Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (13-14)

Die erste Missionsreise des Paulus

Apg 13,32-37

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

Wenn Sie diese Bibliographie zum ersten Mal nutzen, lesen Sie bitte die Hinweise zum Gebrauch.

Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 13,32-37

 

 

Übersetzung

 

Apg 13,32-37:32 "Auch wir verkündigen euch die an die Väter ergangene Verheißung, 33 dass (der) Gott diese an uns, den Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferstehen ließ, wie schon im zweiten Psalm geschrieben steht: "Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt' 34 Dass er ihn aber von Toten auferstehen ließ, so dass er nicht mehr zur Verwesung zurückkehren sollte, hat er so gesagt: "Ich werde euch geben, was David heilig [versprochen] ist, das zuverlässig Verbürgte.' 35 Darum sagt er auch an anderer [Stelle]: "Du wirst nicht zulassen, dass dein Heiliger Verwesung sieht.' 36 Denn David ist zwar entschlafen, nachdem er zu seiner Zeit dem Willen (des) Gottes gedient hatte, er ist zu seinen Vätern gelegt worden und hat Verwesung gesehen 37 − der aber, den (der) Gott auferweckt hat, hat keine Verwesung gesehen!“

 

 

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V. 32

 

Beobachtungen: Paulus war nicht mit Jesus von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen und ihm war Jesus nach dessen Auferstehung, aber noch vor dessen Himmelfahrt, nicht erschienen. Insofern war Paulus keiner von den Zeugen gemäß V. 31. Auf die eigene Erscheinung Jesu Christi nach dessen Himmelfahrt kam Paulus nicht zu sprechen, vielleicht weil sie hinsichtlich der Redeabsicht nicht von Bedeutung war. Obwohl sich Paulus nicht zu den Zeugen zählte, nahm er doch für sich in Anspruch, wie die Zeugen zu verkündigen. Dabei verkündigte er die Verheißung und deren Erfüllung und stützte sich bei seiner Verkündigung auf die biblischen Schriften, aus denen er zitierte. Diese Zitate finden sich (auch) in 13,32-37.

 

Das Personalpronomen "wir“ kann als literarisches "wir“ verstanden werden, womit Paulus nur sich selbst meinen würde, oder als Hinweis auf eine verkündigende Gruppe. Eine solche Gruppe könnte nur aus Paulus und seinen unter den Zuhörern sitzenden Begleitern bestehen. Andere Personen aus dem Kreis der Zuhörer können nicht eingeschlossen sein, weil die Zuhörer keine christlichen Missionare waren, sondern Adressaten der Verkündigung.

 

Wer genau mit den "Vätern“ gemeint ist, bleibt offen. Sicherlich sind nicht Väter im eigentlichen Sinn im Blick, denn dann hätte Paulus darlegen müssen, von wessen Eltern er sprach. Weil er dies nicht präzisierte, ist davon auszugehen, dass die Zuhörer auch ohne Erklärung wussten, welche Eltern gemeint waren. Gewöhnlich ist "Väter“ eine Bezeichnung für die Vorfahren der Israeliten. Insofern dürften auch in V. 32 Vorfahren der Israeliten gemeint sein. Dabei bleibt jedoch offen, welche Vorfahren im Blick sind.

 

Weiterführende Literatur: Die drei Reden des Paulus im pisidischen Antiochien (vgl. 13,16b-41), in Athen (vgl. 17,22b-31) und in Milet (vgl. 20,18b-35) hat M. Quesnel 2001, 469-481 zum Thema. Dabei gibt er zunächst einen synoptischen Überblick über die Charakteristika der Reden, bevor er nacheinander auf jede einzelne Rede eingeht.

 

Mit der Missionspredigt Apg 13,16-41 befasst sich A. Bottino 1990,81-97. Sie geht zunächst auf textkritische Aspekte ein, beleuchtet dann den Kontext und die Struktur der Missionspredigt und bietet abschließend eine exegetische Analyse.

