zur Heiligkeit und Christusnachfolge im Ersten Thessalonicherbrief siehe J. A. D. Weima 1996, 98-119, der konkret auf Heiligkeit im Sexualverhalten (4,3-8) und Heiligkeit bei der Arbeit (4,9-12) eingeht.

 

Einen knappen Überblick über die Diskussion im Hinblick auf das geforderte Meiden der Unzucht gibt R. Börschel 2001, 244-250.

O. L. Yarbrough 1986, 65-87 geht auf den Hintergrund der Vorschriften zu Ehe und Sexualmoral in 4,3-8 ein. Weder seien die Thessalonicher Gemeindeglieder wieder zu heidnischen sexuellen Praktiken zurückgekehrt, noch antworte Paulus auf konkrete Fragen, die Timotheus von Thessalonich mitgebracht hat, noch seien es einfach Topoi der griechisch-römischen Moraltradition, die Paulus nennt, sondern Paulus gehe es um die Unterscheidung der Christen von Nichtchristen. Diese solle durch die Vorschriften unterstrichen werden.

Mit der Identitätsfindung der frühchristlichen Gemeinden befasst sich eingehend G. Schimanowski 1994, 297-316. Die Studie geht auf die Wurzeln der Paränese und deren Erklärung sowie mit der Bedeutung der Mahnungen für das Leben der Gemeinde im Spannungsfeld von Außenbeziehung und innerer Identitätsfindung. Ergebnis im Hinblick auf das Innenleben und die Außenbeziehung: Einerseits werde die Gemeinde bestätigt und vergewissert, auf dem eingeschlagenen Weg nach den apostolischen Leitlinien weiter fortzuschreiten. Das schließe nun aber die gegenseitige Ermahnung nicht aus, sondern ein. Andererseits sollten mit Blick auf die Außenwelt die Gemeindeglieder weiterhin ihren bisherigen Tätigkeiten nachgehen. Was mit der Formulierug "sich um die eigenen Angelegenheiten kümmern“ gemeint ist, lasse sich kaum mehr näher verdeutlichen.

 

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V. 4

 

Beobachtungen: Nachdem V. 3 besagt hat, was dem Wille Gottes widerspricht, legt V. 4 dar, was ihm entspricht. Eins ist sicher: Gemeint ist das Gegenteil von Unzucht, doch die genaue Bedeutung von V. 4 ist unklar und daher umstritten.

Im Einzelnen: Der Begriff "skeuos“ bezeichnet normalerweise das bewegliche Gerät oder das Gefäß. In V. 4 bezieht sich der Begriff sicher auf einen menschlichen Körper, und zwar entweder auf den eigenen oder auf den der Frau. Beides ist unter dem Gesichtspunkt des Besitzes möglich, da nach altorientalischer Vorstellung der Ehemann nicht nur seinen eigenen Körper besaß, sondern auch der "Herr“ über das Geschlechtsorgan und damit den Körper seiner Ehefrau war. Die Bezeichnung "Gefäß“ macht bei dem weiblichen Körper auch durchaus Sinn, da er nicht nur das Körperinnere und die Seele umfasst - dies ist auch bei dem männlichen Körper der Fall -, sondern auch das männliche Geschlechtsorgan aufnimmt.

Eine weitere zentrale Frage ist, ob der Infinitiv Präsens ktasthai "erwerben“ bedeutet oder nicht auch im Sinne des Perfektes "besitzen“ übersetzt werden kann. Bei ersterer Bedeutung, die näher liegt, würde sich der Erwerb auf den Körper eines anderen Menschen beziehen. Bei der Bedeutung "besitzen“ wäre auch ein Bezug auf den eigenen Körper möglich. Diese Beobachtungen legen nahe, dass V. 4 den Erwerb oder Besitz des weiblichen Körpers und damit nach altorientalischem Verständnis den Eheschluss oder die Ehe meint. Damit wäre das Gegenteil von Unzucht ausgesagt, nämlich der legitime Geschlechtsverkehr im Rahmen der Ehe.

Offen bleibt allerdings, was genau mit den Substantiven "Heiligung“ und "Ehre“ gemeint ist. Aus dem folgenden Vers geht nur hervor, was sie nicht meinen, nämlich die Begierde. Damit lässt sich vage positiv ausdrücken, dass der respektvolle (geschlechtliche) Umgang mit dem anderen Geschlecht - hier ist wohl in erster Linie die Frau im Blick - gemeint ist.

