Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Erster Korintherbrief

Der erste Brief des Paulus an die Korinther

1 Kor 15,1-11

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

1 Kor 15,1-11

 

 

Übersetzung

 

1 Kor 15,1-11: 1 Ich erinnere euch aber, Geschwister, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, 2 durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe; es sei denn, ihr wäret vergeblich zum Glauben gekommen. 3 Denn ich habe euch in erster Linie überliefert, was auch ich empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden gemäß den Schriften, 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage gemäß den Schriften; 5 und dass er Kephas erschienen ist, danach den Zwölfen. 6 Danach ist er mehr als fünfhundert Geschwistern auf einmal erschienen, von denen die meisten heute noch am Leben sind; einige aber sind entschlafen. 7 Danach ist er Jakobus erschienen, dann allen Aposteln. 8 Zuletzt aber von allen, gleichsam als der Fehlgeburt, ist er auch mir erschienen. 9 Ich nämlich bin der geringste der Apostel, der ich nicht wert bin, Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde (des) Gottes verfolgt habe. 10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe mich mehr als sie alle abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade (des) Gottes, die mit mir ist. 11 Sei es nun ich, seien es jene: So verkündigen wir, und so seid ihr zum Glauben gekommen.

 

 

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V. 1

 

Beobachtungen: Paulus hat seine Ausführungen über die Geistesgaben, vor allem die Zungenrede und Prophetie, abgeschlossen und beginnt nun einen neuen Abschnitt, in dem es um die Auferstehung gehen wird (15,1-58).

 

Paulus muss an das Evangelium erinnern, was darauf schließen lässt, dass es bei den korinthischen Gemeindegliedern gegenwärtig nicht wirklich im Bewusstsein ist. Entweder ist es verdrängt worden oder die Korinther haben es nie wirklich verinnerlicht. Dabei ist den Korinthern das Evangelium nicht fremd: Paulus hat es ihnen verkündet, und zwar nicht vergeblich, sondern mit Erfolg. Daher ist in Korinth eine christliche Gemeinde entstanden. Paulus spricht den Korinthern nicht grundsätzlich das Bekenntnis zum Evangelium ab, sondern er kritisiert die Adressaten bezüglich konkreter Aspekte des Glaubens und Handelns. Inwieweit lobende Aussagen der Wirklichkeit entsprechen und inwieweit sie die rein rhetorische Funktion haben, die Adressaten wohlgesonnen zu stimmen, ist unklar.

 

Weiterführende Literatur: Mit der rhetorischen Konzeption und Strategie von 1 Kor 15 sowie mit der Wirkung auf die damaligen Adressaten und der potenziellen auf die heutigen Leser befasst sich M. I. Wegener 2004, 438-455.

 

Die narrative Soterologie in 1 Kor 15,1-28 und Röm 5,6-11 hat R. B. Hays 2004, 48-68 zum Thema.

 

H. Hempelmann 1984, 98-113 versucht die Abklärung einiger exegetischer Fragen, die Einführung in die Diskussion einiger an der Auslegung von 1 Kor 15 entstehenden Probleme, die Zusammenschau der verschiedenen Aussagen in diesem Kapitel und deren Zuordnung zu dem Thema "Zukunftserwartung aus biblischer Sicht“. Auf S. 99-105 geht er konkret auf die Überlieferung in den V. 1-11 ein.

 

S. Frutiger 1980, 199-229 befasst sich mit der Geschichte der Gesprächspartner und mit den paulinischen Ausführungen 1 Kor 15. Die V. 1-12 liest sie auf S. 204-206 unter dem Gesichtspunkt des brüderlichen und feierlichen Streitgesprächs.

 

Die Auferstehungshoffnung gemäß 1 Kor 15 reflektiert Schritt für Schritt A. Sisti 1995, 203-218.

Zur theologischen Notwendigkeit der Totenauferstehung siehe G. Sellin 1986, 230-289.

A. C. Thiselton 1995, 258-289 bietet eine knappe exegetische Diskussion von 1 Kor 15. Darüber hinaus geht er auf die vom frühen Barth geäußerte These ein, dass 1 Kor 15 der angemessenste Ausgangspunkt sei, wenn man sich die Argumentation und Theologie der ersten vierzehn Kapitel des Ersten Korintherbriefes erschließen will. Nicht explizit, jedoch implizit werde diese These auch von Luther und Calvin geäußert.

 

Eine leicht verständliche "Relecture“ von 15,1-11 bietet J. Lambrecht 2001, 28-31.

 

Einen Überblick über die verschiedenen Thesen zur Funktion von V. 1-11 im Rahmen der Argumentation von 1 Kor 15 samt kurzer Diskussion gibt H.-H. Schade 1984, 196-202. Auf die Bedeutung des Abschnittes für Kapitel 15 geht auch W. Schrage 1985, 21-45 ein, der sich darüber hinaus der paulinischen Theologie widmet. An den Aufsatz, der auf einem Redebeitrag auf einem Kolloquium basiert, schließen sich die Diskussionsbeiträge an.

 

D. F. Watson 1993, 231-249 gibt zunächst Hinweise auf Literatur, die sich mit der rhetorischen Struktur von 1 Kor 15 befasst. Dann analysiert auch sie das Kapitel im Hinblick auf griechisch-römische rhetorische Konventionen bezüglich Stoffsammlung und −anordnung, wobei sie sich vor allem den ihrer Meinung nach vernachlässigten Elementen "confirmatio“ und "refutatio“ und ihrer Rolle in der bewussten Rhetorik widmet. Sie betont, dass ein altes Muster der Entwicklung von Themen und Argumenten den "confirmatio“-Abschnitten des Kapitels zugrunde liege.

 

V. Hasler 1984, 12-33 versucht mit Blick auf die in V. 12 beginnende Auseinandersetzung den Nachweis einer sachlichen Zugehörigkeit und einer konsequenten Abfolge der einzelnen Aussagen des ersten Abschnittes.

A. Diederen 1998, 143-157 gibt zunächst eine Einordnung von V. 1-11 in das Kapitel 15 und gibt − ohne detaillierte Textanalyse − einen kurzen Überblick über den Gedankenverlauf von V. 1-11. Dabei zeige sich, dass die Funktion der einzelnen Gedankenelemente schwer aus ihnen selbst zu bestimmen ist. Daher solle eine Analyse der Rahmenverse V. 1-2.11 dazu beitragen, das pragmatische Ziel des gesamten Abschnitts und damit auch die Funktion der einzelnen Elemente genauer zu erkennen.

 

J. Moiser 1992, 10-30 liest 1 Kor 15, ohne die Kenntnisse heranzuziehen, die wir aus den Evangelien entnehmen können. Auf diese Weise könnten wir uns in die Situation der Empfänger der paulinischen Predigt hineinversetzen, denen kein schriftliches Material der erst später entstandenen Evangelien vorgelegen habe. Die paulinische Predigt habe zwar die neue Botschaft der Auferstehung Christi enthalten, nicht jedoch Einzelheiten zum leeren Grab, zu den frühesten Zeugen und zu den Erscheinungen.

 

Zur Bedeutung der Auferstehung Jesu siehe H.-J. Eckstein 2001, 26-41, dessen Aufsatz in folgende Abschnitte gegliedert ist: Von Anfang an bezweifelt; Historisch oder geschichtlich wahr?; Als Anbruch der Neuen Schöpfung; Die ältesten Quellen; Die Überlieferung vom leeren Grab; Die Erscheinungen des Auferstandenen; Das Erkennen des Auferstandenen.

 

W. Radl 1984, 243-245 befasst sich mit dem Sinn des Verbs "gnôrizô“. Zunächst gibt er einen Befund über die Deutungen der verschiedenen Kommentare: Fast alle Autoren bezögen gnôrizô direkt auf to euangelion, verständen dieses also als Akkusativobjekt. Die meisten übersetzten das Verb mit "ich tue kund / mache bekannt / lasse wissen“ o. ä., wiesen aber teils bei der Auslegung darauf hin, dass das Evangelium den Korinthern schon bekannt gemacht sei, und versuchten, den Widerspruch z. B. damit zu lösen, dass sie die Formulierung des Paulus als emphatische Hervorhebung fundamentaler Elemente des Evangeliums verstehen. Andere Kommentare übersetzten von vornherein mit "ich erinnere“, manche davon machten dann aber darauf aufmerksam, dass gnôrizô eigentlich ein Bekanntmachen bedeute, und sähen in der Verwendung dieses Wortes einen leisen Vorwurf oder eine ironische Übertreibung. Nur wenige übersetzten mit "ich erinnere“, ohne diese Wortbedeutung in Frage zu stellen oder einzuschränken. W. Radl folgert aus den beiden Feststellungen, dass die Lexika die Bedeutung "ich erkenne“ oder "ich mache bekannt“ bieten, und dass Paulus das Evangelium als bekannt voraussetze, dass sich das Verb "gnôrizô“ nicht auf den Inhalt des Evangeliums beziehe. Vielmehr sei 1 Kor 15,1 analog zu Gal 1,11 zu übersetzen und der Bogen von V. 1 bis zu V. 11 zu spannen. W. Radl schlägt folgende Übersetzung vor: "Ich tue euch kund, Brüder: Das Evangelium, das ich euch verkündet habe, das ihr…“ Wolle man das riesige Anakoluth vermeiden, könne man so formulieren: "Ich tue euch (etwas) kund, Brüder, bezüglich des Evangeliums.

