Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (13-14)

Die erste Missionsreise des Paulus

Apg 13,6-12

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 13,6-12

 

 

Übersetzung

 

Apg 13,6-12:6 Als sie die ganze Insel bis nach Paphos durchzogen hatten, trafen sie einen gewissen Mann, einen Magier, einen Falschpropheten, einen Juden namens Barjesus, 7 der sich bei dem Prokonsul Sergius Paulus aufhielt, einem verständigen Mann. Dieser ließ Barnabas und Saulus herbeirufen und wünschte, das Wort (des) Gottes zu hören. 8 Da widersetzte sich ihnen der Magier Elymas − so wird nämlich sein Name übersetzt − und versuchte, den Prokonsul vom Glauben abzubringen. 9 Saulus aber, der auch Paulus [heißt], blickte ihn von heiligem Geist erfüllt fest an 10 und sprach: "Du Ausbund von Hinterlist und Bosheit, Ausgeburt des Teufels, Feind aller Gerechtigkeit, willst du nicht damit aufhören, die geraden Wege des Herrn krumm zu machen? 11 Und nun, siehe: [Die] Hand des Herrn [kommt] über dich und du wirst blind werden und eine Zeit lang die Sonne nicht sehen.“ Und sogleich fiel Dunkel und Finsternis auf ihn und umhertappend suchte er welche, die ihn an der Hand führten. 12 Als nun der Prokonsul sah, was geschehen war, kam er zum Glauben, überwältigt von der Lehre des Herrn.

 

 

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V. 6

 

Beobachtungen: In 13,4-5 war erzählt worden, wie Barnabas und Saulus ("sie“) mit dem Gehilfen Johannes (Markus) von Antiochia über Seleukia mit dem Schiff nach Salamis auf Zypern gelangt waren und dort das Wort des "Herrn“ verkündigt hatten. In 13,6-12 wird nun die Weiterreise nach Paphos berichtet, ohne dass ein Wort darüber verloren wird, ob die Missionsbemühungen erfolgreich waren und warum die Missionare ihre Reise fortsetzten.

 

Fraglich ist, wie das Verb "durchziehen“ ("dierchomai“) zu verstehen ist. Haben die Missionare Zypern zielstrebig durchquert, ohne unterwegs zu verkündigen? Oder haben sie bei der Durchquerung Zyperns auch verkündigt? Wenn letzteres der Fall ist: Warum wird die Verkündigung nicht erwähnt? War sie erfolglos?

Vermutlich ist die Durchreise auf der an der Südküste entlang führenden Hauptstraße erfolgt. Der Schreiber des Codex Bezae Cantabrigiensis hat angesichts einer fehlenden Notiz über Missionstätigkeiten und −erfolge bei der Durchreise der Missionare durch Zypern das Verb "dierchomai“ ("durchziehen“) durch "perierchomai“ ("herumreisen“) ersetzt. Dabei kann das "Herumreisen“ sowohl im Sinne eines wenig zielstrebigen, mit Umwegen versehenen Reisens als auch im Sinne eines um Zypern herum Reisens verstanden werden. Letztere Deutung ist wahrscheinlicher, weil sie das Schweigen über Missionstätigkeiten auf dem Wege von Salamis nach Paphos erklären würde: Die Missionare sind mit dem Schiff von der im Südosten der Insel gelegenen Hafenstadt Salamis um Zypern herum nach Paphos, einer Hafenstadt ganz im Westen der Insel, gefahren.

 

Barjesus ist die gräzisierte Form des aramäischen Namens Bar-Jeschua, der "Sohn des Jeschua/Jesus“ bedeutet. Dabei ist mit "Jesus“ wohl nicht Jesus Christus gemeint. Dass "Jesus“ dennoch auf Jesus Christus bezogen werden konnte, zeigt die Peschitta (eine syrische Übersetzung), die "Barsouma“ bietet, was "Sohn des Namens“ bedeutet. Der "Name“ dürfte der Name des Gottes Israels, JHWH sein. "Barsouma“ ist also ein Name, der sowohl die Nennung des Namens JHWH als auch die Nennung Jesu Christi vermeidet. Der Name JHWH sollte grundsätzlich nicht ausgesprochen werden. Außerdem sollte JHWH ebenso wie Jesus Christus nicht mit Barjesus in Verbindung gebracht werden.

 

Barjesus wird sehr negativ charakterisiert: Schon die Formulierung "gewisser Mann“ lässt einen negativen Unterton heraushören. Ebenso haben die Begriffe "Magier“, "Falschprophet“ und "Jude“ eine negative Bedeutung, die durch die Verbindung der Begriffe verstärkt wird.