 

Weiterführende Literatur: Der wesentlichste Streitpunkt der Ausleger bezüglich dieses Verses ist die Frage, ob sich die Formulierung "sein eigenes "Gefäß’“ auf den Körper des Mannes bzw. des Menschen, auf den Körper seiner Ehefrau oder auf das männliche Geschlechtsorgan bezieht. Damit hängt die Frage zusammen, ob das Verb ktasthai "besitzen“ oder "erwerben“ bedeutet. Ist vom Körper des Mannes bzw. des Menschen oder vom männlichen Geschlechtsorgan die Rede, so wird der Begierde die Enthaltsamkeit gegenüber gestellt, ansonsten die Ehe. E. Verhoef 2007, 347-363 gibt einen kurzen Überblick über die Argumente für die einzelnen Thesen, wobei er selbst von der Bedeutung "menschlicher Körper“ ausgeht. Einen knappen Einstieg in die jeweiligen Argumente und Gegenargumente bietet auch G. P. Carras 1990, 307-310, der ebenfalls für die Übersetzung mit "Körper“ plädiert. Vgl. die knappe Skizze der Diskussion von T. D. Still 2007, 207-219.

Die Bedeutung "Körper“ verteidigt N. Gupta 2009, 138-155 mittels eines Hinweises auf eine Parallele im apokryphen Brief des Jeremia 58, in der sich ebenfalls das Verb "ktaomai“ ("erwerben“) und das Substantiv "skeuos“ ("Gefäß“) verbunden fänden. So werde ein Götzenbild mit einem gewöhnlichen, im Haushalt gebrauchten Gefäß verglichen. Es sei besser, eine gewöhnliche Tasse oder Schale zu haben, die einen gewissen Nutzen für ihren Besitzer habe, als ein nutz- und wertloses Götzenbild. Ähnlich verhalte es sich gemäß Paulus mit einem menschlichen Körper. Wenn er − hier im Fall sexueller Unmoral − unbrauchbar werde, dann sei er nicht besser als ein Götzenbild.

S. Légasse 1997, 105-115, der auch auf die jüdische Auslegung eingeht, vermutet wie J. Whitton 1982, 142-143, dass mit dem "Gefäß“ das männliche Geschlechtsorgan gemeint sei. Ähnlich R. W. Yarbrough 1999, 215-232, der auf die Bedeutung des Wortes "Gefäß“, auf die Formulierung "nicht in leidenschaftlicher Begierde“ und das Verhältnis zwischen Gott und Mensch eingeht. Bezüglich der Bedeutung des "Gefäßes“ macht er u. a. deutlich, dass im Hinblick auf die Bedeutung "Frau“ der Hauptbeleg 1 Pet 3,7 nicht herangezogen werden könne, wie es häufig geschehe. 1 Pet 3,7 spreche zwar von der Frau als "Gefäß“, doch das Adjektiv "schwächer“ weise darauf hin, dass mit dem Begriff "Gefäß“ ohne nähere Bestimmung sowohl der Mann als auch die Frau gemeint sein könnten. Im Hinblick auf die paulinische Einstellung zur Sexualität sei festzustellen, dass er nicht sexuelle Beziehungen an sich ablehnt, sondern nur außereheliche und unnatürliche wie Homosexualität. Die zwischenmenschliche und speziell eheliche Beziehung solle von Liebe, Geduld und Selbstbeherrschung geprägt sein. Die Ansicht, dass mit dem "Gefäß“ das männliche Geschlechtsorgan gemeint sei, stützt J. E. Smith 2001, 499-504 mittels 4Q416 2 II,21 und weiteren Textpassagen v. a. der Qumran-Schriften. Vgl. T. Elgvin 1997, 604-619, der auf S. 609-619 auf die verschiedenen Positionen und ihre Vertreter eingeht und dabei einen guten Überblick über die als Beleg herangezogenen Quellen gibt. M. McGehee 1989, 82-89 setzt sich mit den Thesen von O. L. Yarbrough 1986, 7.68-72 und R. F. Collins 1984, 326-335 kritisch auseinander, dass sich V. 4 auf das Heiraten einer Frau bzw. auf das Zusammenleben mit einer Ehefrau beziehe. Er selbst geht davon aus, dass mit "Gefäß“ der Körper gemeint sei und Paulus sexuelle Enthaltsamkeit, möglicherweise auch Sexualität ohne Lust meine. N. Baumert 1990, 316-339 vertritt O. L. Yarbrough ähnlich die Meinung, dass "seine Frau erwerben“ gemeint sei. Bezüglich der Gleichsetzung des "Gefäßes“ allgemein mit dem Körper merkt er an, dass die dualistische Vorstellung des späteren Hellenismus, dass der Leib das "Gefäß“ der Seele sei, nicht paulinischer Anthropologie entspreche. E. Verhoef 2007, 347-363 gibt einen kurzen Überblick über die Argumente für die einzelnen Thesen, wonach "skeuos“ hier das männliche Geschlechtsorgan, die Ehefrau oder den menschlichen Körper bezeichne. Er selbst geht von der Bedeutung "menschlicher Körper“ aus.

