Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (Apg 27-28)

Apg 28,30-31

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 28,30-31

 

 

Übersetzung

 

Apg 28,30-31:30 Er aber blieb zwei volle Jahre in einer eigenen Mietwohnung und empfing alle, die zu ihm hereinkamen. 31 Er verkündigte das Reich (des) Gottes und lehrte in aller Offenheit die den Herrn Jesus Christus betreffenden Dinge − ungehindert.

 

 

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V. 30

 

Beobachtungen: Es ist unklar, ob der Angabe "volle zwei Jahre“ eine besondere Bedeutung zukommt. Die Angabe kann der Vollständigkeit halber gemacht worden sein, damit deutlich wird, wie lange der Zustand dauerte. Möglich ist aber auch, dass die Zeitangabe insofern bedeutsam ist, als nach römischem Recht eine Anklage nicht weiter verfolgt und der Gefangene freigelassen wurde, wenn die Ankläger binnen dieser Zeit nicht erschienen waren. Diese Deutung würde das offene Ende erklären, das dann für die Leser bzw. Hörer im 1. Jh. n. Chr. nicht so offen wie für die heutigen Leser bzw. Hörer gewesen sein dürfte. Als Unsicherheit bleibt jedoch, dass sich dieses Gesetz erst in der Gesetzessammlung des Justinian von 529 n. Chr. verzeichnet findet. Gründete das in der Gesetzessammlung aufgenommene Gesetz auf Gewohnheitsrecht, das bereits zur Zeit Neros (54 − 68 n. Chr.) Gültigkeit hatte? Und wurde es tatsächlich bei Rechtsfällen angewandt, die demjenigen des Paulus entsprachen?

Von "vollen zwei Jahren“ statt von "zwei Jahren“ ist vermutlich die Rede, um deutlich zu machen, dass Paulus nicht etwas weniger als zwei volle Jahre als Gefangener in der Mietwohnung verbrachte.

Der Aorist ("enemeinen“) weist darauf hin, dass der Zustand nach den vollen zwei Jahren auf jeden Fall aufhörte, sei es, dass Paulus frei gelassen wurde, sei es, dass er hingerichtet wurde.

 

Es stellt sich die Frage, ob "eigene Mietwohnung“ ("idion misthôma“) im Sinne von "mit dem eigenen Geld finanzierte Mietwohnung“ oder im Sinne von "für das eigenständige Wohnen zur Verfügung gestellte Mietwohnung“ zu verstehen ist. Hat also Paulus die Miete der Wohnung selbst begleichen müssen oder nicht?

In V. 23 hatte der Verfasser der Apg von einer "Unterkunft“ ("xenia“) gesprochen, was die Frage aufwirft, ob es sich bei der "Unterkunft“ und der "eigenen Mietwohnung“ um dieselbe Unterkunft handelt. Da kein Wohnungswechsel zu erkennen ist, ist dies anzunehmen. Vermutlich ist "eigene Mietwohnung“ einfach nur der konkretere Begriff für ein und dieselbe Sache.

 

Eine Textvariante bietet nach "… die zu ihm hereinkamen“ den Zusatz "Juden und auch Heiden“. Damit wird die Antwort auf die Frage geliefert, wer denn zu Paulus hereinkam. Waren es nur Juden? Oder nur Heiden? Oder sowohl Juden als auch Heiden? Letzteres liegt angesichts der Tatsache, dass Paulus alle empfing, die zu ihm hereinkamen, am nächsten. Aus der Tatsache, dass sich die "Vornehmsten“ der römischen Juden nur zu einem Teil von Paulus hatten überzeugen lassen, lässt sich keine Schlussfolgerung im Hinblick auf die Frage ziehen, ob tatsächlich weiterhin Juden zu Paulus hereinkamen. Ebenso kann aus der Tatsache, dass Paulus in Rom bisher noch keine Heiden empfangen hatte, keine Schlussfolgerung im Hinblick auf die Frage gezogen werden, ob sie nach den "Vornehmsten“ der römischen Juden zu Paulus hereinkamen.

 

Weiterführende Literatur: Gemäß B. Rapske 1994, 177-182 handele es sich bei den in 28,16.23.30 erwähnten Unterkünften des Paulus um dieselbe Unterkunft. Dabei werde der private Charakter betont. Die Formulierung "idion misthôma“ in V. 30 sei so zu verstehen, dass es sich um eine Mietwohnung handelte, wobei Paulus selbst für den Abschluss des Mietvertrags und die Begleichung der Miete verantwortlich gewesen sei. Eine ausführliche Wortanalyse dazu siehe D. L. Mealand 1990, 583-597.