 

Untersuchungen zur Rede des Paulus im pisidischen Antiochien bietet J. Pichler 1997. Betrachte man Apg 13,16-52 unter formalem Gesichtspunkt, lasse sich der Einfluss der antiken Rhetorik für die Konzeption der Rede nachweisen. Diese Erkenntnis habe sowohl für die Interpretation der Rechtfertigungslehre in V. 38-39 als auch für die idealtypische Zusammengehörigkeit der beiden Reden Bedeutung. Inhaltlich seien die Missionsreden vor allem durch die deuteronomistische Umkehrpredigt geprägt. Die Missionsreden der Apg seien nicht nur Bekenntnis und Zeugnis, sondern zugleich eine handlungstheoretische Reflexion der lukanischen Gemeinde. Sie wisse, dass Gottes Absicht der lebendige Mensch ist, und sie prüfe sich, inwieweit sie selbst heilsam für die Welt wirkt. Die Heilssorge wurzele als elementare Glaubenshandlung im Bekenntnis der Kirche. Es sei nur konsequent, wenn auf die Missionsrede eine Heilung erfolgt (vgl. 14,8-10). Die strukturelle Ähnlichkeit von 13,16-52 und 2,14-41 falle auf. Indem auf diese Art und Weise die gemeinsame Grundüberzeugung zwischen Petrus und Paulus mit aller Deutlichkeit hervorgehoben werde, demonstriere Lukas seine literarische Absicht. Er bemühe sich, den kirchlichen Konsens herauszustellen. Für den Verkündigungsprozess spiele Paulus eine besondere Rolle. Einerseits werde die paulinische Rechtfertigungslehre in der lukanischen Kirche voll anerkannt, andererseits komme Paulus selbst in der Gemeinde großes Gewicht zu. Die Gemeinde orientiere sich am Vorbild des Paulus und versuche auf diesem Weg, in einer Zeit der Umbrüche Orientierung zu gewinnen. Eine Auslegung der V. 26-37 unter der Überschrift "Gottes Heilsplan −menschliche Irrwege“ bieten die S. 226-248.

 

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V. 33

 

Beobachtungen: Die V. 33-37 befassen sich mit dem Inhalt der Verheißung und dessen Bedeutung für die Zuhörer. Die Auferstehung Jesu ist die Erfüllung der Verheißung, nicht die Verheißung an sich. Die Verheißung dürften die Bibelzitate sein.

 

Nestle-Aland, 27. Aufl. ist sich unschlüssig, ob "tois teknois hêmin“ ("uns, den Kindern“) oder "tois teknois autôn hêmin“ ("uns, ihren Kindern“) die ursprüngliche Lesart ist. Beide Lesarten sind schlecht bezeugt, ergeben aber Sinn. Folgt man ersterer Lesart, so bleibt offen, wessen Kinder Paulus und die Zuhörer sind. Am ehesten wäre an die Deutungen "uns, den Kindern der Väter“ und "uns, den Kindern Gottes“ zu denken. Letztere Lesart verdeutlicht: "uns, ihren Kindern“, also "uns, den Kindern der Väter“. Die am besten bezeugte Lesart ist "tois teknois hêmôn“ ("unseren Kindern“), die jedoch keinen Sinn ergibt, denn sie besagt, dass Gott die Verheißung an unseren Kindern erfüllt hat. Aber wieso sollte sich die Verheißung erst an zukünftigen Generationen und nicht an der Generation des Paulus und der Zuhörer erfüllt haben, wo doch Paulus die gegenwärtige Generation zum Glauben zu bringen versucht? Die am besten bezeugte Lesart ist auch die schwierigste, was ein weiteres Argument für die Ursprünglichkeit ist − oder besser wäre, wenn die Lesart nicht zu schwierig wäre. Eine geradezu unsinnige Lesart wird kaum ursprünglich sein. Folglich ist zu vermuten, dass der Verfasser der Apg entweder tois teknois hêmin“ ("uns, den Kindern“) oder "tois teknois autôn hêmin“ ("uns, ihren Kindern“) geschrieben hat. Aufgrund eines Hör- oder Schreibfehlers oder einer absichtlichen Korrektur des irritierenden Dativs an einer Stelle, an der eigentlich ein Genitiv zu erwarten wäre, mag sehr früh die unsinnige Lesart entstanden und immer wieder abgeschrieben worden sein.

 

Das Verb "anistêmi“ kann hier "auftreten lassen“ oder "auferstehen lassen“ bedeuten. Die Verheißung kann also dadurch erfüllt worden sein, dass Gott Jesus auf Erden auftreten ließ, oder dadurch, dass er ihn auferstehen ließ. Da die "Stimmen der Propheten“ erst dann erfüllt waren, als Jesus ins Grab gelegt und der Tod somit besiegelt war (vgl. 13,27-29), und erst dann Gott die entscheidende Wende der Ereignisse einleitete (vgl. 13,30), dürfte sich die Erfüllung der Verheißung auf das Geschehen nach der Erfüllung der "Stimmen der Propheten“, also auf die Auferstehung Jesu beziehen.