J. M. Bassler 1995, 53-66 fragt nach der nächsten Parallele des Verses im NT und kommt zu dem Ergebnis, dass es nicht 1 Kor 7,1-7, sondern 1 Kor 7,36-38 sei. Das Wort "Gefäß“ in 1 Thess 4,4 sei möglicherweise ein metaphorischer Ausdruck für "jungfräuliche“ Partner. Diese Annahme sei zwar spekulativ, doch sei Paulus bei der Benutzung des Wortes nicht an herkömmliche Bedeutungen gebunden gewesen. Außerdem sei zu vermuten, dass Paulus sowohl in Korinth als auch in Thessalonich rein geistige Ehen eingeführt hat. Allerdings sei zu beachten, dass Paulus nicht auf einem sexuell enthaltsamen Lebensstil aller bestanden habe.

Die komplette Diskussion rollt M. Konradt 2001, 128-135 auf und kommt zu dem Ergebnis, dass mit "Gefäß“ die eigene Ehepartnerin gemeint sei. Gemäß V. 4-5 gehe es nicht nur darum, dass ein Christenmensch Geschlechtsverkehr ausschließlich innerhalb der Ehe vollziehen solle, sondern auch um die spezifische Weise, wie dies zu geschehen hat.

H. Ulonska 1987, 212-218 sieht die paulinischen Aussagen auf dem Hintergrund des antiken Festes Aphrodisia, das der Fruchtbarkeitsgöttin Aphrodisia gewidmet gewesen sei. Dieses Fest habe Paulus wahrscheinlich auf seinen Reisen erlebt. Junge Frauen hätten dabei vor ihrer Heirat im Tempel der Göttin als Hierodulen "in Heiligkeit und Ehrbarkeit“ gedient und dadurch Fruchtbarkeit von Mensch und Land garantiert. Die Kultjünger und Verehrer der Göttin seien "in Heiligkeit und Ehrbarkeit“ zur Hierodule gegangen, um sie zu "erkennen“ und hätten somit den Beitrag zur Sicherung der Fruchtbarkeit geleistet. So hätten sie dem Willen der Göttin und dem Heil des Landes gedient. Paulus verbiete seinen Brüdern, diesen Kultakt in der Gemeinde zu vollziehen, weil er seinem eigenen Verständnis von Heiligkeit nicht entspreche, das auf einen asexuellen Gott Jahwe bezogen sei. Die christliche Gemeinde sollte sich nicht wie ein Fruchtbarkeitskult verhalten. Paulus habe die christlichen Männer daher an ihre eigenen Frauen verwiesen, die sie − wie Göttinnen − in Heiligkeit und Ehrbarkeit hochschätzen sollten, was mit einem Ausklammern sexueller Lust verbunden gewesen sei. Im Hinblick auf die Bezeichnung der Frau als "Gefäß“ sei die Reduktion der Frau auf ihr primäres Geschlechtsmerkmal, die Scheide, nicht als Missachtung der Person zu verstehen, wenn man bedenke, dass es Abbildungen gibt, die eine Göttin mit einem Gefäß darstellen.

G. P. Carras 1990, 310-315 vertritt die These, dass die paulinische Sexualmoral der zeitgenössischen jüdischen entspreche, wobei er auf die einzelnen Laster der Lasterkataloge eingeht. Paulus erwarte, dass auch die heidnischen Konvertiten diese Sexualmoral übernehmen.

 

J. Doignon 1982, 163-177 befasst sich mit der Auslegung der Verse seitens der lateinischen Kirchenväter.

 

Die Bedeutung des Textes im Hinblick auf die freizügigen sexuellen Beziehungen großer Teile der brasilianischen Bevölkerung und die kirchliche Mission legt L. M. Martin 1990, 520-522 dar. Er hebt hervor, dass Paulus seine Theologie im Hinblick auf Ehe und Enthaltsamkeit auf die jeweils konkrete Situation zugeschnitten habe.

 