 

Der Begriff "Magier“ ("magos“) wird nicht erklärt, so dass offen bleibt, welches seine Funktion ist. Klar ist nur, dass er nicht im Dienst des wahren Gottes, des Vaters Jesu Christi, steht, sondern im Dienst eines heidnischen Gottes. Ursprünglich verstand man unter einem "Magier“ einen "Kleriker“ des Mazdaismus/Zoroastrismus, einer altiranischen Religion, die durch den Propheten Zoroaster (griech.: Zarathustra) erneuert wurde. Deren Lehre war durch den Dualismus von Geist und Körper sowie durch den Kampf zwischen gutem (Ahura Mazda) und bösem Gott (Ahriman) geprägt. Für den Kult war die Verehrung des Feuers zentral. Dem "Klerus“ oblagen nicht nur religiöse Aufgaben, sondern auch Erziehungs- und Verwaltungsaufgaben. Ob Barjesus nun ein "Kleriker“ des Mazdaismus/Zoroastrismus ist, bleibt offen. Der Begriff "Magier“ kann in V. 6 auch allgemein einen Menschen meinen, der einer orientalischen Religion anhängt und besondere geistliche Fähigkeiten hat und/oder heidnische Praktiken durchführt.

 

Ein Prophet ist gewöhnlich ein "Sprachrohr Gottes“, er kann aber auch die Fähigkeit der Vorhersage der Zukunft haben (vgl. Apg 11,27-28). Ein Falschprophet ist dementsprechend jemand, der entweder das Sprachrohr eines falschen, weil heidnischen Gottes ist oder das Wort des wahren Gottes verdreht. Er kann auch die Zukunft falsch vorhersagen, doch ist diese Bedeutung in 13,6 wohl nicht im Blick. Hier geht es nämlich nicht um Zukunftsvorhersage, sondern um die Frage, ob dem falschen oder dem richtigen Gott gedient wird.

 

Weiterführende Literatur: C. K. Economou 1994, 243-276 spürt den Quellen von Apg 13,1-12 und von den anderen Bezügen auf Zyprioten und Zypern nach. Dabei richtet er seinen Blick zunächst auf mögliche schriftliche Aufzeichnungen des Johannes Markus. Diese könnten die wichtigste schriftliche, Apg 13,1-12 zugrunde liegende Quelle sein. Weitere Aussagen von 13,1-12 und vor allem der weiteren Bezüge auf Zypern könnten gemäß C. K. Economou aber auch auf eine zusätzliche mündliche Quelle zurückgehen, wobei er an den aus Zypern stammenden "Jünger der ersten Stunde“ Mnason denkt (vgl. 21,16).

 

Mit dem Reiseweg des Barnabas und Paulus von Salamis nach Paphos befasst sich D. W. J. Gill 1995, 219-228. Der Verlauf der antiken Straßen zwischen beiden Städten lasse sich aus Reiseberichten und Meilensteinen erschließen. Paulus sei vermutlich auf einer unter Kaiser Augustus erbauten Straße an der Südküste gereist. Die Existenz dieser Straße werde − zumindest von Paphos nach Curium - durch einen Meilenstein belegt. Bei seinem Marsch auf dieser Straße seien Paulus und Barnabas auch an den Städten Citium, Amathus und Curium vorbeigekommen. Die drei Städte Salamis, Amathus und Paphos hätten aufgrund ihrer Heiligtümer (Salamis: Olympischer Zeus; Amathus: Aphrodite; Alt-Paphos: Aphrodite) den Status eines "asylum“ gehabt. Mit diesen bedeutenden Heiligtümern seien die beiden Reisenden auf dem Weg in das administrative Zentrum der Insel, Paphos, in Kontakt gekommen.

 

Laut F. S. Spencer 1998, 150-159 handele die Apg nicht nur von der bemerkenswerten Wandlung des Paulus vom Erzfeind des Evangeliums hin zu dessen leidenschaftlichstem und dynamischstem Verkündiger, vor allem unter Heiden, sondern auch vom fortwährenden Kampf des Paulus um das Bekennen und Bewahren der neuen Identität angesichts widriger menschlicher, natürlicher und übernatürlicher Kräfte. Neben der Christuserscheinung auf dem Weg nach Damaskus (vgl. Apg 9) kämen auch den Ereignissen auf den Inseln Zypern (vgl. Apg 13) und Malta (vgl. Apg 28) am Anfang und am Ende der Missionsreisen besondere Bedeutung im Hinsicht auf die Entwicklung von Paulus' Charakter und Status zu. Im Rahmen seines Aufsatzes kommt F. S. Spencer auf verschiedene Aspekte der besonderen Bedeutung der Inseln in der Antike zu sprechen: Inseln hätten als Orte der Zuflucht, des Exils, der Erhöhung und heidnischer Bewohner gegolten. Auch Paulus erfahre Zypern als sicheres, lichtes Gebiet inmitten ungestümer Mächte der Finsternis um ihn herum. Für Paulus sei Zypern zwar kein Ort des Exils, aber doch der Auszeichnung, werde ihm doch Erstaunen und Respekt − sogar Glaube - entgegengebracht. Und schließlich werde er auf Zypern zum göttlich befähigten Führer der Verbreitung des Evangeliums und schließlich auch zum führenden Heidenmissionar. Der absolute Höhepunkt der Erhöhung des Paulus komme schließlich auf Malta. Er sei zwar ein Gefangener, werde aber verschiedentlich mit Respekt behandelt. In einer Zeit, als Paulus nicht missionarisch tätig sein konnte und in einem heftigen Unwetter mit den anderen Reisenden jegliche Hoffnung auf Rettung verlor (vgl. 27,20), habe er sich wieder als dynamischer Führer und Wohltäter herausgestellt, der aller Unbill trotzte. So habe er nicht nur seinen Mitreisenden wieder Mut gemacht, sondern sei zu großer Ehre gekommen (vgl. 28,10). Nach den Ereignissen auf Malta bis zum Ende der Apg habe er sich trotz seiner Gefangenschaft wieder wie ein Führer verhalten und das Evangelium verkündigt.