 

Die Quellenangabe ist einmalig und lässt keinen Zweifel daran, dass das Zitat Ps 2 − genau genommen Ps 2,7LXX − entnommen ist. Warum findet sich hier eine Quellenangabe, nicht aber bei anderen Zitaten? Wurde dem Ps 2 eine besondere Bedeutung beigemessen?

Der Gottesspruch war ursprünglich auf die Inthronisation des Königs bezogen, der aufgrund des Gottesspruches als von Gott bevollmächtigter Herrscher erschien. Der Verfasser der Apg zitierte den Vers in etwas abweichender Form auch bei der Schilderung der Taufe Jesu (Lk 3,22), was jedoch nicht besagt, dass auch das Zitat Apg 13,33 auf die Taufe Jesu und damit auf den Beginn dessen irdischen Wirkens bezogen werden muss. Da vermutlich nicht das irdische Auftreten Jesu, sondern die Auferstehung Jesu die Erfüllung der Verheißung darstellt, dürfte auch das Zitat Ps 2,7LXX auf die Auferstehung zu beziehen sein. Dafür spricht auch das betonte "Ich“, das Gott als Handelnden, als Zeugenden ausweist. Ebenso betont war Gott auch in Bezug auf die Auferweckung Jesu in Apg 13,30 als Handelnder dargestellt worden. Die Auferweckung Jesu erscheint in 13,33 als Inthronisation Jesu als himmlischer Herrscher.

 

Weiterführende Literatur: Mit der Predigt 13,16-41 befasst sich G. Angel 1990, 2-3. Er macht deutlich, dass eine Predigt zum einen immer überpersönlich sei, weil ihr eine allen Menschen offenbarte Wahrheit, das Evangelium zugrunde liege. Zum anderen sei Predigt eine persönliche Angelegenheit, weil die Wahrheit vom einzelnen entdeckt und erlebt werde. Dies gelte auch hinsichtlich der Predigten von Petrus und Paulus, und zwar trotz einer gewissen schablonenhaften Gestaltung nach frühchristlichen Predigtmustern. Die Predigt 13,16-47 ist gemäß G. Angel eine Erläuterung von Texten der hebräischen Bibel, also ein Midrasch. Die Erläuterung erfolge in erzählerischer Form, also in Form einer Haggada. Sie sei sorgsam auf die ganz spezifische Zuhörerschaft in der antiochenischen Synagoge ausgerichtet.

Laut M. Collin 1998, 153-165 handele es sich bei der am Sabbat gehaltenen Predigt des Paulus in der antiochenischen Synagoge um eine Homilie. In dieser Homilie habe Paulus explizit und implizit verschiedene atl. Texte aufgenommen und kommentiert. In Apg 13,22 seien folgende atl. Texte auszumachen: Ps 89,21 (= 88,21 LXX); 1 Sam 13,14; Jes 44,28. Neben diesen Zitaten finde sich in Apg 13,16-38 nur noch ein weiteres, nämlich das Zitat von Ps 2,7 in V. 33. Zusätzlich werde jedoch auf verschiedene atl. Texte angespielt. In V. 22 auf 2 Sam 7,15 und 2 Sam 7,8, in V. 23 auf 2 Sam 7,12, in V. 33 auf 2 Sam 7,11-14. Hinzu kämen möglicherweise Anspielungen auf Dtn 1,31 in V. 18, auf Dtn 7,1 und 2,7 in V. 19. Zu denken sei mit Blick auf V. 17-18 auch an Dtn 4,37-38 und an Ex 6,1-6.35. M. Collin vermutet, dass Ps 89,21 (= 88,21 LXX) den Eröffnungsvers der Homilie darstelle, was erkläre, dass das Zitat in Form eines Targums erfolge. Die prophetische Lesung ("prophetisch“ sind nach jüdischem Verständnis auch sogenannte Geschichtsbücher wie das Zweite Samuelbuch, die u. a. von Propheten handeln), die Haftara, sei wahrscheinlich 2 Sam 7. Als Lesung aus der Tora, als Seder, sei Gen 15,1-21 anzunehmen. Dieser atl. Text handele von Verheißungen, was zu Apg 13,23.32 passe, wo das Stichwort "Verheißung“ ("epangelia“) auftauche. Paulus habe also vermutlich seine Homilie mit Ps 89,20-21 (= 88,20-21 LXX) eröffnet und dann, auf die Lesungen aus den Prophetenbüchern und aus der Tora gestützt, das Thema des davidischen Messias - und somit der Erfüllung der Verheißung Gottes an den Erzvater Abraham - entwickelt. Als dieser Messias werde der von den Juden verkannte und von den Jerusalemer Oberen verurteilte, aber schließlich von Gott von den Toten auferweckte Jesus dargestellt.