Mit den Schwierigkeiten, mittels archäologischer Funde die Stadt Thessalonich zur Zeit des Paulus rekonstruieren zu wollen, um das (religiöse) Leben in ihr und das Wirken des Paulus zu erhellen, setzt sich H. Köster 1994, 393-404 auseinander. Die Überreste aus der Zeit des Paulus seien erbärmlich. Paulus habe vielleicht auf der Agora gepredigt, doch das große Forum, ein rechteckiger römischer Markt, stamme erst aus dem 2. Jh. n. Chr. Der früheste Nachweis für die Anwesenheit einer Religionsgemeinschaft aus Israel sei eine griechische Inschrift samaritanischer Herkunft aus dem 4. Jh. n. Chr. Diese Inschrift sei wichtig als Anzeichen für das Fortbestehen einer samaritanischen Diaspora in der frühchristlichen Zeit, lasse sich aber kaum als Beweis für die Hypothese dafür verwenden, dass Paulus seinerzeit in einer samaritanischen Synagoge gepredigt hat. Auch über die heidnischen Religionen lasse sich wenig sagen. Aus einer kleinen Dionysos-Herme mit einem eingesetzten Phallus könne man weder schließen, dass es einen Ritus gab, bei dem dieser Phallus feierlich eingesetzt wurde, noch lasse sich daraus der Begriff "Gefäß“ in 1 Thess 4,4 erklären. Sämtliche Versuche , direkte Linien von archäologischen Materialien zu neutestamentlichen oder anderen frühchristlichen Texten zu ziehen, litten unter methodischen Fehlern. Im Bezug auf archäologische Funde müsse man fragen, ob sie einem spezifischen regionalen Phänomen angehören oder sich auf allgemein gültige Erscheinungen beziehen. Was die Religionen von Thessalonich betreffe, so sei die Verehrung der ägyptischen Götter die einzige Religion, deren Existenz durch Monumente aus verschiedenen Jahrhunderten nachgewiesen werden kann.

 

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V. 5

 

Beobachtungen: Ein Christ, der sich mit leidenschaftlicher Begierde der Unzucht widmet, macht sich den Heiden gleich.

 

Weiterführende Literatur: Laut B. Paschke 2007, 169-192 gäben weder 1 Kor 5,1 noch 1 Thess 4,5 den korrekten historischen Sachverhalt wieder, sondern Paulus übertreibe in beiden Fällen: Die Bewertung griechisch-römischer Sexualethik falle in 1 Kor 5,1 zu positiv aus, in 1 Thess 4,5 zu negativ. Zu letzterem Vers sei anzumerken, dass nicht alle Heiden Sexualpraktiken ausgeübt hätten, die christlicher Sexualmoral widersprachen. Vielmehr habe es durchaus sowohl Intellektuelle als auch dem einfachen Volk angehörende Menschen gegeben, die einer Sexualethik folgten, die derjenigen des Paulus entsprachen.

 

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V. 6

 

Beobachtungen: In V. 6 stellt sich die Frage, was mit dem Begriff pragma gemeint ist. Genau genommen handelt es sich um eine "Sache“, die nicht weiter definiert wird. Es kann sich dabei um eine Tatsache, eine Aufgabe bzw. ein Geschäft, eine Angelegenheit oder um eine Streitsache handeln.

Wahrscheinlich ist die Deutung, dass von einer Geschäftssache die Rede ist, auch wenn der Handel gewöhnlich mit dem Plural pragmata bezeichnet wird. Sollte diese Deutung zutreffen, so wäre V. 6 wie folgt zu interpretieren: Paulus, Silvanus und Timotheus gehen nun von der Unzucht zum betrügerischen Handel über; ein zweiter Aspekt, bei dem es hinsichtlich des Verhaltens einiger Thessalonicher Christen etwas zu tadeln gab und bei dem in erster Linie Händler im Blick sind. Diese sollen - so die Ermahnung der Missionare - nicht zu weit gehen, d. h. ihre Rechte überschreiten, und ihre Glaubensgenossen übervorteilen. Was genau mit dem Verb "übervorteilen“ gemeint ist, wird nicht ausgeführt. Es ist anzunehmen, dass Händler mittels falscher Maße und Gewichte für sich mehr Gewinn zu erzielen suchten. Der Begriff "Bruder“ − gemeint ist der Bruder im Glauben - weist darauf hin, dass Paulus und seine Begleiter v. a. den innerchristlichen Geschäftsverkehr im Blick haben. Betrug im Handel ist auch durchaus kein leichtes Vergehen, wie der Hinweis auf den "Herrn“ als Rächer dieser Vergehen deutlich macht. Im Jüngsten Gericht werden also alle diese Vergehen bestraft.

Auch diese Warnung ist nichts Neues, wie die Missionare sogleich deutlich machen. Schon früher - gemeint ist vermutlich die Zeit des Aufenthaltes in Thessalonich - haben sie es gesagt und nachdrücklich bezeugt.

 

"Adelphos“ ist zunächst mit "Bruder“ zu übersetzen. Unklar ist, ob auch die "Schwester“ gemeint ist. Geht man davon aus, dass auch Frauen Handel trieben, dann ist dies der Fall.

 

Die Formulierungen machen deutlich, dass das Verhalten mancher Thessalonicher Gemeindeglieder keineswegs vorbildlich ist und dass Paulus und seine Begleiter das Jüngste Gericht durchaus als Bedrohung für die Frevler betrachten. Der durchaus scharfe Ton macht deutlich, dass der Erste Thessalonicherbrief kein undifferenzierter Lob- und Dankbrief ist, in dem Ermahnungen eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr ist er im Bewusstsein geschrieben, dass die Mehrheit der Thessalonicher sich schon (nahezu) dem heiligen Gott angemessen verhält, eine Minderheit aber durchaus schwerwiegende Verstöße gegen die christliche Ethik begeht. Diese Verstöße scheinen von der Mehrheit geduldet zu werden. Um diesem Zustand Abhilfe zu schaffen, zieht es die Missionare sicherlich auch wieder nach Thessalonich. Im Lichte dieses Verses erscheint die Botschaft, die Timotheus von seiner Mission nach Thessalonich mitgebracht hat, nicht so uneingeschränkt froh, wie es 3,6 Glauben macht.