 

Bernard P. Robinson 1996, 69-72 legt dar, dass Paulus ebenso wie Mose, Jesus und Petrus gegen die "magische“ Macht des Satans kämpfe. Als ein Ergebnis der paulinischen Arbeit − die Initiative gehe von Gott aus, nicht von Paulus − würden die Augen der Heiden geöffnet, wogegen die Juden in ihrer blinden Wut − zumindest eine Zeit lang - weiter Widerstand gegen das Evangelium leisteten.

H.-J. Klauck 1994, 93-108 befasst sich mit zwei Themen, die zwar miteinander verwandt, aber dennoch voneinander verschieden seien: zum einen mit der Auseinandersetzung zwischen christlichen Predigern und Magiern und deren magischen Praktiken (vgl. Apg 13,4-12), zum anderen mit der Konfrontation der christlichen Prediger mit heidnischem Polytheismus (vgl. 14,8-20). H.-J. Klauck charakterisiert Barjesus und Paulus und merkt dabei an, dass die Bezeichnung Barjesus' als "Falschprophet“ auf atl. Propheten hinweise, die nicht als "Sprachrohr Gottes“ dienten, sondern im eigenen Namen und Interesse prophezeit haben. Vielleicht habe Barjesus auch Träume gedeutet und in irgendeiner Form orakelt. "Barjesus“ werde zwar als ein Jude, der Jesus zurückweist, dargestellt, doch gehe aus seinem Namen hervor, dass er sich doch der verborgenen Wirkmacht Jesu und der damit verbundenen Gefahren bewusst war. Simon Magus aus Samaria (vgl. 8,9-23), Barjesus und die Sklavin mit dem Wahrsagegeist, die Paulus tagelang in Philippi schreiend verfolgte (vgl. 16,16-19), hätten einige Gemeinsamkeiten: die Konfrontation mit den christlichen Missionaren, der jüdische oder halbjüdische Hintergrund (gilt nicht für die Sklavin), die magische Tätigkeit, das Interesse an Geldverdienst, Erfolg und gesellschaftlichem Ansehen (im Falle der Sklavin seitens deren Besitzern) und eine gewisse Nähe zu christlichen Aspekten (der Name "Barjesus“, Simons Taufe, das Bekenntnis der Sklavin). Gemäß H.-J. Klauck stelle nicht die Magie die eigentliche Gefahr dar, denn die christlichen Prediger zeigten sich in allen Fällen überlegen. Die eigentliche Gefahr sei ein Synkretismus, der Heidentum, Judentum und Christentum vermische. Zu Magie und Heidentum in der Apg siehe auch H.-J. Klauck 1996, der sich auf S. 60-69 mit Paulus in Paphos befasst.

R. Strelan 2004, 65-81 dagegen vertritt die Meinung, dass nicht deshalb ein ernsthafter Gegner des Christentums gewesen sei, weil er heidnische magische Praktiken oder irgendeinen Synkretismus ausgeübt hat. Vielmehr habe er die geraden Wege Gottes falsch gelehrt. Es gehe also in Apg 13,6-12 nicht um eine Auseinandersetzung des Christentums mit dem Heidentum, sondern um eine Auseinandersetzung innerhalb der synagogalen Gemeinschaft, zu der auch einige Christen gehörten, oder um eine Auseinandersetzung innerhalb des Christentums. Paulus und Barjesus repräsentierten zwei entgegengesetzte Vorstellungen von Gerechtigkeit und dem Weg Gottes.

 

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V. 7

 

Beobachtungen: Es heißt, dass Barjesus sich bei dem Prokonsul Sergius Paulus aufhielt, wobei offen bleibt, ob dieser Aufenthalt kurzzeitig oder dauerhaft war. Bei einem kurzzeitigen Aufenthalt hätte es sich um einen Besuch aus einem bestimmten Anlass gehandelt, bei einem dauerhaften Aufenthalt hätte Barjesus zum Gefolge des Prokonsuls gehört.

 

"Anthypatos“ ist die griechische Bezeichnung für den lateinisch "proconsul“ genannten Statthalter einer senatorischen Provinz des Römischen Reiches. Bestandteil des Römischen Reiches war Zypern seit 58 v. Chr., wobei die Insel zunächst zur Provinz Kilikien gehörte und erst 22 v. Chr. eine eigenständige Provinz namens "Cyprus“ wurde. Unter Kaiser Augustus wurde die ehemals kaiserliche Provinz an den Senat übertragen. Zur Zeit des Kaisers Claudius (41-54 n. Chr.), in der sich das in 13,6-12 Geschilderte zugetragen haben dürfte, war "Cyprus“ also eine senatorische Provinz. Im Gegensatz zu den "legatus Augusti pro praetore“ (griechische Bezeichnungen: antistratêgos, presbeutês) genannten Statthaltern der kaiserlichen Provinzen wurden die Prokonsuln nicht vom Kaiser bestellt, sondern − zumindest nominell − vom römischen Senat ernannt. Alle Statthalter waren senatorischen Standes. Anders als die Bezeichnung "Prokonsul“ vermuten lässt, mussten die Statthalter der senatorischen Provinzen nicht unbedingt das Konsulat bekleidet haben. Dies wurde nur von den Statthaltern der beiden als "provincia proconsularis“ bezeichneten Provinzen Africa und Asia verlangt. Die Statthalter der anderen senatorischen Provinzen einschließlich Zypern (Cyprus) waren Prokonsuln mit prätorischem Rang.