 

Das paulinische Evangelium thematisiert P. Stuhlmacher 1983, 157-182 in folgenden Unterpunkten: Ursprung und Autorität; Inhalt; Traditionsbezug; aktuelle Ausprägung; Nachwirkungen; Ausblick.

 

M. M. Mitchell 1994, 63-88 legt dar, dass Paulus in der Korrespondenz mit den Korinthern seine Argumente fest in einer zugrunde liegenden Evangelienerzählung verankere, auf die er sich mittels verschiedener Formen rhetorischer "Kurzschrift“ beziehe: Kürze des Ausdrucks, Synekdochê, Metapher.

 

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V. 2

 

Beobachtungen: Der Glaube an das Evangelium führt zur Errettung. Das Verb "erretten“ zeigt an, dass etwas Vernichtendes bevorsteht, dem es zu entrinnen gilt. Es ist davon auszugehen, dass das Verderben und die Errettung davor am Ende der Tage stattfindet, wenn Jesus Christus zurückkehrt.

 

Paulus macht den Adressaten deutlich, dass sie sich der Errettung nicht sicher sein können; sie ist nämlich an eine Bedingung geknüpft: Sie müssen das Evangelium in demjenigen Wortlaut bewahren, wie es Paulus ihnen verkündigt hat. Wenn sie das Evangelium jedoch nach eigenem Gutdünken abändern, gehen sie des Heils verlustig. Sie werden dann nicht errettet und die Annahme des christlichen Glaubens wäre dann umsonst. Die Errettung am Ende der Tage erscheint also als das zentrale Ziel der Christen.

 

Weiterführende Literatur: J. N. Vorster 1989, 287-298 versucht die rhetorische Situation von 1 Kor 15 zu rekonstruieren. Die implizierten Leser seien von den Leugnern der Auferstehung unterschieden; das rhetorische Problem betreffe eine Loyalitätskrise. Die implizierten Leser seien mit der Entscheidung konfrontiert, ob sie der autoritativen, apostolischen Verkündigung des Paulus oder derjenigen der Auferstehungsleugner folgen wollen.

 

J. M. Gundry Volf 1990, 271-277 legt dar, dass Paulus davon ausgehe, dass Glaube an das Evangelium ohne Verwurzelung in der Realität der Auferstehung Christi keine Heilsbedeutung habe.

 

Einen Neuansatz der Deutung von 1 Kor 15 legt S. Schneider 2005 vor: Nach einem kritischen Forschungsüberblick geht er von der Arbeitshypothese aus, dass den Christen in Korinth nicht die zukünftige Auferstehung am Jüngsten Tag zweifelhaft gewesen sei. Zweifel hätten sie vielmehr daran gehabt, dass dieses Auferstehungsleben bereits jetzt wirksam ist. Die Absicht des Paulus in 1 Kor 15 wäre dementsprechend, ihnen die gegenwärtige Auferstehung nahe zu bringen. Grundlage der Ausführungen in 1 Kor 15 sei ein gegenwärtig-entwicklungshaftes Auferstehungsverständnis. V. 58 sei eine auf ganz 1 Kor 15 bezogene Zusammenfassung.

 

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V. 3

 

Beobachtungen: Nun stellt sich die Frage, warum die Adressaten das Evangelium in dem Wortlaut bewahren sollten, in dem sie es von Paulus verkündigt bekommen haben. Paulus begründet dies wie folgt: Erst selbst ist nur ein Glied einer Überlieferungskette, also nicht der Urheber des Evangeliums. Paulus gibt das wieder, was auch er selbst "empfangen“ hat. Von wem und auf welche Weise Paulus das Verkündigte empfangen hat, lässt er offen.

 

Die Formulierung "en prôtois“ ist doppeldeutig. Sie kann "zuerst“ im Sinne von "an erster Stelle“ oder auch im Sinne von "in erster Linie“ bedeuten. In ersterem Fall wären die Korinther unter den Ersten gewesen, denen das Evangelium überliefert wurde. Dies wäre in gewisser Weise als Auszeichnung zu verstehen. In letzterem Fall hätte Paulus vor allem - nicht jedoch ausschließlich - das überliefert, was auch er selbst "empfangen“ hat.

 

Das Evangelium ist nicht auf eine bestimmte Schrift oder bestimmte Schriften zu begrenzen, sondern ist eine Botschaft, die eine konkrete freudige Nachricht mitteilt. Paulus legt dar, was der konkrete Inhalt des von ihm empfangenen und weiter überlieferten Evangeliums ist:

Jesus Christus ist gestorben, und zwar "für unsere Sünden“. Der Tod hat also die Vergebung der Sünden der Menschen bewirkt, was es zu glauben gilt.

 

Dass Jesus als "Christus“ bezeichnet wird, Paulus also den "Titel“ nennt, mag damit zusammenhängen, dass es hier weniger um den (Gott-)Menschen Jesus an sich geht, sondern in erster Linie um das Heil, das mit ihm verbunden ist. Nach jüdischer Vorstellung sind Salbung und Heilserwartung eng miteinander verbunden. Jesus ist also der "Gesalbte“, der "Christus“.

 

Weiterführende Literatur: T. W. Gillespie 1994, 199-235 vertritt die Ansicht, dass 1 Kor 15 die Aufforderung von 14,29, dass alle Prophetie beurteilt werden solle, veranschauliche. Das Kapitel interpretiere die apostolische Verkündigung 15,3b-8 im Lichte der Offenbarung (15,50-58), dem Hauptcharakteristikum frühchristlicher Prophetie, und zeige den Apostel Paulus in einer kritischen Auseinandersetzung mit einer abweichenden Interpretation der Verkündigung, wonach es keine Auferstehung der Toten gebe.

 

E. Lohse 2009, 253-261 geht drei Fragen nach: Was wissen wir über die persönliche Lage des Paulus bei dessen Ankunft in Korinth? Was fand Paulus vor, als er nach Korinth kam? Was war der Inhalt der ersten Predigt des Paulus? Ergebnis: Aus den Briefen des Paulus gehe hervor, dass er nicht triumphal, sondern mit Furcht und Zittern nach Korinth kam. Vermutlich sei sein Aufenthalt in Athen nicht erfolgreich gewesen, so dass er davon ausgehen musste, dass auch in Korinth eine schwierige Aufgabe auf ihn warten würde. Seine persönliche Lage sei offensichtlich von der Kreuzeserfahrung und seine Theologie von der Bedeutung des Kreuzes geprägt gewesen. In Korinth habe Paulus nicht viele Menschen von vornehmer Herkunft, nicht viele Weise nach weltlichen Kriterien vorgefunden. Korinth sei eine Hafenstadt mit einer gemischten Bevölkerung gewesen, in der auch zahlreiche Ausländer, einfache Menschen und Sklaven lebten. Es habe eine jüdische Gemeinde gegeben, deren Synagoge den Startpunkt der paulinischen Mission dargestellt habe. Aus 1 Kor 15,3-5 sei zu erschließen, dass Paulus das christliche Bekenntnis des gekreuzigten und auferstandenen Christus predigte.

 

E. Lohse 1991, 170-175 erörtert, was der Apostel Paulus einleitend über die Weitergabe der anvertrauten guten Nachricht anführt: Zuerst spreche der Apostel von dem Inhalt des Glaubens, den es zu bezeugen gilt − das Evangelium. Dann sage er, dass dieser Inhalt des Glaubens von einem zum anderen weitergegeben wird. Die Weitergabe des Glaubens, wie sie in christlicher Tradition vollzogen wird, geschehe in der Verkündigung, in Predigt und Unterweisung der Gemeinde. Weitergabe des Glaubens sage diesen in einem bestimmten Wortlaut aus. Annahme des Glaubens sei nicht mit der einmal gegebenen Antwort beendet, sondern wolle durchgehalten sein, indem die Glaubenden auf festem Grund stehen bleiben. Was der Glaube "vor allem“ zum Inhalt hat − die Hauptstücke der ihn bezeugenden Verkündigung und Lehre -, werde von allen übereinstimmend vertreten, die das eine Evangelium in der Vielfalt von Predigt und Unterweisung auszurichten haben. Zur Weitergabe des Glaubens sei also die ganze Kirche aufgerufen.