 

Weiterführende Literatur: Zur Diskussion um den Begriff pragma siehe N. Baumert 1990, 329-335. Hinsichtlich der Annahme, es sei ein Erbtochterstreit gemeint, gebe es inhaltliche und semantische Bedenken. Auch könne der Begriff nicht das "Geschäft“ meinen, da er in diesem Sinne nur im Plural belegt sei. Im Singular bezeichne er gewöhnlich die "Streitsache“, doch käme diese Bedeutung in V. 6 unvermittelt. Daher sei die Lösung "in der (hier behandelten) Sache“, die am einfachsten sei, hier wohl die richtige. Wenn Paulus in V. 3-8 auf einen konkreten Fall anspricht, was anzunehmen sei, so sei davon auszugehen, dass die Gemeinde darum weiß und bei den bisherigen Anspielungen auf "Brauterwerb“ diesen assoziert. Mit der "Sache“ wäre dann dieses Ereignis gemeint. Unlauterkeit bei der Brautwerbung könne z. B. bedeuten, dass jemand über einen "Bruder“ hinweggeht und ihn übervorteilt, wenn dieser bereits durch Verlöbnis, rechtliche Ansprüche, Versprechen oder beiderseitige Zuneigung eine gewisse Bindung zu der betreffenden Frau hatte. Das wirksamste Mittel, um eine Frau zum Nachteil eines "Bruders“ an sich zu binden, sei der Geschlechtsverkehr.

 

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V. 7

 

Beobachtungen: Die Missionare machen deutlich, dass das getadelte Verhalten in keinster Weise der göttlichen Berufung entspricht. Nicht zur Unreinheit hat er uns berufen, sondern zur Heiligung. Dass Unreinheit moralisch verwerfliches Verhalten meint, zeigt beispielsweise in heutiger Zeit gebräuchliche Ausdruck "Dreck am Stecken haben“.

 

Weiterführende Literatur: Zur "Heiligung“ äußert sich kurz S. Légasse 1997, 114.

 

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V. 8

 

Beobachtungen: Wer trotz der Ermahnungen der Berufung nicht folgt und weiter Unzucht treibt und betrügt, verachtet nicht einen Menschen, sondern Gott. Gott ist es, der heilig ist und fordert, dass wir uns entsprechend der Berufung zur Heiligung verhalten. Missionaren wie Paulus, Silvanus oder Timotheus ist das Evangelium nur anvertraut. Nicht auf sie geht das Evangelium und die Berufung zurück, sondern auf Gott. Gott ist es auch, der den heiligen Geist in die Menschen gibt, damit das Evangelium in ihnen wirken kann. Paulus und seine Begleiter sagen wahrscheinlich deswegen konkret "in euch“, weil die Thessalonicher die Empfänger der Predigt waren. In ihnen soll nun der heilige Geist wirken. Damit lässt sich auch das Perfekt des Verbes "geben“ erklären. Es geht nicht um eine grundsätzliche dogmatische Aussage, dass Gott seinen heiligen Geist in die Menschen gibt, sondern es geht um einen konkreten Fall: Gott hat seinen heiligen Geist damals, d. h. vermutlich zur Zeit der Predigt in Thessalonich, in die Thessalonicher gegeben, damit er wirken konnte und auch gegenwärtig und zukünftig weiter wirken kann. Die Gabe des heiligen Geistes Gottes erfolgte in die Menschen hinein. Der Begriff "Gefäß“ in V. 4 erscheint so nicht nur als "Gefäß“ für das männliche Geschlechtsorgan oder das Körperinnere, sondern auch für den heiligen Geist.

 

Weiterführende Literatur: Zum Wirken des heiligen Geistes im Rahmen der Heiligung siehe F. W. Horn 1992, 123-127.

 

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V. 9

 

Beobachtungen: In V. 9 gehen Paulus, Timotheus und Silvanus wieder zum Positiven über, das sie bestärken. Im Hinblick auf die Bruderliebe, also der Liebe der Christen untereinander, sind die Thessalonicher auf dem richtigen Weg, so dass sie diesbezüglich nicht ermahnt werden müssen. Dass sie selbst von Gott gelehrt seien, besagt wohl, dass sie die frohe Botschaft Gottes nicht nur gehört, sondern auch verinnerlicht haben.