Paphos war Verwaltungssitz der Provinz Zypern (Cyprus), weshalb es nicht verwundert, dass sich der Statthalter Sergius Paulus dort aufhielt. Genau genommen handelte es sich um Nea Paphos (Neu-Paphos), eine Neugründung, die 321 v. Chr. zur Hauptstadt geworden war und 12 Kilometer nordwestlich ihrer Vorgängerin, Palaia Paphos (Alt-Paphos), lag. In Palaia Paphos blieb einzig das Aphrodite-Heiligtum bedeutend.

 

Das Adjektiv "synetos“ bedeutet "verständig“. In V. 7 ist wohl weniger an allgemeine Intelligenz gedacht als vielmehr an das klare Erkennen und Einsichtsvermögen: Sergius Paulus erkannte trotz seiner bisher falschen, wahrscheinlich von Barjesus beeinflussten Einstellung, dass an dem "Wort Gottes“ etwas Wahres dran sein könnte und ließ daher Barnabas und Saulus herbeirufen und wünschte das "Wort Gottes“ zu hören. Später (vgl. V. 12) sollte sich sein Einsichtsvermögen zeigen.

Möglich ist, dass die Missionare deshalb zielstrebig auf Paphos zusteuerten, weil sie davon ausgingen, dass die Bekehrung des Landesherrschers, im Falle Zyperns des Prokonsuls, zu einer Erleichterung der Mission im Land führen würde. Im besten Falle konnten sie darauf hoffen, dass der Landesherr die Mission praktisch unterstützen würde.

 

Weiterführende Literatur: Mit der römischen Verwaltung von Zypern zur Zeit des Paulus befasst sich Z. J. Kapera 2009, 17-30. Dabei geht er auf die Voraussetzungen, die ein Prokonsul bei der Bekleidung seines Amtes erfüllen musste, und auf die Befugnisse des Prokonsuls als höchstem Amtsinhaber auf der Insel Zypern ein. Danach kommt er auf die Eintreibung der Steuern und auf die Wirtschaft Zyperns zu sprechen, bevor er sich abschließend der administrativen Einteilung der Insel und der griechischen Sprache als offizielle Verwaltungssprache Zyperns widmet.

 

C. K. Economou 1989, 845-870 zieht insbesondere die drei Inschriften aus Soloi, vom Tiber und aus Kythraia (oder: Kytheria; Chytri) als Beleg für die These heran, dass es sich bei Sergius Paul(l)us um eine historische Person handele. Die Abwendung vom Apostel Paulus in Paphos müsse als wirkliche Tatsache verstanden werden, die einen symbolischen Charakter hatte.

A. Nobbs 1994, 279-289 untersucht die drei Inschriften aus Soloi, Kythraia und vom Tiber im Hinblick auf die Frage, ob die ihnen genannte Personen namens Sergius Paulus (übliche Schreibweise außerhalb der Apg: Sergius Paullus) mit dem Sergius Paulus der Apg in Verbindung gebracht werden können. Ergebnis: Keine der in diesen drei Inschriften genannten Personen namens Sergius Paulus könne sicher in die Jahre 46 − 48 n. Chr., die gewöhnlich als Zeitraum der ersten Missionsreise des Paulus angenommen würden, datiert werden. Allerdings sei eine solche Datierung hinsichtlich des in der Tiber-Inschrift genannten Sergius Paulus durchaus möglich, wobei dieser auch bezüglich seiner Ämterkarriere zu dem in der Apg genannten Sergius Paulus passe. Die Identifikation werde jedoch dadurch erschwert, dass die Apg nicht das praenomen nennt.

Eine erneute Untersuchung der nur sehr fragmentarisch erhaltenen Inschrift aus Kythraia (Chytri) bietet D. A. Campbell 2005, 1-29. So werde in Zeile 9 der Kaiser Tiberius erwähnt und in Zeile 10 ein römischer Bürger namens Quintus Sergius Paul(l)us. Demnach hätte die "erste Missionsreise des Paulus“ im Jahr 37 n. Chr., im Todesjahr des Kaisers Tiberius, oder in den Jahren zuvor stattgefunden. Dies seien zehn Jahre vor der üblichen Datierung, was die Apg im Hinblick auf die Rekonstruktion des Lebens des Paulus nicht gerade als eine zuverlässige Quelle erscheinen lasse. D. A. Campbell hält die Informationen der paulinischen Briefe für zuverlässiger.