Die Frage, wie Paulus mit der Tradition umgeht, thematisiert H.-J. van der Minde 1982, 6-13 u. a. am Text 1 Kor 15,3-5. Dazu ebenso M. Gaukesbrink 1999, 137-155: Paulus habe in den Bestand der Paradosis selbst nicht korrigierend oder interpretierend eingegriffen. Ihm sei in besonderer Weise an der durch die Erscheinungen gesicherten Auferweckungsaussage der Paradosis gelegen; eine eigene Hervorhebung der Sühneaussage sei in 1 Kor 15 nicht zu erkennen.

Bibeltheologische Erwägungen zum unverkürzten Verkünden von Gottes Wort bietet J. Kremer 1991, 176-182.

 

Zur Wendung "gemäß den Schriften“ äußert sich knapp A. Lindemann 1996, 220-221. Ihre Verwendung in 15,3-4 bedeute, dass Paulus annimmt, dass der Bezug auf die "Schriften“ bei den Adressaten in Korinth keine negativen Assoziationen auslösen werde. Dass durch diesen Bezug umgekehrt etwas "bewiesen“ wird, sei freilich auch nicht gesagt und von Paulus auch nicht vorausgesetzt − zumal offen bleibe, an welche Schriftworte jeweils möglicherweise gedacht werden soll.

 

L. De Saeger 2001, 169-191 vergleicht 1 Kor 15,3b und Gal 1,4a. In einem ersten Teil werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Ausdrucks "für unsere Sünden“ in ihrem jeweiligen Kontext analysiert. Ein zweiter Teil sucht in beiden Briefen nach Texten, die formal und inhaltlich eine enge Beziehung zur "für unsere Sünden“-Aussage haben. Diese Texte werden zunächst als Paralleltexte der "für unsere Sünden“-Aussage gegenüber gestellt und dann miteinander verglichen werden.

 

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V. 4

 

Beobachtungen: Weiterer wesentlicher Inhalt des übermittelten Evangeliums ist: Christus ist begraben worden. Von wem, wird nicht gesagt; es spielt hier keine Rolle. Mit dem Begräbnis ist das Lebensende endgültig besiegelt und der Gestorbene endgültig aus der Welt der Lebenden entfernt. Damit ist auch die Hoffnung, die seine Anhänger auf ihn gesetzt haben, begraben. Im Hinblick auf Christus ist das Begräbnis aber nicht der Schlusspunkt, denn er ist auferweckt worden und konnte somit wieder auferstehen. Damit hat der Tod seine Endgültigkeit eingebüßt. Wer Christus auferweckt hat, wird zwar nicht gesagt, doch kann es nur Gott gewesen sein.

 

Die Auferweckung Christi ist nicht einfach nur eine historische Begebenheit, sondern es ist eine Begebenheit mit besonderer Bedeutung für die Gegenwart, wie die Zeitform Perfekt des Verbs "auferwecken“ zeigt.

 

Überhaupt werden Tod, Begräbnis und Auferweckung nicht als gewöhnliche Begebenheit dargestellt, sondern als Ereignisse, die den "Schriften“ entsprechen. Welche "Schriften“ gemeint sind, wird zwar nicht gesagt, doch ist am ehesten an die Schriften der hebräischen Bibel zu denken. Diese hebräische Bibel, die Paulus kannte, und die wir Christen heute als das Alte oder auch als das Erste Testament bezeichnen, war für Paulus die Bibel schlechthin; die Schriften des Neuen oder auch Zweiten Testaments waren erst im Entstehen. Sie ist nicht ein einheitliches Buch, sondern eine Sammlung von verschiedenen Schriften.

Wenn sich Paulus auf diese Schriften bezieht, so geht es ihm nicht nur um Weissagung, sondern darüber hinaus um Heilsgeschichte. Diese Heilsgeschichte verläuft so, wie es in den biblischen Schriften geschrieben steht. Tod, Begräbnis und Auferweckung samt Auferstehung sind also Bestandteil der Heilsgeschichte.

 

Doch welche biblischen Aussagen hat Paulus im Blick? Am ehesten ist an Jes 53,4-12 zu denken, wo vom Leiden und vom stellvertretenden Sündentod des "Gottesknechtes“ die Rede ist. Die Auferstehung nach drei Tagen lässt sich aus Jona 2,1 und Hos 6,2 erschließen.

 

Weiterführende Literatur: Dem atl. Hintergrund von V. 4 geht J. Christensen 1990, 101-113 nach. Es sei zwar möglich, aber keineswegs so eindeutig wie oft angenommen, dass der Vers Hos 6,2 als Basis hat. In Betracht seien auch Ex 19,6, Gen 22,4, Hos 6,2 und Jona 2,1 zu ziehen. J. Christensen hält sämtliche Lösungen jedoch nicht für befriedigend, sondern wirft sein Hauptaugenmerk auf Gen 1,11-13, wonach der Garten Eden samt dem Baum des Lebens am dritten Tag geschaffen worden sei. Dabei sei die Annahme, dass der am dritten Tag hervorgebrachte Lebensbaum ein Typos der Auferstehung Christi am dritten Tag ist, wohl nicht zu kühn. Die frühchristliche Interpretation des Kreuzes als Lebensbaum sei kaum zufällig; sie basiere sowohl auf dem NT als auch in der zeitgenössischen Auslegung des AT. Vgl. J. Christensen 1988, 91-103.

 

G. Lüdemann 1994 legt u. a. anhand des Textes 1 Kor 15,1-11 (S. 50-141) dar, dass das Grab nicht leer, sondern voll gewesen sei. Wir könnten die Auferstehung nicht mehr im wörtlichen Sinne verstehen, denn, historisch gesehen, wüssten wir nicht das Geringste über das Grab und über den Leichnam Jesu. Ist er verwest? G. Lüdemann hält diesen Schluss für unumgänglich. Dabei werde inhaltlich eigentlich nichts vom überlieferten Glauben genommen, wo ich nur kritisch genug − von ganzem Herzen, von ganzer Seele − frage und historische Forschung nicht gleich als Bedrohung meines Glaubens ansehe. Am historischen Jesus, wie er mir durch die Texte vorgegeben ist und durch historische Rekonstruktionen als Person begegnet, falle also die Entscheidung des Glaubens, nicht am auferstandenen Christus, wie ich ihn mir erwünscht habe oder wie er z. B. als Symbol des Selbst archetypisch allen Menschen zugänglich ist. Allerdings glaubt G. Lüdemann, dass dieser Jesus durch den Tod nicht der Vernichtung anheim gegeben wurde, und die Gedanken seines Seins bei Gott, seiner Erhöhung, seiner Auferstehung und seines Lebens ergäben sich aus unserer Gemeinschaft mit Gott wie von selbst. − aber in beständiger Bezogenheit auf Jesu Menschsein -, ohne dass freilich Aussagen über die Art seines gegenwärtigen Seins möglich seien. Er sei uns als der Erhöhte verborgen, nur Gott sei offenbar. Wir müssten uns an den geschichtlichen Jesus halten, dürften aber glauben, dass er auch als der nun Lebende bei uns ist. Kurzfassung der Thesen siehe G. Lüdemann 1995, 13-46. Zur Überprüfung der wichtigsten frühchristlichen Texte (u. a. 1 Kor 15,1-11) aus dem Umkreis der Auferstehung Jesu auf ihren historischen Wert siehe G. Lüdemann 2002, 31-75.

B. Oberdorfer 2000, 225-240 will zunächst G. Lüdemanns Konzeption in thetischer Verdichtung noch einmal systematisch rekonstruieren. In einem zweiten Schritt will er skizzieren, wie in dem Auferstehungsbuch Lüdemanns (von 1994) drei Jahre später öffentlich proklamierter Abschied vom Christentum bereits angelegt ist. Drittens will er benennen, wo er die kritischen Punkte bei G. Lüdemann sieht, und von da aus schließlich viertens eigene Überlegungen zur Realität der Auferstehung entwickeln.