 

Nach den Gründen für die Auswahl und die ganz bestimmte Anordnung der Zitate in 13,32-52 fragt H. van de Sandt 1994, 26-58. Dabei geht er nicht nur von den Formulierungen und den Zusammenhängen der Zitate in der Apg, sondern auch von den Formulierungen und den Zusammenhängen in der Septuaginta aus. Ergebnis: Alle drei Texte Jes 55,1-13; Hab 1,1-11 und Jes 49,1-6, denen die Zitate entnommen seien, handelten von Gottes Absichten mit den Heiden. Obwohl der Einschluss der Heiden in die Gemeinschaft der Israeliten problematisch gewesen sei, sei er jetzt, wo Jesus von den Toten auferstanden war, Gottes Wille gewesen. In allen zitierten Septuagintatexten erscheine die Absicht der Rettung der Heiden nach einem Muster, das Ps 2 zugrunde liege. Demnach stünde die Art und Weise menschlichen Denkens und Handelns zu derjenigen Gottes im Widerspruch.

 

Mit den Glaubensaussagen in Apg 13,17-41 befasst sich D. Ellul 1992, 3-14. In 13,17-41 werde Israels Erwählung thematisiert. Dabei sei die atl. Glaubensaussage, dass Gott der Schöpfer ist, grundlegend. Es werde verdeutlicht, dass Johannes der Täufer nicht der Messias ist. In 13,26-37 komme Jesu Kreuzigung und Auferstehung zur Sprache. Hier erscheine die ntl. Glaubensaussage wonach Gott Überwinder des Todes und somit gänzlich Schöpfer ist. Auch David werde als Messias ausgeschlossen. In 13,38-41 schärfe Paulus ein: das Gesetz (der Dekalog / die Tora) hat für alle Zeiten seine Heilsfunktion verloren und es besteht die Gefahr, dass Israel des Heils verlustig geht. Seine Erwählung hat keine Gültigkeit mehr, denn Gottes Verheißung hat sich in dem Messias Jesus erfüllt. In diesem letzten Abschnitt werde die paulinische Glaubensaussage deutlich, wonach Gott die Sünde überwinde, und zwar durch den Messias Jesus.

 

Mit der Auferstehung Jesu von den Toten und deren Auswirkungen auf unsere eigene Auferstehung gemäß Apg 13,13-52 befasst sich R. F. O’Toole 1979, 361-372.

 

D. A. de Silva 1994, 32-49 geht folgenden Fragen nach: Welches ist die Bedeutung von Gottes heilvollen Taten Israel gegenüber, wie sie in Apg 13,17-22 berichtet werden? Wie wird das Thema "Verheißung“ und "Erfüllung“ entfaltet? Welcher Argumentationsverlauf wird durch die drei Schriftzitate (Ps 2,7; Jes 55,3; Ps 16,10) in Apg 13,33-35 entwickelt? Welche Stellung nimmt Apg 13,38-39 in der Argumentation ein? Von welchem "Werk“ ist in V. 41 die Rede? Zu Apg 13,33-35: Ps 2,7 erscheine als Weissagung der Auferstehung Jesu, wobei Jes 55,3 und Ps 16,10 der gedanklichen Weiterentwicklung und Beweisführung im Hinblick auf die Verheißung von Jesu Auferstehung und die Verheißungen der Auferstehung der im Glauben Verstorbenen, der Heidenmission und des Einschlusses der Heiden in das durch Jesus Christus bewirkte Heil dienten.

 

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V. 34

 

Beobachtungen: Die Auferstehung Jesu erfolgte unumkehrbar, an eine Umkehr zur "Verwesung“ ("diaphthora“) war nicht zu denken.

 

Der Begriff "diaphthora“ kann sowohl "Vernichtung“ als auch "Verwesung“ bedeuten. Hier sagt er wohl die existenzielle Vernichtung ("Vernichtung“) und nicht nur den körperlichen Zerfall ("Verwesung“) aus. Die Übersetzung "Verwesung“ ist aber dennoch passend, weil die Verwesung die Vernichtung einprägsam vor Augen führt. Die Verwesung ist hier aber umfassend zu verstehen: als Zerfall des Körpers und als Vernichtung der Existenz aufgrund fehlender Fortsetzung des Lebens.