 

M. Lods 1980, 287-293 untersucht, wie Lukas vom Kaufen und Verkaufen im Hinblick auf Magie und Wahrsagung spricht. Dabei geht er auf Apg 8,9-24; 16,16-19; 19,13-19 und 13,6-12 ein. Allen diesen Texten sei gemeinsam, dass die Gabe der Wahrsagung als eine Gabe erscheint, die sich bezahlt macht. Im Gegensatz dazu werde die frohe Botschaft unentgeltlich gewährt. Zu 13,6-12: Hier gehe es zwar nicht um Geld, aber um politischen Einfluss, den Barjesus auf den Prokonsul ausübe.

 

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V. 8

 

Beobachtungen: Das Verb "methermêneuô“ bedeutet "(von einer Sprache in die andere) übersetzen“. Folglich sagt V. 8 aus, dass der Name "Barjesus“ mit "Elymas“ übersetzt wurde.

Elymas ist gemäß dem Verfasser der Apg die Übersetzung des Namens Barjesus. Dabei lässt der Verfasser der Apg offen, in welche Sprache der Name übersetzt ist. "Barjesus“ ist ein aramäischer Name, der "Sohn des Jesus (nicht: Jesus Christus!)“ bedeutet. "Elymas“ könnte ein griechischer Name sein, der − soll es sich tatsächlich um eine Übersetzung des aramäischen Namens "Barjesus“ handeln − auch "Sohn des Jesus“ bedeuten müsste. Tatsächlich ist jedoch "elymas“ kein griechisches Wort und "elymos“ bedeutet nicht "Sohn des Jesus“, sondern ist eine Bezeichnung für einen Behälter oder eine Art Flöte. "Elymas“ ist also nicht die Übersetzung von "Barjesus“. Vielleicht hat der Verfasser der Apg dies nur deshalb vermutet, weil ihm zwar zwei Namen des Magiers bekannt waren, er jedoch von mindestens einem Namen die Bedeutung nicht wusste. Da lag die Annahme nahe, dass beide Namen bedeutungsgleich sein müssten. Auch eine andere Lösung des Problems der "Übersetzung“ ist möglich: So bieten der Codex Bezae Cantabrigiensis und einige wenige altlateinische Handschriften "Hetoimas“ statt "Elymas“. "Hetoimos“ bedeutet "vorhanden“ oder "bereit“. Um zu einer Bedeutungsgleichheit beider Namen zu kommen, muss nun die − eher unwahrscheinliche − Ursprünglichkeit der Variante angenommen werden. Außerdem muss die Bedeutung "bereit“ (oder: "vorhanden“) aus dem aramäischen Namen erschlossen werden, was am ehesten über die aramäische und syrische Wurzel Ö-w-ʾ, die "gleich“, "würdig“, "geeignet“ und vielleicht auch "bereit“ bedeutet, möglich ist.

Ein weiterer Lösungsweg tut sich hinsichtlich des Namensproblems möglicherweise auf, wenn Elymas nicht als "Übersetzung“ des Namens Barjesus, sondern als "Übersetzung“ der Bezeichnung "Magier“ ("magos“) verstanden wird. So könnte "Elymas“ vom Aramäischen oder Hebräischen hergeleitet sein und "Traumdeuter“ bedeuten ("ḥalōm“ = "Traum“). Auch ist eine Herleitung des Namens aus dem Arabischen möglich, wobei die Bedeutung "Weiser“ wäre. Bei diesen Herleitungen wäre "Elymas“ das Äquivalent zu "Magier“. Eine Herkunft des Magiers aus dem Orient wäre anzunehmen. Als Einwand gegen diesen Lösungsweg kann jedoch geltend gemacht werden, dass gemäß V. 8 der Begriff "Name“ ("onoma“) auf Barjesus zu beziehen ist. Der andere Name des Elymas wäre demnach nicht "Magier (Magos) “, sondern Barjesus gewesen.

 

Weiterführende Literatur: Eine Auslegung von Apg 13,4-12 bietet J. J. Kilgallen 1997, 223-237. Ergebnis: Der Abschnitt gebe weder eine grundsätzlich judenfeindliche Tendenz wieder, noch solle der Übergang des Heilsangebots von den Juden zu den Heiden ausgedrückt werden. Vielmehr stelle der Abschnitt ein erneutes eindringliches Beispiel des fortwährenden Widerstandes von Juden hinsichtlich des Glaubens an Jesus Christus dar.

 

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V. 9

 