 

Weiterführende Literatur: Zur "Bruderliebe“ siehe ausführlich R. Börschel 2001, 255-261. Möglicherweise seien bei den Adressaten angesichts des Begriffes Assoziationen an das antike Freundschaftsideal hervorgerufen worden. Ein konkreter Anlass, die Gemeinde noch einmal an das Gebot der "Bruderliebe“ zu erinnern, lasse sich nicht mit Bestimmtheit ausmachen. Die Mahnung betreffe das Verhalten der Gemeindeglieder untereinander und nehme nicht das Verhältnis der Gemeinde zu ihrer Umwelt in den Blick. Die Gemeindeglieder sollen also einander in besonderem Maße lieben, was die Gemeinde stärke, doch schließe dies nicht die Liebe gegenüber Andersgläubigen aus. Vielmehr habe die Liebe zum "Bruder“ die Liebe gegenüber den anderen zu entsprechen.

 

Mit dem traditionsgeschichlichen Hintergrund des Begriffes theodidaktoi ("von Gott Gelehrte“) befasst sich A. J. Malherbe 1983, 238-256. Paulus übernehme philosophische Traditionen, versehe sie aber mit einer religiösen oder einer spezifisch christlichen Dimension. So benutze er nicht die wie die Epikureer die Begriffe "Freundschaft“ und "Freunde“, sondern "Bruderliebe“ und "Brüder“. Paulus gebrauche also den Begriff theodidaktoi als Korrektiv zur übermäßigen Wertschätzung der Freundschaft seitens der Epikureer. Epikurs Annahme, er sei autodidaktos, also durch sich selbst gelehrt ("Autodidakt“), stelle Paulus entgegen, dass Gott der Urheber der Liebe ist. C. J. Roetzel 1986, 327-331 meint dagegen, dass die Wortwahl des Paulus nicht unmittelbar auf den Wortgebrauch hellenistischer Philosophen zurückgeht, sondern in erster Linie auf den Sprachgebrauch hellenistisch-jüdischer Kreise im Umfeld der Synagogen. Diese hätten die philosophischen Begriffe an die Erfordernisse der jüdischen Religion angepasst, noch bevor Paulus mit ihnen in Kontakt kam und sie wiederum an seine Theologie anpasste. Konkret macht C. J. Roetzel den Vorgang des Bedeutungswandels am Beispiel des Begriffes autodidaktos deutlich. So gebrauche der hellenistische Jude Philo von Alexandrien ihn nicht für einen selbstgelehrten Philosophen, sondern für Menschen, die ihr Wissen direkt von Gott haben und keines menschlichen Lehrers bedürfen. In diesem Sinne sei auch der von Paulus benutzte Begriff theodidaktos zu verstehen. Zu beachten sei, dass Philo davon ausgehe, dass direkt von Gott Gelehrte von körperlicher Arbeit befreit sind.

Auf Paulus’ rhetorische Kenntnisse geht J. S. Kloppenborg 1993, 265-289 ein. In 4,9-12 liege möglicherweise eine versteckte Anspielung auf beliebte, mit den Dioskuren verbundene Traditionen vor. Sie lasse annehmen, dass Paulus in einen lebendigen, gelehrten und scharfsinnigen Dialog mit der Kultur seiner Zuhörerschaft verwickelt war und sich die besten Traditionen für den eigenen rhetorischen Zweck zunutze machte. J. S. Kloppenborg deutet die Wortschöpfung "theodidaktos“ so, dass die beiden Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes (lat.: Pollux), die "Söhne des Zeus“ (Dioskoroi, oder: Dioskouroi), den Thessalonichern als Verhaltensvorbilder dargestellt würden. Die "Bruderliebe“ ("philadelphia“) dieser beiden Zwillingsbrüder sei auch den Thessalonichern bekannt gewesen, so dass Paulus anhand ihres Beispiels die Thessalonicher dazu habe anregen können, einander zu lieben. S. E. Witmer 2006, 239-250 folgt dieser Deutung nicht. Ebenso hält er den von A. J. Malherbe vermuteten Bezug auf die Epikureer für spekulativ. Stattdessen knüpft er an die Feststellung von H. Köster 1979, 39 an, wonach nicht ausgeschlossen sei, dass die Wortprägung auf Grundlage von Jes 54,13 und Jer 31,33-34 erfolgt ist. S. E. Witmer betrachtet sie im Lichte des Koine-Griechisch und der Septuaginta und kommt zu dem Schluss, dass sie von Jes 54,13 beeinflusst sei und einen Bestandteil der paulinischen Bemühung dargestellt habe, die Identität der Gemeinschaft zu stärken.