U. Luz 1994, 476-482 hält G. Lüdemanns Thesen nicht für neu. Das Auferstehungsbuch sei wissenschaftlich und ernst zu nehmen. G. Lüdemann wolle als neuzeitlich geprägter Mensch nach der hinter der Auferstehung Jesu greifbar werdenden Historie und ihrer damaligen theologischen Interpretation fragen − nicht mehr als das. Dabei lasse sich aus den nt. Texten nur wenig erschließen, was nicht verwunderlich sei. Der einzige Vorwurf von U. Luz ist der, dass G. Lüdemann seine Grenze nicht deutlich genug gemacht und dadurch zu unreflektiert-direkt das nt. Zeugnis von der Auferstehung Jesu an der Messlatte eines neuzeitlichen (bei G. Lüdemann stark vom Historismus geprägten) Wirklichkeitsverständnisses gemessen habe. Fazit: Es handele sich um ein gutes Buch, weil hier ein redlicher Mensch offen und ohne Scheuklappen nach der Auferstehung Jesu frage, klare Auskünfte gebe und nie in Versuchung gerate, seine Ergebnisse und Meinungen hinter theologischen Leerformeln zu verstecken.

M. Heymel 1996, 224-231 befasst sich kritisch mit G. Lüdemanns Ansatz, die nt. Osterberichte historisch-kritisch zu untersuchen und dabei nach dem historisch wahren Geschehen an Ostern und nicht nach dem theologischen Zeugnis der Osterberichte zu fragen. Fazit: G. Lüdemanns Thesen trügen nicht dazu bei, die Osterberichte besser zu verstehen. Darum seien sie für die Verkündigung der Kirche ohne Belang.

M. Rese gibt einen Überblick über verschiedene Rezensionen des Auferstehungsbuches von G. Lüdemann. Besonders bemerkenswert sei: Dogmatische Fragen zur Auferstehung Jesu hätten bis heute im Vordergrund gestanden, während die exegetischen Voraussetzungen der Deutung der Auferstehung Jesu durch G. Lüdemann nur am Rande eine Rolle spielten, ja, bis auf Ausnahmen sogar mehr oder weniger akzeptiert würden, wie gerade auch die Beiträge des Diskussionsbandes H. Verweyen 1995 zeigten. Aufgrund dieser zu geringen Beachtung exegetischer Aspekte macht M. Rese einige exegetische Anmerkungen, wobei er zuvor darlegt, wie G. Lüdemann die Entstehung des Glaubens an Jesu Auferstehung sieht.

 

Mit der Formulierung "am dritten Tage gemäß den Schriften“ befasst sich M. Russell 2008, 1-17. Auf welche Schriften bezieht sich Paulus? Zunächst zählt er bisher vorgebrachte Deutungsmöglichkeiten auf: a) "Gemäß den Schriften“ beziehe sich auf "am dritten Tag“, nicht auf "dass er auferweckt worden ist“. b) Paulus meine frühchristliche Schriften, nicht das AT. c) Die Formulierung gebe den verbreiteten jüdischen Glauben wieder, dass Verwesung erst nach dem dritten Tage einsetze. Jesus sei am dritten Tag auferweckt worden, damit Ps 16,9-11LXX erfüllt werde, wonach sein Leib nicht verwesen werde. d) "Gemäß den Schriften“ beziehe sich auf "dass er auferweckt worden ist“, nicht auf "am dritten Tag“. e) "Gemäß den Schriften“ beziehe sich sowohl auf "am dritten Tag“ als auch auf "dass er auferweckt worden ist“. M. Russell kommt nach kurzer kritischer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Deutungsmöglichkeiten zu dem Ergebnis, dass "drei Tage“ den Gedanken einer ausreichenden Zeitspanne, um Sicherheit zu erlangen, enthalte. Jesus sei also mit Sicherheit tot gewesen. Außerdem sei die Auferstehung Jesu ein Beispiel für das atl. Muster, wonach es am dritten Tage durch Gottes Eingreifen zu einer Wende vom Tod zum Leben komme, die von besonderer Bedeutung sei (vgl. insbesondere Hos 6,2 mit konkretem Bezug auf die Auferstehung). "Gemäß den Schriften“ beziehe sich auf diese beiden Muster.

 

R. Riesner 1994, 320-324 befasst sich mit den Befunden zur Grabeskirche und zum Grab Jesu. Ausgangspunkt: Die christliche Tradition behaupte, den Ort des leeren Grabes Jesu in Jerusalem zu kennen. Gegen diese Ortstradition nehme G. Lüdemann 1994, 149 an, dass das Grab offenbar unbekannt gewesen sei. Es sei erst 300 Jahre später "wieder entdeckt“ worden, als man es gebraucht habe.

 

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V. 5

 

Beobachtungen: Zum Überlieferten gehört auch, wem Jesus Christus erschienen ist. Als erstes ist er Kephas, also Petrus, erschienen, dem damit eine herausragende Stellung zukommt, danach den Zwölfen. Mit den Zwölfen ist der engste Jüngerkreis Christi gemeint, dem auch Petrus angehört. Nimmt man an, dass Petrus zu diesem Zeitpunkt im Kreise der Zwölf anwesend war, so folgt daraus, dass ihm Christus zweimal erschienen ist. Genau genommen besteht der Kreis der Zwölf zur Zeit des Erscheinens Christi nur aus elf Personen, denn der Verräter Judas ist inzwischen aus dem Kreis ausgeschieden, Matthias jedoch noch nicht zu seinem Nachfolger bestimmt (vgl. Apg 1,15-26).

 

Die V. 3-5 gehören dem Wortlaut nach mit Sicherheit zur Überlieferung, die Paulus empfangen hat. Woher Paulus Kenntnis von den weiteren Erscheinungen des Auferstandenen hat, die er in den mit "danach“ eingeleiteten V. 6-7 erwähnt, bleibt offen.

 

Weiterführende Literatur: Laut K. R. MacGregor 2006, 225-234 hätten Exegeten der heutigen Zeit gegen die Historizität der leiblichen Auferstehung Jesu vorgebracht, dass das vorpaulinische Glaubensbekenntnis 1 Kor 15,3-7 bestenfalls impliziere, dass Jesu erste Jünger an eine geistliche Auferstehung glaubten, die nicht notwendigerweise ein leeres Grab erforderte. Um diese Annahme zu stützen, würden gewöhnlich zwei Argumentationslinien verfolgt: Zum einen gebrauche Paulus das gleiche Verb wie die Tradition, nämlich "ôphthê“ ("er ist erschienen“), um seine visionäre Erfahrung des auferstandenen Christus zu beschreiben. Die Erfahrung des Paulus sei also von derselben Art gewesen wie diejenige der früheren Jünger. Zum anderen erwähne das vorpaulinische Glaubensbekenntnis nicht das leere Grab, was annehmen lasse, dass Jesu Leib ohne Bedeutung für den Auferstehungsglauben der Jerusalemer Urchristen war. Ein solches Verständnis der Auferstehung liege auch Paulus zugrunde, wie sich in den Ausführungen zum seelischen und zum geistlichen Leib (vgl. V. 44) zeige. Erst in der zweiten christlichen Generation hätte sich das Dogma der leiblichen Auferstehung herausgebildet, wie es uns in den Evangelien begegne. K. R. MacGregor setzt sich kritisch mit dieser Annahme auseinander und legt insbesondere anhand formkritischer Aspekte dar, dass die ersten Anhänger Jesu durchaus an dessen leibliche Auferstehung glaubten und die Erscheinungen des Auferstandenen qualitativ anders als Paulus berichteten.

 

H.-W. Bartsch 1980, 9-31 legt dar, dass heute in der ntl. Forschung beider Konfessionen zwar nicht mehr einhellig angenommen werde, dass der urchristliche Glaube seinen Ansatz im Glauben an den auferstandenen Christus hat; die Rückführung des urchristlichen Glaubens auf den "historischen Jesus“ werde zunehmend vertreten. Dennoch dürften wir mit der Annahme, dass der urchristliche Glaube Ostern entstand, einsetzen, da die eigene Untersuchung über die in 1 Kor 15,3-7 von Paulus zitierte Tradition eben diese Annahme bestätigen werde. Die ersten Christen hätten an den "’Herrn’ Jesus Christus“ geglaubt, weil er ihnen als solcher erschienen war und nicht wegen einer Autorität, die der vorösterliche Jesus von Nazareth erworben hatte und die sich über seinen Tod hinüberrettete. Aus dieser Position folge jedoch die Frage, was dieser Glaube inhaltlich besagt. Als Ausgangspunkt wählt H.-W. Bartsch 1 Kor 15,3-5, weil diese Verse die älteste urchristliche Tradition böten, die uns den Ansatz des urchristlichen Glaubens wiedergibt. In ihnen bezeuge die Urchristenheit ihren Glauben als Glaube an die Auferstehung Christi und an sein Erscheinen.