 

H. W. Tajra 1994, 40-48 gibt einen Überblick über die bisher vorgebrachten Lokalisierungen der Wohnung des Paulus innerhalb der Stadt Rom. Oftmals werde angenommen, dass Paulus in der Nähe der Kaserne untergebracht worden sei. Am wahrscheinlichsten sei gemäß H. W. Tajra, dass sich die Wohnung am Ort der heutigen Kirche San Paolo alla Regola befunden hat. Die Formulierung "en idiô misthômati“ sei juristisch zu verstehen: Paulus habe nicht Gefängnishaft im eigentlichen Sinne erlitten, sondern es habe sich um mildere Haftumstände gehandelt, um custodia militaris.

 

P. Davies 1983, 334-335 weist auf die Parallele zwischen 2 Kön 25,27-30 und Apg 28,30-31 hin. In 2 Kön 25,27-30 sei vom begnadigten König Jojachin, einem Davididen, die Rede. Das Lukasevangelium führe den Stammbaum Jesu auf den König David zurück. Jesus sei (u. a.) als davidischer König die Hoffnung Israels. Die Geschichte Jojachins ende wie von Paulus vor dem Tod. Von Paulus werde noch berichtet, dass er in Rom verkündigte. Es zeige sich: Die davidische Linie werde nicht sterben, die "Hoffnung Israels“ nicht ausgelöscht. Apg 28,30-31 sei nicht nur Wiederholung von 2 Kön 25,27-30, sondern zugleich Erfüllung.

 

Die Legitimierung der Heidenmission durch das Verhalten der Juden und die Erfüllung des Schriftzitates betont auch B.-J. Koet 1987, 397-415. Das Heil Gottes sei nicht nur für die Juden, sondern auch für die Heiden bestimmt. Dementsprechend seien auch die Juden in "alle“ Menschen, die von Paulus empfangen wurden, eingeschlossen.

R. F. O’Toole 2009, 371-396 vertritt die Ansicht, dass das Jesaja-Zitat in Apg 28,16-31 zwar eine zentrale Stellung einnehme, doch liege das Hauptgewicht der Aussage auf dem zu den Heiden gesandten Heil (V. 28) und auf der trotz Gefangenschaft ungehinderten Predigt des Paulus allen Menschen gegenüber, die zu ihm hereinkommen (V. 30-31). Trotz Zurückweisung der Juden werde das Evangelium dem nächsten greifbaren jüdischen Publikum verkündigt.

D. W. Palmer 1993, 1993, 62-73 merkt an, dass aus dem Schlusskapitel der Apg keineswegs eine Zurückweisung der römischen Juden und noch weniger eine Zurückweisung aller Juden herausgelesen werden könne. Auffällig sei, dass die Heidenmission nicht weiter entfaltet werde und Lukas in erster Linie ein Interesse an der Mission unter den Juden zeige.

 

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V. 31

 

Beobachtungen: Die Verkündigungstätigkeit des Paulus in seiner Mietwohnung, wie sie in den vollen zwei Jahren der Gefangenschaft ablief, entsprach der Verkündigungstätigkeit des Paulus den "Vornehmsten“ der römischen Juden gegenüber: Inhalte der Verkündigung waren das Reich Gottes und Jesus (vgl. V. 23).

Es ist unklar, ob die beiden Verben "verkündigen“ und "lehren“ in V. 31 zwei verschiedene Handlungen anzeigen. Ein Unterschied ist nicht zu erkennen, denn die Verkündigung enthielt Lehre und die Lehre hatte verkündigenden Charakter. Möglicherweise will der Verfasser der Apg diese untrennbare Verbindung von Verkündigung und Lehre verdeutlichen und benutzt daher in einem Atemzug beide Verben.