Beobachtungen: Der Hinweis, dass Saulus auch Paulus heißt, stellt an sich keine Namensänderung dar, sondern hat eher den Charakter einer scheinbar beiläufigen Information. Der Leser weiß nun, dass Saulus noch einen anderen Namen, nämlich Paulus, hat. Außerdem weiß ein Leser, dem die paulinischen Briefe bekannt sind, nun, dass der Briefautor Paulus mit dem Saulus der Apg vermutlich − weil es mehrere Personen namens Paulus geben kann, ist dies nicht ganz sicher - identisch ist. Erstaunlicherweise benutzt der Verfasser der Apg aber von nun an nicht mehr den Namen "Saulus“, sondern den Namen "Paulus“. Was ist der Grund für den Namenswechsel? Ist jedem der beiden Namen eine bestimmte Bedeutung oder Bedeutungsnuance eigen? Wechselt der Verfasser der Apg den Namen mit Bedacht, weil er etwas Bestimmtes aussagen will? Es ist möglich, dass der Verfasser der Apg "Paulus“ im Hinblick auf den Namen des Prokonsuls, Sergius Paulus, benutzt, doch was soll die Angleichung bewirken und warum kehrt der Verfasser der Apg im Folgenden nicht wieder zum Namen "Saulus“ zurück? Zeigt der Name "Paulus“ die Bekehrung zu Jesus Christus an? Dann müsste der Namenswechsel nach der Bekehrung des Sergius Paulus erfolgen. Ausgesagt würde, dass nicht nur Sergius Paulus ein zu Christus Bekehrter war, sondern auch Saulus, der ebenfalls Paulus hieß. Tatsächlich erfolgt der Namenswechsel aber vor der Bekehrung des Sergius Paulus, was gegen diese Deutung spricht. Eher könnte der Namenswechsel ein Hinweis darauf sein, dass Saulus/Paulus mit der Ankunft in Paphos in eine heidnische Welt eintrat, nachdem er zuvor in einer jüdisch geprägten gelebt hatte. Zur heidnischen Welt passt der griechisch-römische Name "Paulos“ − vielleicht ein cognomen (Beiname, wörtlich: bekannter Name; der dritte Name der regulären römischen Namensgebung) - besser als der vom Hebräischen abgeleitete, in einer jüdischen Umwelt benutzte Name "Saulos“ (oder: "Saoul“, vom hebräischen "Šāʿul“).

 

Es fällt auf, dass das folgende Unheil des Barjesus durch einen festen Blick ("bösen Blick“), dann erst auch durch Worte eingeleitet wird. Liegt hier eine jüdische Tradition zugrunde, wonach dort, wo der Weise seinen festen Blick hinrichtet, Tod und Elend entsteht? Zu bedenken ist, dass der "böse Blick“ hier nicht grundsätzlich Unheil heraufbeschwört, sondern nur ein eng begrenztes Unheil, das dem Heil letztendlich den Weg ebnet.

 

Weiterführende Literatur: M. Compton 2002, 50-68 gibt einen Überblick über die patristischen Deutungen des Namenswechsels. So habe es schon bei den Kirchenvätern die heute noch populäre Ansicht gegeben, der Wechsel vom "Saulus“ zum "Paulus“ habe mit dem Damaskuserlebnis des Paulus zu tun. Allerdings sei auch schon Kritik an der Auffassung laut geworden. So habe Origenes die Auffassung vertreten, dass es in Apg keinen Namenswechsel vom Saulus zum Paulus gebe, denn Saulus sei zugleich Paulus gewesen. Von anderer Seite (u. a. Hieronymus) sei angemerkt worden, dass ein Namenswechsel erst in 13,9 erfolge. Der Namenswechsel sei in einem engen Zusammenhang mit der Bekehrung des Sergius Paulus gesehen worden. Demnach habe Paulus den Namen als Zeichen des Triumphes des christlichen Glaubens über den heidnischen von Sergius Paulus übernommen. Aber schon Johannes Chrysostomus habe kritisch eingewandt, dass es eigentlich üblicher sei, dass der Unterlegene den Namen vom Überlegenen übernimmt. Außerdem sei Sergius Paulus nicht er erste zum Christentum Bekehrte gewesen. Laut Johannes Chrysostomus habe nicht Paulus selbst den Namenswandel vollzogen, sondern der Namenswechsel gehe auf Gottes (oder: des heiligen Geistes) Wirken zurück. Er sei ein Zeichen der neuen, durch die Bekehrung zum Christentum gewandelten Identität des ehemaligen Christenverfolgers. Die Wandlung, der Namenswechsel und dessen Verschiebung seien göttliche Handlungen. Durch die Verschiebung des Namenswechsels sei die gewandelte Identität des Paulus auch den Heiden verdeutlicht worden.

T. J. Leary 1992, 467-469 gibt eine kurze Zusammenfassung derjenigen Forschungsergebnisse, die seiner Meinung nach zu einer richtigen Deutung des Namenswechsels führen. Dass Paulus seinen Namen von Sergius Paulus erhalten habe, werde richtigerweise meist nicht angenommen. Es sei anzunehmen, dass Paulus als gebürtiger römischer Bürger drei Namen hatte, wobei "Paulus“ das cognomen (= Familienname) gewesen sein dürfte. Über das nomen (= geerbter Name der Vorfahren) und das praenomen (= zugewiesener Name) wüssten wir nichts, weil sich Lukas als Grieche wohl mit der Nennung des einen Namens zufrieden gegeben habe. Wie viele andere Juden habe auch Paulus vermutlich sowohl einen jüdischen als auch einen griechisch-römischen Namen besessen, wobei Paulus den jüdischen Namen "Saulus“ − auch nach Apg 13,9 − bei Ereignissen in jüdischem Umfeld benutzt habe, den griechisch-römischen Namen "Paulus“ dagegen im immer häufigeren heidnischen Umfeld, insbesondere bei Kontakten mit den Behörden. Paulus habe in diesem Umfeld wohl auch den Namen "Saulus“ vermieden, weil der griechische Begriff "saulos“ als Bezeichnung für den tänzelnd-lüsternen Gang der Dirnen benutzt worden sei.