 

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V. 10

 

Beobachtungen: "Geschwister“ meint hier nicht "leibliche Geschwister“, sondern Glaubensgeschwister, nämlich Christinnen und Christen. Bei dem Substantiv "adelphoi“ handelt es sich zwar um eine maskuline Form, die zunächst mit "Brüder“ zu übersetzen ist, jedoch sind hier vermutlich auch die "Schwestern“ eingeschlossen. Dass diese unkenntlich bleiben, liegt an der männerzentrierten Sprache, die gemischtgeschlechtliche Gruppen als reine Männergruppen erscheinen lässt.

 

Die Thessalonicher Gemeindeglieder lieben nicht nur sich untereinander, sondern auch alle anderen Christen in Makedonien. Makedonien wird genannt, weil Thessalonich in dieser Provinz liegt. Dass die Thessalonicher Gemeindeglieder als Bewohner einer wichtigen Handelsstadt mit anderen Christen der Provinz (und darüber hinaus) regen Austausch hatten, ist anzunehmen. Erneut - wie schon in V. 2 - ermahnen die Missionare die Gemeindeglieder, den eingeschlagenen richtigen Weg verstärkt fortzusetzen. Fraglich ist, ob sich die angemahnte Vervollkommnung auf die Bruderliebe bezieht. Möglich ist auch, dass der Blick diesbezüglich (auch) auf die nachfolgenden Aspekte gerichtet ist.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 11

 

Bei den angesprochenen Mängeln handelt es sich wie bei der Unzucht und (vermutlich) dem Betrug im Handel um Defizite im Verhalten, doch sind sie nicht so gravierend. Entsprechend fällt die Ermahnung weniger vehement aus.

 

Unklar ist, was mit dem "ein ruhiges Leben Führen“ und "sich um die eigenen Angelegenheiten kümmern“ gemeint ist. Wird hier eine Betätigung in der Öffentlichkeit, z. B. in politischen Geschäften abgelehnt? Oder geht es darum, dass die Thessalonicher sich nicht über die "Geschwister“ aufregen und sich nicht um Sachen kümmern sollen, die sie nichts angehen? Geht man davon aus, dass das in 2,9 geschilderte Leben der Missionare auch für die Thessalonicher ein Vorbild abgibt, so kann mit dem "ruhigen Leben“ zumindest ein ruhiges Arbeitsleben ausgeschlossen werden. Unklar ist auch, wieso sie aufgefordert werden müssen, mit ihren (eigenen) Händen zu arbeiten. Haben sie angesichts des erwarteten nahen Weltendes die Arbeit sein und sich stattdessen versorgen lassen? Sollte dies der Fall sein, so kann bezüglich der beiden erstgenannten Punkte kaum ein zu starkes politisches Engagement getadelt werden, denn es ist unwahrscheinlich, dass die Thessalonicher Christen angesichts des nahen Weltendes noch starke politische Aktivitäten entfalteten. So unklar die Einzelheiten sind, so ist doch die Grundrichtung der Ermahnung klar: Die Thessalonicher Gemeindeglieder sollen nicht angesichts des erwarteten nahen Weltendes die eigenen privaten und beruflichen Angelegenheiten vernachlässigen.

 

Weiterführende Literatur: R. Börschel 2001, 264-266 geht auf die Frage ein, was Paulus und seine Begleiter damit meinten, dass die Thessalonicher Gemeindeglieder sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern sollten. Sie gibt einen kurzen Überblick über die Diskussion. Die beiden Hauptinterpretationen seien: a) politischer Aktionismus werde abgelehnt; b) das Leben auf Kosten anderer werde abgelehnt.