 

Das Ende der Apg bleibt merkwürdig offen und man fragt sich, was denn aus dem Prozess geworden ist. Ist Paulus freigelassen worden? Oder ist Paulus hingerichtet worden? Oder ist es letztendlich nicht zum Prozess vor dem Kaiser gekommen, weil die Ankläger nicht innerhalb einer bestimmten Frist erschienen sind? Über den Grund für das Fehlen jeglicher Informationen über den Prozessausgang, die Freilassung oder Hinrichtung (oder sonstige Bestrafung), und über das weitere Leben des Paulus lässt sich nur spekulieren: Hat der Verfasser des Lukasevangeliums und der Apg noch ein drittes, verloren gegangenes Werk geschrieben? Auf ein solches drittes Werk weist nichts hin. Ist der Verfasser der Apg noch vor dem Prozess gestorben? Dann wäre die Apg sehr früh abgefasst worden. Außerdem müsste der Verfasser der Apg direkt nach den vollen zwei Jahren der an die Mietwohnung gebundenen Predigttätigkeit des Paulus gestorben sein. Wenn der Verfasser der Apg betonen konnte, dass der Aufenthalt volle zwei Jahre währte, dann muss er eigentlich mitbekommen haben, was direkt danach geschah. Ist vielleicht das Ende der Apg verloren gegangen? Das liegt angesichts des Umfangs des erhaltenen Werkes des Verfassers der Apg nicht nahe. Oder ist der Prozess für Paulus unvorteilhaft verlaufen, so dass der Verfasser das Prozessende lieber übergangen hat? In diesem Falle hätte er immerhin das Martyrium des Paulus zum Thema machen können. Triftiger als diese Spekulationen scheint ein theologischer Grund für das offene Ende zu sein. So ist nämlich zunächst einmal fest zu halten, dass Paulus das geographische Ziel seiner Verkündigung, Rom, erreicht hat (vgl. Apg 19,21; 23,11; 28,14). Unklar ist, ob es Gottes Auftrag war, dass Paulus in Rom Zeugnis ablegen sollte (vgl. 23,11), oder ob er in Rom unbedingt auch vor den Kaiser treten (vgl. 27,24) und vor diesem Zeugnis ablegen sollte. In ersterem Fall wäre die Anrufung des Kaisers nur Mittel zum Zweck, auch in Rom verkündigen zu können, gewesen. Sollte Paulus tatsächlich freigelassen worden sein, weil die Ankläger nicht fristgerecht erschienen, so konnte der Verfasser der Apg den Auftrag, vor den Kaiser zu treten, unter den Tisch fallen lassen und stattdessen am Ende die Verkündigung in Rom betonen. Grundsätzlich ist fest zu halten, dass der Verfasser der Apg kein Interesse an der Darstellung des Lebens des Paulus hatte. Ihm ging es nur darum, die weltweite Ausbreitung des Evangeliums darzulegen (vgl. 1,8). So wenig wir über die Kindheit und Jugendjahre des Paulus informiert werden, so wenig werden wir über sein Lebensende informiert. Nicht der Sieg des Paulus (oder seine Niederlage und evtl. sein Martyrium) sollte den krönenden Schluss der Apg bilden, sondern der Sieg des Evangeliums.

Bei dieser Deutung wird auch verständlich, warum der Verfasser der Apg zum Schluss unterstreicht, dass die Verkündigung des Paulus ungehindert geschah: Nicht einmal Gefangenschaft konnte die Verbreitung des Evangeliums und damit dessen Siegeszug behindern.

 

Einige lateinische und syrische Textzeugen fügen am Ende des Verses noch die Aussage des Paulus an, dass durch Jesus Christus die ganze Welt gerichtet werden werde.

 

Dass einige Textzeugen die Apg mit einem "Amen“ ("Gewiss“) abschließen, lässt daran denken, dass die Apg als liturgischer Text Verwendung fand und abschnittsweise in Gottesdiensten verlesen wurde.

 

Weiterführende Literatur: Laut J. Schröter 2009, 53-80 liege ein wichtiger Aspekt der neueren Diskussion darin, die Bedeutung, die Lukas Paulus als angeklagtem und leidendem Zeugen für Jesus beimisst, herausgestellt zu haben. Die in der älteren Forschung vertretene These, Paulus werde in der Apg in ein glanzvolles Licht gestellt, erweise sich angesichts dessen als revisionsbedürftig. Bei der Schilderung der Ereignisse verarbeite Lukas zweifellos Kenntnisse von konkreten Ereignissen der Paulusmission, auch wenn sich die von ihm geschilderten Begebenheiten durch die Paulusbriefe nicht unmittelbar bestätigen ließen. Das Leiden des Paulus in seinem Dienst für Jesus Christus diene in der lukanischen Paulusdarstellung sowie in den Briefen des Paulus in jeweils eigener Weise dazu, seinen Weg als glaubwürdiger Zeuge für Jesus Christus zu beschreiben. Lukas entwickle mit Hilfe dieses Themas anhand der Person des Paulus ein Modell christlicher Existenz und Verkündigung, das auch in späterer Zeit zur Orientierung diene. Dies werde anhand von zwei Stellen (9,15-16; 28,30-31) näher dargelegt, die am Beginn und Ende der lukanischen Paulusdarstellung stünden und schon von daher eine richtungsweisende Funktion besäßen.