S. M. McDonough 2006, 390-391 macht darauf aufmerksam, dass in 13,21-22 − und nur hier im gesamten NT - der atl. König Saul auftauche und anschließend sogleich der König David, von dem der Messias abstamme, genannt wird. Anders als David spiele Saul in der Predigt eine negative Rolle. Angesichts der Beobachtungen, dass im Lateinischen "Paulus“ "klein“ bedeute, Saul dagegen für seine große Statur bekannt gewesen sei, kommt S. M. McDonough im Hinblick auf den Namen "Paulus“ zu folgendem Schluss: Der Namenswechsel illustriere den Wandel des Paulus vom stolzen "big man“, der die Kirche verfolgte, zum Diener des "kleinen“ messianischen Nachkommens Davids.

S. B. Chapman 2008, 214-243 geht kritisch auf die verschiedenen vorgebrachten Thesen ein. Zu T. J. Leary: In Apg 9.22.26 tauche die semitische Namensform "Saul“ ("Saoul“) auf, die wahrscheinlich der gräzisierten Form "Saulus“ ("Saulos“) vorangegangen sei. Die Gräzisierung sei erfolgt, um eine Deklinaton des Namens in der griechischen Sprache und eine ähnliche Aussprache wie "Paulus“ ("Paulos“) zu ermöglichen. Somit sei ein vulgärer Aspekt des Namens hier wohl nicht in den Blick gekommen, zumal die semitische Namensform schon ausreichend verschieden vom griechischen Wort "saulos“ gewesen und die gräzisierte Namensform als solche erkannt und nicht mit der vulgären Wortbedeutung in Verbindung gebracht worden sei. Außerdem erkläre T. J. Learys These nicht, warum der Name "Saulus“ überhaupt in der Apg auftaucht und warum der Wechsel zu "Paulus“ gerade in Apg 13 erfolgt. Wenn "Paulos“ von "Paul(l)us“ stammt, dann müsse "Paulos“ entweder die griechische Form von "Paulos“ gewesen sein oder ein supernomen, also eine Art muttersprachlicher Spitzname, der neben dem offiziellen Namen benutzt wurde. Es stelle sich jedoch die Frage, ob "Saulos“ oder "Paulos“ ein solches cognomen war. Vermutlich sei "Saulos“ ein supernomen und "Paulos“ das cognomen gewesen. Von Sergius Paulus habe Paulus seinen Namen wohl kaum übernommen. Zwar hätten Sklaven oder Ausländer bei ihrer Freilassung den Namen ihres Herrn übernommen, doch sei Paulus erstens schon ein freier römischer Bürger gewesen und zweitens hätte er kaum das cognomen übernommen, denn dieses sei gewöhnlich von den Eltern geerbt worden. Da der vollständige Name des Sergius Paulus gemäß Inschriften vermutlich L. Sergius Paul(l)us gewesen sei, hätte Paulus wohl eher L. Sergius heißen müssen. Die These von S. M. McDonough hält S. B. Chapman für spekulativ. Nirgendwo in der Apg werde Paulus in irgendeiner Form als "klein“ geschildert. Gewiss seien das AT und das NT in einem Zusammenhang zu lesen, doch sei dieser mit Blick auf die Namensfrage eher folgender: Der atl. König Saul sei zwar von Gott erwählt gewesen, aber schließlich von diesem zugunsten Davids zurückgewiesen worden. Er stehe als typos für die Juden, die Jesus als Messias ablehnen, wie es auch Paulus vor seiner Berufung getan habe. Der Übergang von "Saulus“ zu "Paulus“ drücke dagegen die Öffnung der Glaubenstür für die Heiden aus (vgl. Apg 14,27).

Über die Frage, wie Paulus vollständig geheißen haben könnte, macht sich C. J. Hemer 1985, 179-183 Gedanken. Er geht davon aus, dass es sich bei "Paulus“ um das cognomen gehandelt habe. Paulus habe von Geburt an das römische Bürgerrecht besessen. Wenn Paulus' Familie ihre Namen von einem römischen Wohltäter hatte, müsse die Namensherkunft in einer Paulus vorhergehenden Generation gesucht werden. Am ehesten sei daran zu denken, dass ein berühmter Römer, der zur Stadt Tarsus ein besonders gutes Verhältnis hatte, einigen ihrer angesehensten Bürger das römische Bürgerrecht gewährt hat. Zu denken sei insbesondere an Pompeius, Cäsar und Antonius, wobei die beiden letzteren in besonderem Maße mit Tarsus verbunden gewesen seien. So sei möglich, dass Paulus mit vollständigem Namen C. Pompeius Paulus, C. Julius Paulus oder M. Antonius Paulus hieß. Dass Paulus C. Julius Paulus geheißen haben kann, gehe auch aus einer Inschrift aus Neapel hervor.

 

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V. 10

 

Beobachtungen: Paulus sieht den Magier als durch und durch schlecht an, wie die Formulierung "Du, voll aller Hinterlist und aller Bosheit“ ("O plêrês pantos dolou kai pasês rhadiourgias“) zeigt. Den durch und durch schlechten Charakter des Magiers gibt auch die dem Sinn entsprechende, nicht wörtliche Übersetzung "Du Ausbund von Hinterlist und Bosheit“ wieder.