 

J. Murphy-O’Connor 1981, 582-589 legt zunächst dar, bezüglich welcher Punkte es in der Forschung im Hinblick auf die Traditions- und Redaktionsgeschichte von 15,3-7 Konsens gibt: Paulus führe in V. 3b ein Zitat ein und ab V. 8 liege persönliche Rede des Paulus vor. Weitgehende Übereinstimmung gebe es auch darüber, dass das in V. 3b eingeführte Zitat in V. 5 ende. Für eine solche Abgrenzung spreche, dass sich die grammatische Struktur in V. 6 ändert, und dass die V. 3b-5 einen sehr hohen Anteil nichtpaulinischer Begriffe enthalten. Die V. 3b-7 könnten in zwei Teile geteilt werden: V. 3b-5 und V. 6-7. Bezüglich beider Teile seien jedoch verschiedene literarische Probleme zu lösen, was J. Murphy-O’Connor versucht. Ergebnis: Das Glaubensbekenntnis V. 3b-5 sei Paulus als Einheit überliefert worden. Paulus habe betonendes kai hoti ("und dass“) eingefügt. Außerdem habe er V. 6 hinzugefügt, um zu zeigen, dass sich die Auferstehung nachweisen lasse. Der traditionelle Satz in V. 7 sei hinzugefügt worden, und zwar nicht als eine Erweiterungen der Liste der Erscheinungen, sondern als eine Art Übergang von der Erwähnung der "Zwölf“ hin zur Selbstdarstellung des Paulus als "Apostel“ von gleicher Autorität.

 

R. C. Webber 1983, 265-269 hat das Bekenntnis 15,3b-5 zum Thema, wobei er knapp auf die Formgeschichte, die Traditionsgeschichte und auf den Ursprung und Sitz im Leben eingeht. Ziel ist es, einen Einblick in das Leben der apostolischen Kirche zu geben.

Auch A. Vögtle 1999, 38-42 befasst sich im Rahmen des Abschnittes über das Bekenntnis zur Auferweckung und Erhöhung mit dem vorpaulinischen Bekenntnis 15,3b-5.

 

Anhand von Beobachtungen bezüglich Struktur und Stil des Textes kommt D. M. Moffitt 2008, 49-73 zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche Länge des von Paulus zitierten urchristlichen "Glaubensbekenntnisses“ länger sei als gemeinhin angenommen, nämlich V. 3b-6a und V. 7 umfasse. Die V. 1-3a sowie 6b und 8-11 stammten aus der Feder des Paulus. Diese These erkläre gut die gegenwärtige Form des Textes und den paulinischen Argumentationsgang.

 

J. M. Vincent 1994, 191-202 deutet zunächst die Verbform (passiver Aorist) ôphthê ("erschienen“), beleuchtet die Verbform dann im Licht von Ez 1 und danach im Lichte von Texten, die von Ez 1 beeinflusst sind und zu 1 Kor 15,5-7 überleiten.

 

G. Claudel 1988 befasst sich ausführlich mit dem Petrusbekenntnis von Caesarea Philippi (Mk 8,27-30; Lk 9,18-22; Mt 16,13-20. Dabei geht er auf S. 133-160 auf folgende vier Punkte ein: a) Darbietung der gesamten vorpaulinischen Tradition, die Paulus in V. 3b-5 aufnimmt. b) Untersuchung von Lk 24,34 mit dem Ziel der Klärung, ob das Lukasevangelium Zeuge einer früheren Form der gleichen Tradition ist. c) Studie zu V. 5 und zum semantischen Gehalt des Lexems "ôphthê“ ("er ist erschienen“). d) Schluss. Zum Verhältnis von Lk 24,34 und 1 Kor 15,5: Lk 24,34 sei vermutlich eine redaktionelle Bearbeitung von 1 Kor 15,3b-5 oder einer ähnlichen Formel. 1 Kor 15,3b-5 stelle somit die älteste Form der Tradition dar, auch wenn ihr ausgearbeiteter Charakter unbestreitbar sei.

 

G. Claudel 1988, 145-158 vertritt die Ansicht, dass in 1 Kor 15,5 von nachösterlichen Erscheinungen Jesu die Rede sei. Mit der Tatsache, dass Jesus Petrus und den Zwölfen erschienen ist, hätten die Gegner des Paulus dessen apostolische Autorität in Zweifel gezogen und stattdessen auf diejenige des Petrus und der Zwölf verwiesen. Paulus benutze nun in V. 5-10 die "er ist erschienen“-Formel zu seiner eigenen Legitimation. Er wolle zeigen, dass er auf einer Stufe mit Petrus und den Zwölfen stehe, weil auch ihm selbst Christus erschienen sei. J. Lambrecht 1991, 655-670 setzt sich mit diesen Thesen auseinander. Zwar geht auch J. Lambrecht von nachösterlichen Erscheinungen aus, doch gehe es weniger um apostolische Legitimation als vielmehr um Beweise für die Auferstehung Christi, ohne die sich die Hoffnung der Gläubigen auf die Auferstehung nicht halten lasse.

 

Mit der Rolle des Kephas (= Petrus) in den ersten Anfängen der christlichen Gemeinden befasst sich C. K. Barrett 1982, 28-39, der in erster Linie die Passagen in Augenschein nimmt, die Kephas explizit nennen (1 Kor 1,12; 3,22; 9,5; 15,5).

 

A. Heindl 2009, 63-70 geht der Frage nach, ob Judas im paulinischen Schrifttum Erwähnung findet. Ergebnis: Paulus nenne Judas niemals beim Namen. Dass er sich implizit auf ihn beziehen soll, könne für 1 Kor 15,5 als so gut wie ausgeschlossen gelten und erscheine im Blick auf 1 Kor 11,23 mehr als unsicher. Dieser Befund passe zu der Tatsache, dass Paulus an den historischen Umständen des Prozesses Jesu, an den Vorgängen, die konkret zu seiner Exekution führten, keinerlei Interesse zeige.

 

J. Plevnik 1988, 101-111 geht folgenden Fragen nach: In welchem Maße beruft sich Paulus auf das Damaskuserlebnis, um seine eigene Autorität zu legitimieren? Welches ist die Funktion der Liste der Erscheinungen des auferstandenen Jesus im Zusammenhang von 1 Kor 15? Und welches war die Funktion der Liste der Erscheinungen in der Tradition, auf die sich Paulus in diesem Kapitel stützt? Ergebnis: Keine der aufgezählten Erscheinungen solle seine Autorität als Verkündiger legitimieren. Vielmehr sei die Legitimation des verkündigten Evangeliums, dass Christus von den Toten auferstanden ist, beabsichtigt. Dies gelte sowohl für den Zusammenhang von 1 Kor 15 als auch für den der Tradition.

 

R. M. Price 2005, 69-104 hält − im Gegensatz zur Mehrheit der Ausleger − 1 Kor 15,1-11 nicht für einen Abschnitt, der insbesondere vorpaulinisches Material enthält. Vielmehr handele es sich bei dem Abschnitt um einen nachpaulinischen Einschub. Zwar gebe es keine Textzeugen, die diesen Abschnitt auslassen, doch spreche dies nicht zwingend gegen einen nachpaulinischen Einschub. Auf einen solchen weise Gedankengut hin, das Paulus fremd sei und der katholisierenden Apologetik sowie der Polemik der Auseinandersetzung zwischen Jakobus und Petrus entstamme. Darüber hinaus seien Stil und Sprache nicht paulinisch und der Abschnitt füge sich nur schlecht in den Zusammenhang ein. Fetzen des Abschnittes fänden sich auch in den Schriften der Kirchenväter. Textkritisch sei auf Varianten einzelner Textstellen hinzuweisen. Und schließlich lasse sich eine nachpaulinische Hinzufügung auch erklären: Ein Schreiber habe beabsichtigt, die Argumentation des Paulus dadurch zu unterstreichen, dass er dem gesamten Kapitel Beweise der Auferstehung voranstellte. An der ursprünglichen Bedeutung der Auflistung als Glaubensaussagen habe er kein Interesse mehr gehabt. Die neue Blickrichtung sei auch auf dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit den Gnostikern zu verstehen. Die Auflistung, die die Historizität der Auferstehung beweisen sollte, sei in einen fragmentarischen Rahmen eingefügt worden, der die Absicht gehabt habe, Paulus in eine Reihe mit den anderen apostolischen Autoritäten zu stellen.