 

Nach einigen Vorbemerkungen zu den literarischen und theologischen Eigenheiten von Apg 28,16-31 befasst sich B. Prete 1983, 147-187 u. a. mit den Fragen, warum Lukas so ausführlich auf die zwei Zusammenkünfte mit den römischen Juden eingeht und in Rom keine Zusammenkunft mit Judenchristen oder Heidenchristen erwähnt und welche Bedeutung der Unglaube im historischen Heilsplan Gottes hat. Anschließend befasst er sich noch mit dem Heil der Heiden aufgrund des Hörens des Evangeliums und mit der Bedeutung der Predigt des Paulus in Rom. B. Prete weist auf die besondere Bedeutung hin, die der Unglaube der Juden und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Mission gehabt hätten. Durch den Unglauben eines beträchtlichen Teiles der Juden habe sich der Plan Gottes hinsichtlich des universalen Heils entfaltet. Durch das abschließende Eingehen auf die Predigt des Paulus in Rom habe Lukas das Evangelium und seine Bedeutung für die Menschen in den Mittelpunkt gestellt, nicht aber das Leben und die Leiden des Paulus.

 

L. D. Chrupcała 1997, 79-96 betont den engen Zusammenhang zwischen der Ankündigung des Reiches Gottes und der Ankündigung des universalen Heils in Jesus Christus. Er geht zunächst auf das Reich Gottes in der Apg ein, kommt dann auf den göttlichen Heilsplan und auf die universale Ankündigung des Reiches Gottes zu sprechen und befasst sich abschließend mit dessen Bezeugung in Apg 28,23-28 und mit dessen Ankündigung gegenüber den Heiden in 28,30-31. Die Kirche und alle Christen seien damit beauftragt, allen Menschen an allen Orten dieselbe Ankündigung des Reiches Gottes zu überbringen: Das von Gott verheißene und durch Jesus Christus erfüllte Heil sei eine in der Welt bereits gegenwärtige und wirkende Realität, auch wenn die endgültige Erfüllung des universalen göttlichen Heilsplans noch ausstehe.

 

D. Marguerat 1993, 1-21 legt dar, dass sich der Verfasser der Apg im Schlussteil seines monumentalen Werks ein in der griechisch-römischen Kultur bezeugtes rhetorisches Verfahren, die narrative Unterbrechung, zu eigen mache und bewusst das Verschweigen und die Mehrdeutigkeit einsetze. Das Schweigen bezüglich des Endes des idealen Pastors Paulus sei mit dem Interesse des Verfassers der Apg an der Fortdauer der paulinischen Missionstradition zu erklären. Vgl. die gekürzte Fassung D. Marguerat 1993, 74-89.

 

J. Winandy 1997, 103-106 weist auf die Ähnlichkeit des Endes der Apg mit den kleinen Zwischenresümees des Lukasevangeliums und der Apg (z. B. Apg 18,11; 19,10; Lk 19,47-48; 21,37-38) hin. Diese gliederten oftmals die Erzählung, bildeten eine Pause vor einem neuen Start. Wie die Zwischenresümees lasse auch das Ende der Apg eine Fortsetzung erwarten.

 

Laut H. Zeigan 2006, 65-78 hätten die Wachstumsnotizen der Apg (2,47b; 5,14-16; 6,7; 9,31; 11,21-24; 12,24; 13,49; 16,5; 19,20; 28,30-31) eine wichtige gliedernde Funktion und machten deutlich, dass es sich bei der Apg um eine Wachstumsgeschichte handelt. Die Gliederung sei wie folgt: 1,1-3: Prolog; 1,4-6,6: Die Jerusalemer Urgemeinde (1,4-2,47a: Der Geist in der Gemeinde; 2,47b: Wachstum der Jerusalemer Gemeinde; 3,1-5,13: Auftreten der Gemeinde; 5,14-16: Wachstum der Jerusalemer Gemeinde und ihrer Taten; 5,17-6,6: Probleme der jungen Gemeinde); 6,7: "Das Wort wuchs“; 6,8-12,23: Die Mission (6,8-9,30: Die Mission der Hellenisten außerhalb Jerusalems; 9,31: Wachstum der Gemeinde in Judäa, Galiläa, Samaria; 9,32-11,20: Die Heidenmission; 11,21-24: Wachstum der Gemeinde Antiochias; 11,25-12,23: Antiochia und Jerusalem); 12,24: "Das Wort wuchs“; 13,1-48: Die systematische Heidenmission; 13,49: "Das Wort wuchs / verbreitete sich“; 13,50-19,19: Systematische Heidenmission in weitem Umkreis (13,50-16,4: Probleme der Heidenmission; 16,5: Wachstum der heidenchristlichen Gemeinden; 16,6-19,19: Ausbreitung der Mission); 19,20: "Das Wort wuchs“; 19,21-28,29: Der Weg zum Ziel; 28,30-31: Das Wort ist am Ziel.