Der Begriff "dolos“, der sowohl mit "Hinterlist“ als auch mit "Betrug“ oder "Falle“ übersetzt werden kann, macht deutlich, dass Barjesus nur darauf aus war, den Prokonsul zu täuschen. Diese Täuschung würde schließlich zu einer Falle werden, weil der Prokonsul kein (jenseitiges) Heil zu erwarten hätte.

 

Die neutrale Übersetzung von "huios diabolou“ ist "Sohn des Teufels“. Dass es etwas sehr Negatives ist, der Sohn des Teufels zu sein, geht allerdings besser aus der Formulierung "Ausgeburt des Teufels“ hervor. Dass gerade ein Mensch namens "Sohn des Jesus“ als "Sohn/Ausgeburt des Teufels“ erscheint, ist bemerkenswert und birgt möglicherweise eine gewisse Ironie.

 

Mit "Gerechtigkeit“ ("dikaiosynê“) ist hier wohl keine Gerechtigkeit im juristischen Sinn und wohl auch nicht im theologischen Sinn (Gerechtigkeit vor Gott bzw. Jesus Christus) gemeint, sondern eine Gerechtigkeit im ethischen Sinn: Der Magier ist Feind all dessen, was rechtens ist.

 

In V. 10 taucht wie schon in V. 8 das Verb "diastrephô“ auf. Diesmal bedeutet es allerdings nicht "abbringen von“, sondern "krumm machen“.

 

Die Rede von den geraden Wegen des "Herrn“ könnte auf Hos 14,10LXX (vgl. Jes 40,3-4LXX; Lk 3,4-5) gründen, wo es heißt: "Denn die Wege des Herrn sind gerade“ ("dioti eutheiai hai hodoi tou kyriou“). "Gerade“ sind die Wege des "Herrn“ vielleicht insofern, als sie einem klaren Heilsplan folgen. Barjesus dagegen versucht diesen Heilsplan zu durchkreuzen.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 11

 

Beobachtungen: Die "Hand“ steht hier vermutlich für die Wirkmacht des "Herrn“. Der "Herr“ hat die Macht, einen Menschen, der seinen Heilsplan durchkreuzt, blind zu machen.

 

“Die Sonne nicht sehen“ dürfte wohl eine poetische Formulierung für "blind sein“ sein.

 

Die Blindheit des Magiers sollte gemäß Paulus zeitlich begrenzt sein. Der Begriff "kairos“ meint dabei die rechte Zeit bzw. den rechten Zeitpunkt. Die Formulierung "achri kairou“ ("eine Zeit lang“) besagt also, dass die Blindheit so lange dauern sollte, bis der rechte Zeitpunkt gekommen sein würde, den Magier wieder sehen zu lassen. Die Blindheit erscheint als vom "Herrn“ − gemeint ist vermutlich Gott - bewirkt und dementsprechend ist davon auszugehen, dass die Blindheit auch wieder vom "Herrn“ aufgehoben wurde. Ob die Aufhebung der Blindheit die Bekehrung des Magiers voraussetzte und ob der Magier überhaupt Christ wurde, lässt sich nicht sagen.

 

Weiterführende Literatur: L. Tosco 1989 ordnet Apg 13,4-12 (ebenso wie 5,1-11) der Gattung "Gericht Gottes“ zu. Dabei sei "Gericht Gottes“ positiv als Überwindung einer Grenze oder eines Anschlags zu verstehen, weniger im Sinne einer Bestrafung. Neben der Bestimmung der Gattung bietet L. Tosco auch eine Funktionsanalyse von 13,4-12 (und 5,1-11).

 

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V. 12

 

Beobachtungen: Unklar ist, was mit der "Lehre des Herrn“ ("didachê tou kyriou“) gemeint ist. Man kann "tou kyriou“ ("des Herrn“) als genitivus subiectivus oder als genitivus obiectivus deuten. In ersterem Fall wäre das Schlagen des Barjesus mit Blindheit die Lehre des "Herrn“ gewesen. Der "Herr“ hätte den Prokonsul, der Augenzeuge des Geschehens war, seine Wirkmacht gelehrt. Von dieser Lehre wäre der Prokonsul überwältigt gewesen. In letzterem Fall hätten die Worte des Saulus eine den "Herrn“ betreffende Lehre enthalten, nämlich die Lehre von der Wirkmacht des "Herrn“. Demnach wäre der Prokonsul von den Worten des Saulus an Barjesus so überwältigt gewesen, dass er zum Glauben an Jesus Christus kam. Welcher Deutung man auch immer folgt, so bleibt doch auf jeden Fall die Feststellung, dass es nicht die Blindheit des Barjesus an sich war, die den Prokonsul überwältigte, sondern die Wirkmacht des "Herrn“ oder die Lehre des Saulus von der Wirkmacht des "Herrn“, die sich tatsächlich zeigte.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

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Tosco, Lorenzo; Pietro e Paolo ministri del giudizio di Dio. Studio del genere letterario e della funzione di At 5,1-11 e 13,4-12 (Supplementi alla Rivista Biblica 19), Bologna 1989