 

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V. 6

 

Beobachtungen: Der Kreis der Personen, denen Christus erschienen ist, hat sich zunehmend geweitet: als nächstes wurden mehr als fünfhundert "Geschwister“ Auferstehungszeugen. Dabei handelte es sich um Personen, die dem weiteren Anhängerkreis Jesu angehörten. Die Bezeichnung "adelphoi“ ist zunächst einmal mit "Brüder“ zu übersetzen, aber es können auch Frauen eingeschlossen sein. Selbst wenn die Mehrheit der Gruppe aus Frauen besteht, orientiert sich im Griechischen die Gruppenbezeichnung an den Männern; sie lautet also auch in diesem Fall "Brüder“ und nicht "Schwestern“, "Brüder und Schwestern“ oder "Geschwister“. V. 16 lässt nicht erkennen, dass diesen Auferstehungszeugen auch Frauen angehörten, doch ist dies durchaus möglich und angesichts der bedeutenden Rolle, die Frauen in den Ostergeschichten der Evangelien spielen, durchaus wahrscheinlich. Daher kommt hier der Übersetzung "Geschwister“ einige Berechtigung zu. Dabei sind die "Geschwister“ nicht als leibliche Geschwister, sondern als Geschwister im Glauben zu verstehen.

 

Von den mehr als fünfhundert Auferstehungszeugen sind die meisten noch am Leben. Die Auferweckung samt Auferstehung erscheint also als Ereignis, das erst vor kurzer Zeit geschehen ist. Viele Zeugen dieses Ereignisses kann man noch befragen, was geradezu für die Richtigkeit der Überlieferung bürgt.

 

Weiterführende Literatur: P. J. Kearney 1980, 264-284 arbeitet heraus, dass Paulus nicht nur in V. 3b-5 eine einfachere, traditionelle Formel zitiere und überarbeite, sondern auch in V. 6-7.

 

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V. 7

 

Beobachtungen: Jesus ist nicht nur einer einzigen Einzelperson, nämlich Kephas (= Petrus) erschienen, sondern auch Jakobus. Es ist unklar, um welche Person es sich dabei handelt, denn der Name taucht im NT mehrfach auf. Jakobus heißen zwei Männer aus dem Kreise der Zwölf, nämlich der Sohn des Zebedäus und der Sohn des Alphäus. Sollte einer von diesen beiden gemeint sein, so wäre ein weiterer Jünger aus den Zwölfen herausgehoben. Dieser hätte wie Kephas den Auferstandenen zweimal gesehen, sofern er zum Zeitpunkt des "Herrn“ im Kreise der Zwölf anwesend war. Jakobus heißt aber auch ein Bruder Jesu, dem laut Apostelgeschichte später die Leitung der Jerusalemer Urgemeinde zukommt. Sofern er nicht zu den mehr als fünfhundert "Geschwistern“ gehört hat, ist ihm bisher noch nicht sein auferstandener Bruder erschienen. Da ihm jedoch eine besondere Bedeutung zukommt und in der Folgezeit zukommen wird, ist es gut möglich, dass er es ist, der in V. 7 erwähnt wird. Schließlich ist als vierter Jakobus noch der Vater des Judas (nicht mit Judas Iskariot, dem Verräter, zu verwechseln) zu nennen. Da es keinen Grund gibt, warum der Auferstandene gerade ihm erschienen sein sollte, kommt er kaum in Frage.

Die Tatsache, dass sowohl in V. 5 als auch in V. 7 eine bestimmte Person herausgehoben wird, lässt fragen, ob und - wenn ja - inwiefern zwischen beiden Versen eine Spannung besteht. Zu klären ist dabei, wie die V. 3-5, V. 6 und V. 7 aus traditionsgeschichtlicher Sicht zueinander stehen.

 

Als weiterer Gruppe ist der Auferstandene "allen Aposteln“ erschienen. Geht man davon aus, dass diese Gruppe nicht mit einer der anderen genannten identisch ist, umfasst der Begriff "Apostel“ auf jeden Fall mehr Personen als nur den Kreis der Zwölf. Geht man jedoch zusätzlich davon aus, dass auch die Zwölf zu den Aposteln zählen, so ist wahrscheinlich, dass der Auferstandene zumindest Kephas, vielleicht aber auch Jakobus, dem Sohn des Zebedäus, oder Jakobus, dem Sohn des Alphäus, gleich dreimal erschienen ist. Wer zu den "Aposteln“ hinzuzählt, ist unklar, zumal nicht gesagt ist, dass dem Begriff hier das paulinische Apostelverständnis zugrunde liegt, denn es handelt sich vermutlich um ein Traditionsstück, das Paulus überliefert worden ist. Es ist möglich, dass ein Apostel nicht nur Anhänger Jesu sein muss, sondern diesen auch mit eigenen Augen gesehen haben muss. Das Sehen des Auferstandenen kann allerdings nicht Bedingung für die Bezeichnung sein, weil die "Apostel“ zur Zeit der Erscheinung schon "Apostel“ sind. Da sich nicht erkennen lässt, inwiefern diese Personen verkündigen oder verkündigt haben, ist fraglich, inwiefern missionarische Tätigkeit Voraussetzung für die Bezeichnung ist. Zu bedenken ist, dass die Verkündigung von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi ja erst mit den Erscheinungen des Auferstandenen beginnt.

Wenn Jakobus in einem Atemzug mit "allen Aposteln“ genannt wird, so lässt dies darauf schließen, dass auch Jakobus zu den Aposteln zählt. Dann hätte dieser Jesus zweimal gesehen - oder dreimal, je nachdem, um welchen Jakobus es sich handelt.

 

Weiterführende Literatur: G. Lüdemann 1994, 53-58 bietet eine traditionsgeschichtliche Analyse von 1 Kor 15,1-11. Er sieht ein Konkurrenzverhältnis der beiden Formeln V. 5 und V. 7. Dieses lasse sich begründen, wenn man sie der Entwicklung der Jerusalemer Urgemeinde in ihren ersten beiden Jahrzehnten zuordnet. Petrus habe demnach die Ersterscheinung gehabt, denn die Petrus und die Zwölf betreffende Legitimationsformel sei älter als die von V. 7. Sie stamme aus der Zeit der Existenz des Zwölferkreises und sei auf einer vorpaulinischen Traditionsstufe mit dem christologischen Glaubensbekenntnis verknüpft worden. Der Text V. 7 sei dadurch entstanden, dass Anhänger des Jakobus (oder sie selbst) die Erstzeugenschaft des Petrus für Jakobus (oder für sich selbst) beanspruchten. Sie hätten zu diesem Zwecke die Nachricht von der Erscheinung Jesu vor Jakobus der Formel von V. 5 angepasst, wobei die historische Version des Jakobus sicherlich bereits zu einer Zeit empfangen worden sei, da Petrus Leiter der Gemeinde war. Die S. 58-141 bieten Historisches zu 1 Kor 15,1-11.

 

E. Best 1985, 2-7 hält es nicht für angemessen, wenn in heutiger Zeit einzelne Christen behaupten, ein Damaskuserlebnis gehabt zu haben. Begründung: Das Damaskuserlebnis sei eine einmalige Erfahrung des Paulus. Und auch wenn Christus weiteren Menschen erschienen sei, bliebe doch die Einmaligkeit der Beauftragung des Paulus mit der Heidenmission. Eine solche Beauftragung sei heute nicht mehr nötig, weil die ganze Welt in Reichweite des Evangeliums gekommen sei.

 

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V. 8

 

Beobachtungen: Paulus nennt sich an letzter Stelle derjenigen Personen, denen der Auferstandene erschienen ist. Dabei sagt er nicht, ob ihm Jesus Christus noch vor dessen Himmelfahrt erschienen ist, oder erst danach, in der in Apg 9,1-9 geschilderten Audiovision. Letzteres ist jedoch sicher anzunehmen, weil Paulus sonst sicherlich schon vor der Himmelfahrt bekehrt worden wäre und nicht die Christen verfolgt hätte. Auch wäre die Erscheinung des in den Himmel Aufgefahrenen in einer Audiovision überflüssig.

 

Dass ihm der Auferstandene zuletzt erschienen ist, bringt Paulus damit in Verbindung, dass er eine "Fehlgeburt“ sei. Dieser Begriff kann auf die leibliche Geburt anspielen, aber auch auf die religiöse (Neu-)Geburt. In ersterem Fall hat er wahrscheinlich seine Vergangenheit vor der Bekehrung im Blick. Eine Fehlgeburt ist eine Geburt, die zu früh erfolgt und insofern misslungen ist, als der Säugling nicht lebensfähig ist. Auch Paulus’ Jahre nach seiner Geburt bis zur eigenen Bekehrung sind fehlerhaft, so dass er sich selbst als "Fehl-/Missgeburt“ bezeichnen kann. In letzterem Fall würde Paulus seine Bekehrung (vgl. Apg 9,1-18) als unnormal, gar als misslungen empfinden. Damit wäre er in dem Sinne "Fehlgeburt“, dass sein ganzes Christenleben unter dem Makel der späten, ungewöhnlichen und fast schon erzwungenen Bekehrung steht.