R. F. Hock 1980, 42-47 stellt die gängige Meinung in Frage, dass Paulus Christen, die angesichts der nahen Wiederkunft Christi aufgehört haben zu arbeiten, wieder zur Arbeit rufen wollte. 4,9-11 sei nicht im Lichte eschatologischer Texte zu sehen, die 4,1-11 einrahmen, und die Aussage zur Untätigkeit in 2 Thess 3,6 könne nicht zur Interpretation herangezogen werden, da der Zweite Thessalonicherbrief deutero-paulinisch sei. Vielmehr gehe es - dies zeige ein Vergleich mit einer Rede von Dio Chrysostom - Paulus darum, die Thessalonicher Gemeindeglieder aufzufordern, den Körper schädigende, unehrbare und zum Luxus führende Tätigkeiten aufzugeben und sich stattdessen der Handarbeit zu widmen. Paulus habe so ein Vorbild gegeben und sich von betrügerischen Philosophen unterschieden. In diesem Sinne sei auch "ein ruhiges Leben führen“ zu verstehen. Als Beleg für seine These zieht R. F. Hock Aussagen von Dio Chryostom und Lukian heran. C. J. Roetzel 1986, 324-331 hält die These zwar für einen erfrischenden Neuansatz, doch kritisiert er die Vernachlässigung der eschatologischen Perspektive, in der die Heiligung zu sehen sei. Außerdem diskutiere R. F. Hock nicht, welche Bedeutung der Begriff theodidaktos ("von Gott Gelehrter“) für die Auslegung von 4,9-11 hat. C. J. Roetzel vertritt die These, dass Paulus’ Sprachgebrauch direkt auf denjenigen hellenistisch-jüdischer Kreise zurückgehe und nur mittelbar, nicht jedoch unmittelbar auf den Sprachgebrauch hellenistischer Philosophen. Er zieht konkret Philo von Alexandrien heran, wobei er u. a. (zur Bedeutung des Wortes theodidaktos siehe V. 9) feststellt, dass dieser den Begriff "Ruhe“ anders verstehe als beispielsweise die Epikureer. Er kommt zu dem Schluss, dass "ein ruhiges Leben führen“ bei Paulus weder die Abstinenz von politischer Tätigkeit noch die Zurückweisung unschicklicher Arbeit meine, sondern ein Horchen und gläubiges Schauen angesichts des nahen Reiches Gottes. G. Schimanowski 1994, 305-309 greift die Annahme, dass die paulinische Sprache unmittelbar von derjenigen der hellenistischen Diasporasynagoge geprägt sei, auf und legt exemplarisch anhand von Texten Philos einen möglichen Zusammenhang zwischen der Formulierung "ein ruhiges Leben führen“ und der Einhaltung des Sabbatgebotes dar. A. J. Malherbe 1999, 139-141 dagegen vermutet, dass Paulus die Begrifflichkeit bezüglich des ruhigen Lebens von den Epikureern übernommen habe, die jedes Ruhmstreben und damit auch politische Betätigung im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen ablehnten und ein ruhiges Privatleben in Freundschaft anstrebten. Allerdings folge Paulus im Hinblick auf ehrgeizige Vervollkommnung der Liebe, die auch über die christliche Gemeinschaft hinausreichen solle, nicht epikureischer Philosophie.

T. D. Still 2007, 207-219 vermutet, dass die Ermahnung zur Arbeit hier auf dem Hintergrund ganz bestimmter Erfordernisse der Gemeinde zu verstehen sei.

 

N. O. Míguez 1989, 65-89 thematisiert die Frage, welcher Schichtzugehörigkeit die Mehrheit der Thessalonicher Christen angehört hat. Er kommt - u. a. mittels einer Auslegung von 4,7-12 auf S. 80-88 - zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der armen Unterschicht angehört habe und Handwerker gewesen sei. Die Teilhabe am Leben der Handwerker sei ein wesentlicher Aspekt paulinischer Theologie, denn Paulus verstehe die Teilhabe am Leben der Armen als Kern des Evangeliums.

 

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V. 12

 

Beobachtungen: Dieser Vers gibt den Grund an, warum die Thessalonicher Christen entsprechend den vorhergehenden Anweisungen leben sollen. Es geht um das Ansehen gegenüber denen "draußen“. Wer ist mit denen "draußen“ gemeint? "Draußen“ kann im geographischen oder religiösen Sinn verstanden werden. Im geographischen Sinn wären alle Menschen gemeint, die nicht der Thessalonicher Gemeinde angehören, also auch Christen aus anderen Gemeinden. Im religiösen Sinn sind alle Menschen eingeschlossen, die nicht dem christlichen Glauben angehören. Da kaum anzunehmen ist, dass Paulus Christen anderer Gemeinden, die ja immerhin "Schwestern“ und "Brüder“ sind, in einem Atemzug mit Heiden und Juden als "draußen“ abqualifiziert, ist die religiöse Deutung am wahrscheinlichsten. Als möglicher Hintergrund der Ermahnungen der Missionare ist die Furcht zu vermuten, dass die feindselige Haltung der Andersgläubigen gegenüber dem christlichen Glauben durch das Verhalten der Christen angestachelt werden könnte.

 

Warum Paulus und seine Begleiter es für negativ halten, wenn jemand bezüglich des Lebensunterhaltes von jemand abhängig ist, bleibt offen. Möglich ist, dass Andersgläubige die Christen für faule Schmarotzer halten könnten.

 

Weiterführende Literatur: R. Börschel 2001, 261-264 legt dar, warum die Christen keinen Anstoß erregen sollten. Der römische Staat habe sensibel auf Kulte reagiert, die aus seiner Sicht die öffentliche Ordnung gefährden konnten. Gerade einigen Mysterienkulten sei man mit Misstrauen begegnet.

Zur Beurteilung der Christen von "außen“: Laut R. Börschel 2001, 265-266 werde in Fragen der Sexualmoral eine deutliche Trennlinie zwischen drinnen und draußen gezogen, im Hinblick auf öffentliches Leben und Arbeit werde jedoch das Urteil der Gesellschaft, der Umwelt zum Maßstab des Verhaltens der Christen gemacht.

 

 

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