 

J. Cayzer 1995, 23-25 erklärt das offene Ende der Apg auf dem Hintergrund der antiken Novelle. Diese unterscheide sich von einem historischen Tatsachenbericht u. a. dadurch, dass sie den Leser stärker mit seinem Denken, seinen Gefühlen und seiner Erfahrung in das Geschehen hinein nehme. Es könne mittels bestimmter Techniken eine bestimmte Atmosphäre geschaffen und einer bestimmten Weltsicht Vorschub geleistet werden. Lukas wolle andere Menschen von einer übernatürlichen Sicht der Dinge überzeugen. Diese Menschen könnten schon Christen sein oder könnten durch die Schriften des Lukas für den christlichen Glauben gewonnen werden. Darüber hinaus ziele Lukas darauf ab, dass die vom christlichen Glauben Überzeugten auch ihr Leben nach den übernatürlichen Erwartungen ausrichten.

 

Dass Paulus das Martyrium erlitten habe, nimmt H. W. Tajra 1994 an, der eine Geschichte der Tradition vom Martyrium des Apostels bietet.

 

 

Literaturübersicht

 

Cayzer, Jeff; The Ending of Acts: Handing on the Baton, SMR 161 (1995), 23-25

Chrupcała, L. D.; Il disegno di Dio e l’annuncio del regno alla luce di At 28,17-31, LA 47 (1997), 79-96

Davies, Philip; The Ending of Acts, ET 94/11 (1983), 334-335

Koet, Bart-Jan; Paul in Rome (Acts 28,16-31): A Farewell to Judaism?, Bijdr. 48/4 (1987), 397-415

Marguerat, Daniel; “Et quand nous sommes entrés dans Rome”, L’énigme de la fin du livre des Actes (28,16-31), RHPR 73/1 (1993), 1-21

Marguerat, Daniel; The End of Acts (28.16-31) and the Rhetoric of Silence, in: S. Porter et al. [eds.], Rhetoric and the New Testament (JSNTS 90), Sheffield 1993, 74-89

Mealand, David L.; The Close of Acts and Its Hellenistic Greek Vocabulary, NTS 36 (1990), 583-597

O’Toole, Robert F.; The Christian Mission and the Jews at the End of Acts of the Apostles, in: J. N. Aletti, J. L. Ska [eds.], Biblical Exegesis in Progress: Old and New Testament Essays (AnBib 176), Roma 2009, 371-396

Palmer, Darryl W.; Mission to Jews and Gentiles in the Last Episode of Acts, RTR 52/2 (1993), 62-73

Prete, Benedetto; L’arrivo di Paolo a Roma e il suo significato secondo Atti 28,16-31, RivBib 31/2 (1983), 147-187

Rapske, Brian; Rome, in: P. Rapske, The Book of Acts and Paul in Roman Custody (The Book of Acts in Its First Century Setting 3), Grand Rapids, Michigan - Carlisle 1994,

Schröter, Jens; Paulus als Modell christlicher Zeugenschaft: Apg 9,15f. und 28,30f. als Rahmen der lukanischen Paulusdarstellung und Rezeption des "historischen“ Paulus, in: D. Marguerat [ed.], Reception of Paulinism in Acts. Réception du paulinisme dans les Actes des apôtres (BETL 229), Leuven 2009, 53-80

Tajra, Harry William; The Martyrdom of St. Paul (WUNT II/67), Tübingen 1994

Winandy, Jacques; La finale des Actes: Histoire ou théologie, ETL 73/1 (1997), 103-106

Zeigan, Holger; Die Wachstumsnotizen der Acta. Ein Vorschlag zur Gliederung des lukanischen Werks, BN NF 131 (2006), 65-78