Wieso nennt Paulus hier eine solch abschätzige Bezeichnung? Möglich ist, dass er ein Schimpfwort aufgreift, das unter seinen Gegnern umgeht.

 

Weiterführende Literatur: A. Satake 1990, 100-111 weist auf die Wahrscheinlichkeit hin, dass auch Paulus’ Name auf der Augenzeugenliste gestanden hat. Zu klären sei jedoch, wie Paulus eine solche Liste selber hat empfangen können. Es bestehe gewiss kein Zweifel daran, dass der jetzige Wortlaut der Liste auf Paulus selbst zurückgeht; der Vergleich mit der Fehlgeburt könne auch nicht zur Überlieferung gehören; V. 9f. könne ebenso nicht aus ihr stammen. Aber damit sei die Möglichkeit noch nicht ausgeschlossen, dass der Name Paulus auf der Liste gestanden hat. Es sei möglich oder gar wahrscheinlich, dass Paulus’ Name in dem Augenblick in die Liste aufgenommen wurde, wo er die Formel empfing. Die Liste sei also wahrscheinlich stufenweise angewachsen. Die Namen, die auf der Liste stehen, seien nun, soweit sie identifizierbar sind, alle mit der Jerusalemer Gemeinde eng verbunden. So sei kaum anders vorstellbar, als dass die Augenzeugenliste in der Jerusalemer Gemeinde entstand und auch dort gepflegt wurde. Aber dann sei die Möglichkeit groß, dass sie Paulus bei einem seiner Besuche in Jerusalem überliefert wurde. Am ehesten sei an den in Gal 1,18-19 erwähnten Besuch zu denken. Als Geschehnisse der 15 Tage Aufenthaltszeit dürften wir uns etwa folgendes vorstellen: Paulus erzählte den beiden Vertretern sein Erlebnis der Berufung; diese akzeptierten, dass es sich um eine mit ihren eigenen Erfahrungen gleichartige und gleichwertige Erscheinung des Auferstandenen handelt, und übergeben ihm die Formel, indem sein Name als der letzte in die Liste eingetragen wurde.  Die Kenntnis über seine missionarische Tätigkeit in Arabien habe den Jerusalemern wohl zu diesem Entschluss geholfen.

 

H. W. Hollander, G. E. van der Hout 1996, 224-236 befassen sich mit Paulus’ Selbstbezeichnung als "Fehlgeburt“. Folgende Deutungen seien möglich: a) "Fehlgeburt“ als Monster, als das Paulus von seinen Gegnern angesehen wurde. b) "Fehlgeburt“ als tot geborener Säugling, womit Paulus auf seine wenig ruhmreiche Vergangenheit als Christenverfolger anspielen würde. c) "Fehlgeburt“ als zu früh geborener, noch nicht vollständig entwickelter Säugling, was darauf hinweisen würde, dass Paulus in der Zeit vor der Bekehrung noch nicht das war, was Gott ihm als Dasein zugedacht hatte. d) Gal 1,15 als erhellende Parallele: Paulus ist eine "Fehlgeburt“, insofern er entgegen seiner eigentlichen Bestimmung gehandelt hat (vgl. die Deutungen von G. W. E. Nickelsburg und M. Schäfer). H. W. Hollander, G. E. van der Hout untersuchen, woher Paulus den Begriff "Fehlgeburt“ hat, was der Vergleichspunkt der Metapher ist und warum er den eigentümlichen Begriff in diesem Kontext benutzt hat. Ergebnis: Paulus habe den Begriff aus der jüdischen Tradition übernommen. In seinem Leben vor der Bekehrung sei Paulus als eine erbärmliche und wertlose Person erschienen, vergleichbar einer Totgeburt − ein Sachverhalt, der durch den Gebrauch des Begriffs "Fehlgeburt“ im gegebenen Kontext herausgestellt werden solle.

 

G. W. E. Nickelsburg 1986, 198-205 interpretiert den Begriff "Fehlgeburt“ im Lichte von Gal 1,15. Paulus betrachte sein Leben vor der Bekehrung als der eigentlichen Bestimmung entgegengesetzt. Damit sei es einem embryonalen Zustand zu vergleichen. M. Schäfer 1994, 207-217 hält die von G. W. E. Nickelsburg herausgearbeitete sprachliche und sachliche Parallelität von 1 Kor 15,1-10 und Gal 1,1-4.11-17 für zutreffend. Drei Schwächen blieben jedoch bei der Interpretation Nickelburgs: Woher hat Paulus die Metapher? Der Artikel bei ektrôma ("Fehlgeburt“; "ungeborenes Kind“) werde nicht erklärt. Außerdem bleibe für Nickelburg die Unreife des Embryos der entscheidende Vergleichspunkt. Es gehe aber bei der Berufung des schon pränatal zum Heidenmissionar Bestimmten gar nicht um ein Noch-Nicht-Können. Gott statte seine Berufenen schon mit der nötigen Kraft und Fähigkeit aus, auch wenn diese das nicht wahrhaben wollen (vgl. Jer 1,5-6). Bei Paulus bestehe das Problem darin, dass er seine Berufung zum Heidenmissionar als Christenverfolger pervertiert hat. Ein Kardinalfehler vieler Kommentatoren bestehe darin, dass sie ektrôma mit "Fehlgeburt“ übersetzen. Das Wort bezeichne aber allgemeiner das ungeborene, nicht lebensfähige Kind und stehe damit in der Nähe des im NT und seiner Umwelt nicht belegten embryon. Dass es zu früh aus dem Mutterleib heraustritt und dabei stirbt, sei im Wort "ektrôma“ nicht notwendig enthalten. Das Wort könne auch das Ergebnis der Fehlgeburt, den toten Embryo meinen (vgl. Num 12,12; Ijob 3,16LXX), aber auch dann bezeichne das Wort das Kind, nicht den Vorgang der Fehlgeburt und die Tatsache einer Totgeburt. M. Schäfer zieht zur Erklärung von V. 8 Hos13,13 heran. Ephraim werde dort mit einem unvernünftigen Kind verglichen, das trotz einsetzender Wehen den Mutterleib nicht verlassen will und sich damit tödlicher Gefahr, der einer Totgeburt, aussetzt. Auf diese Weise werde die Schuld des Gott nicht gehorsamen Ephraim dargestellt. Paulus sei nun ein "zweiter Ephraim“, der seiner Bestimmung, dem Ruf Gottes, nicht gefolgt ist.

 

M. W. Mitchell 2003, 469-485 versteht den Begriff "Fehlgeburt“ im Sinne einer Abtreibung aus der Riege der Apostel. Paulus sei wie ein abgetriebener Fötus weggeworfen und abgewiesen worden und habe daher die Notwendigkeit gesehen, seinen apostolischen Auftrag und Status zu verteidigen.

 

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V. 9

 

Beobachtungen: Dem geringsten der Apostel ist der Auferstandene zuletzt erschienen. Die Reihenfolge der Erscheinungen entspricht dem Grad der Würdigkeit; zumindest gilt dies im Hinblick auf den letzten und damit geringsten, Paulus.

 

Paulus zählt sich selbst zu den Aposteln, wenn auch nicht zu "allen Aposteln“, denen der Auferstandene schon zuvor erschienen ist. Warum er sich selbst als "Apostel“ ansieht, bleibt offen. Paulus ist kein Augenzeuge des irdischen Jesus, was ihn von anderen "Aposteln“ unterscheidet. Allerdings ist auch ihm der Auferstandene erschienen, was aus Sicht des Paulus - im Gegensatz zum überkommenen Apostelverständnis - von besonderer Bedeutung sein kann. Er ist zudem Missionar, der Gemeinden gegründet hat. Auch dies kann aus seiner Sicht ein wesentlicher Aspekt sein. Die Gewichtigkeit der verschiedenen Aspekte ist jedoch fraglich (vgl. 1 Kor 9,1).

 

Paulus benutzt den Begriff "Apostel“ nicht wertneutral, denn sonst könnte er nicht sagen, dass er nicht wert sei, "Apostel“ zu heißen. Mit dieser Bezeichnung ist also eine gewisse Würde verbunden. Dass Paulus seine eigene Würdigkeit in Frage stellt, begründet er mit seiner Vergangenheit. Dass Paulus diese konkret anspricht, lässt im Hinblick auf V. 8 annehmen, dass sich der Begriff "Fehlgeburt“ tatsächlich auf die Jahre nach der leiblichen Geburt, also die erste Lebensphase bis zur Bekehrung bezieht. Diese Lebensphase ist dadurch geprägt gewesen, dass Paulus die Gemeinde Gottes, also die Christen, verfolgt hat. Diese Jahre sind nicht einfach vergessen, sondern lassen Paulus - zumindest aus seiner eigenen Sicht - noch in der Gegenwart als "Apostel“ von geringerer Würdigkeit erscheinen.

 

Der Begriff "ekklêsia“ kann sowohl mit "Gemeinde“ als auch mit "Kirche“ übersetzt werden. Folglich kann die Übersetzung von "ekklêsia tou theou“ "Gemeinde (des) Gottes“ oder "Kirche (des) Gottes“ lauten. Dabei hat Paulus die christliche Gemeinde, nicht die jüdische, im Blick. Obwohl durchaus eine ganz konkrete christliche Gemeinde im Blick sein kann, hat die Formulierung allgemeinen Charakter: Paulus hat die Gemeinschaft der Christen, die Kirche, verfolgt.

 

Weiterführende Literatur: Die Untergliederung von 15,1-11 hat J. Smit Sibinga 1997, 54-59 zum Thema. Der Schwerpunkt des Aufsatzes liegt dabei auf der Frage, inwiefern V. 8 und V. 9 voneinander zu trennen sind.

 

P. R. Jones 1985, 3-34 geht der Frage nach, wie die Formulierung "eschatos tôn apostolôn“ zu deuten und zu übersetzen ist. Das griechische Wort "eschatos“ könne zwei Bedeutungen haben: a) geringster, wertlos; 2) letzter im Sinne der zeitlichen Abfolge. Paulus könne sich somit als "geringster der Apostel“ oder als "letzter der Apostel“ bezeichnen. P. R. Jones vertritt die Meinung, dass Paulus zweifellos beanspruche, der letzte Apostel zu sein, wobei er sich ausführlich mit den Einwänden gegen seine These auseinandersetzt.

 

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V. 10

 

Beobachtungen: Dass Paulus trotz der geringeren Würdigkeit ist, was er ist, nämlich Apostel, hat er allein Gottes Gnade zu verdanken. Das Aposteldasein resultiert also nicht aus eigenem Verdienst.

 

Paulus bezieht die Gnade Gottes in erster Linie auf seine Bekehrung, veranlasst durch die Erscheinung Jesu Christi. Dieser kommt damit im Hinblick auf die Apostelbezeichnung eine herausragende Bedeutung zu. Wäre die Bekehrung jedoch ein isoliertes Ereignis ohne Konsequenzen für das Leben des Bekehrten, so wäre sie vergeblich und damit ohne Wert. Ihren eigentlichen Wert erhält sie erst durch das Abmühen, das aus ihr resultiert. Mit dem Verb "abmühen“ charakterisiert Paulus vermutlich seine missionarische Tätigkeit, die mühsam und gefahrvoll ist. Die Vergangenheitsform des Verbs zeigt an, dass schon geraume Zeit der Verkündigung verstrichen ist. Um jedoch dem Missverständnis vorzubeugen, dass das Abmühen sein eigenes Werk sei, dessen er sich rühmen könne, schiebt er sogleich die Anmerkung nach, dass nicht er selbst sich abgemüht habe, sondern dass das Wirken allein auf die Gnade Gottes zurückzuführen sei. Nicht nur die Bekehrung hat Paulus also Gottes Gnade zu verdanken, sondern sein ganzes missionarisches Dasein. Im Hinblick auf die Apostelbezeichnung ist also auch die Verkündigungstätigkeit von erheblicher Bedeutung. Der "Apostel“ erscheint demnach - unter Berücksichtigung der Beobachtungen zu sämtlichen Versen der Perikope 15,1-11 - als ein Mensch, der in irgendeiner Form Jesus Christus persönlich gesehen hat und dies als Beauftragung versteht, die frohe Botschaft zu verkündigen. Das Sehen des "Herrn“ und die missionarische Tätigkeit sind bei einem "Apostel“ gemäß Paulus also untrennbar verbunden.

 

Weiterführende Literatur: Zum Gnadengeschehen siehe D. Zeller 1990, 138-146.

 

P. Wargines 1999, 353-371 merkt an, dass das Wort "(der) Gott“ in 1 Kor 15 gehäuft auftrete. Diese Häufung lasse zwar kein allgemeines "theologisches“ Bewusstsein annehmen, doch machten sie eine genaue Reflexion des Paulus über die Beziehungen, die Gott Vater, Christus und die Gläubigen, denen die Auferstehung versprochen ist, einen, deutlich. Die Stellung Gottes, des Vaters, werde insbesondere aus V. 24-28 deutlich, doch seien auch die Aussagen vor diesen Versen wahrgenommen worden. P. Wargines folgt zunächst in großen Zügen dem Gedankengang des Kapitels, untersucht dann das Vorkommen des Wortes "(der) Gott“ in den V. 9-10.15, ordnet sie im Zusammenhang ein und bewertet dann lexikalisch die Ausdrücke, in denen das Wort vorkommt. Ein kurzer Schluss skizziert − im Rahmen von 1 Kor 15 - den theologischen Gehalt, wie er sich aus der vorgelegten Exegese ergibt.

 

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V. 11

 

Beobachtungen: Dass die Korinther gläubig geworden sind, führt Paulus wie schon in V. 1 auf seine Predigttätigkeit zurück, die er jedoch nicht herausstellt. Vielmehr stellt er seine eigene Predigttätigkeit neben diejenige anderer, "jene“ genannte Personen. Da in den V. 7-9 von den "Aposteln“ die Rede war, liegt nahe, dass diese gemeint sind. Aber auch wenn alle genannten Personen im Blick sein sollten, so bliebe die Aussage des Verses gleich, weil allen Personen die Augenzeugenschaft des Auferstandenen gemeinsam ist - und um diese geht es im Wesentlichen in der Perikope 15,1-11.

 

V. 11 knüpft an V. 1-2 an und leitet zu V.12-19 über: Die korinthischen Gemeindeglieder sollen das Evangelium in der Gestalt festhalten, in der es Paulus verkündigt hat. Konkret heißt dies: Die Korinther sollen nicht an der Auferstehung zweifeln, weil es für den Zweifel keinen Grund gibt. Schließlich ist den Korinthern das Evangelium nicht von irgendwem verkündigt worden, sondern von Paulus und weiteren Augenzeugen des Auferstandenen, seien es die "Apostel“ oder auch andere Personen. Die Augenzeugenschaft bürgt für die Richtigkeit der Verkündigung der Auferstehung. Da diejenigen Personen, denen der Auferstandene erschienen ist, nicht unbedingt auch Augenzeugen von Jesu Tod und Begräbnis waren, zieht Paulus einen weiteren Beleg für die Richtigkeit der Verkündigung heran: Paulus und "jene“ anderen Augenzeugen des Auferstandenen haben überliefert, was sie selbst empfangen haben. Damit ist jeglicher Willkür bei der Predigt ein Riegel vorgeschoben. Als Augenzeugen des Auferstandenen und als Glieder einer Überlieferungskette, "so“ predigen Paulus und "jene“ anderen Missionare. Aufgrund dieser Predigt sind die korinthischen Gemeindeglieder gläubig geworden, so dass es keinen Grund gibt, die frohe Botschaft nachträglich abzuwandeln und/oder anzuzweifeln.

 

Dass weitere Augenzeugen des Auferstandenen neben Paulus in Korinth gepredigt haben, davon erfahren wir im Ersten Korintherbrief wenig. Weder von dem Mitverfasser des Briefes, Sosthenes, noch von Paulus’ Begleiter Timotheus sagt Paulus ausdrücklich, dass sie Augenzeugen des Auferstandenen sind. Das gilt auch für Apollos, der bei einigen korinthischen Gemeindegliedern hoch im Kurs steht. Neben Apollos wird in 1,10-17 auch Kephas, gemäß 15,5 eindeutig ein Augenzeuge des Auferstandenen, als "Haupt“ einer innergemeindlichen Gruppe genannt. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass Kephas auch in Korinth gewirkt hat, denn in 3,4-10 wird er nicht als "Mitarbeiter Gottes“ (in Korinth) genannt. Es ist also anzunehmen, dass diejenigen Augenzeugen, die neben Paulus in Korinth gewirkt haben, im Ersten Korintherbrief nicht ausdrücklich erwähnt werden. Zu bedenken ist, dass seit Paulus’ Aufenthalt in Korinth einige Jahre vergangen sind, und ein Teil der Gemeindeglieder erst in der Zeit nach Paulus’ Abreise gläubig geworden ist. In dieser Zeit mögen verschiedene andere Missionare, darunter auch Augenzeugen des Auferstandenen, in Korinth gewirkt haben. Darüber hinaus zeigt die präsentische Verbform "verkündigen“, dass es Paulus um eine grundsätzliche Aussage zur Art und Weise der Verkündigung geht, diese also noch nicht abgeschlossen ist.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

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