 

Die Herkunft des Zitates V. 34 ist nicht angegeben; es dürfte Jes 55,3LXX entnommen sein. Jes 55,3LXX übersetzt den hebräischen Begriff "ḥasādim“ ("Güte/Barmherzigkeit“) griechisch mit "ta hosia“ ("heilige Dinge“). Somit ist davon auszugehen, dass "ḥasādim“ und "ta hosia“ bedeutungsgleich oder zumindest bedeutungsähnlich sind. Die Güte/Barmherzigkeit − genau genommen handelt es sich um einen Plural, also um Gütigkeiten/Barmherzigkeiten − sahen die Übersetzer, die die Septuaginta erstellten, also als "heilige Dinge“ an. Sowohl der masoretische Text als auch die Übersetzung der Septuaginta gehen davon aus, dass es sich um Gottes Güte/Barmherzigkeit bzw. "heilige Dinge“ handelte, nicht um Davids. Gemäß Jes 55,3LXX sind "die heiligen Dinge“ jedoch David zuverlässig verbürgt. Die Formulierung lautet: "ta hosia David ta pista“ ("die heiligen Dinge Davids, die zuverlässig verbürgten“). Die Zuverlässigkeit Gottes − genau genommen JHWHs, des Gottes Israels - ist dabei im Zusammenhang mit dem "ewigen Bund“ zu sehen, den Gott seinem Volk zugesagt hat. Auf diesem Hintergrund dürfte Apg 13,34 zu verstehen sein: David ist von Gott etwas heilig versprochen und zuverlässig verbürgt. Was ihm heilig versprochen und zuverlässig verbürgt ist, geht aus V. 35 hervor.

Es heißt in Apg 13,34, dass "die heiligen Dinge Davids, die zuverlässig verbürgten Dinge“ "euch“ gegeben werden, wobei nicht genauer bestimmt wird, wer mit "euch“ gemeint ist. Weil Paulus zu den Israeliten und Gottesfürchtigen (= Proselyten?) in der Synagoge von Antiochia in Pisidien sprach, dürften diese in die mit "euch“ bezeichnete Gruppe eingeschlossen gewesen sein. Ebenso dürfte Paulus davon ausgegangen sein, dass er und seine Begleiter eingeschlossen waren. Darüber hinaus dürften auch alle anderen Israeliten und Gottesfürchtigen (= Proselyten?) eingeschlossen gewesen sein, die nicht bei der Predigt des Paulus anwesend waren.

 

Weiterführende Literatur: Zum Zitat von Jes 55,3 in Apg 13,34 und zur großen Bedeutung von Jes 55,3 für die Charismenlehre des Paulus siehe O. Betz 1990, 252-274.

 

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V. 35

 

Beobachtungen: Auch die Quelle des dritten Zitates wird nicht angegeben; es heißt nur, dass es von "anderer [Stelle]“ entnommen sei. Damit ist es weder Ps 2 noch der Stelle des vorherigen Zitates (Jes 5,3 LXX) entnommen. Tatsächlich stammt das Zitat aus Ps 15,10LXX (= 16,10). Mit Blick auf die Formulierung "en heterô“ heißt das, dass man sie nicht nur als "an anderer Stelle“ deuten kann, sondern auch als "in einem anderen Psalm“.

 

Dieses dritte Zitat erklärt das zweite. Vermutlich werden die beiden Zitate aufgrund einer Wortübereinstimmung miteinander in Beziehung gesetzt. Nach einer Auslegungsregel des Rabbis Hillel konnte eine unverständliche Wendung durch Heranziehung anderer Schrifttexte, die denselben Ausdruck gebrauchten, gedeutet werden. So findet sich in Jes 55,3LXX der Ausdruck "ta hosia“ ("die heiligen Dinge“) und in Ps 15,10LXX der Ausdruck "ton hosion“ ("den Heiligen“), wobei offen bleibt, wer der "Heilige“ ist.

 

Weiterführende Literatur: Laut W. C. Kaiser 1980, 219-229 sei David - als Mann der Verheißung und Gottes "Begünstigter“ - in seiner Person, seinem Dienst und seiner Tätigkeit eine der herausragenden Erfüllungen desjenigen Wortes, das an ihn bezüglich seines Samens, seiner Dynastie und seiner Königsherrschaft ergangen war, gewesen. Daher sei er sich sicher gewesen, dass selbst der Tod ihn nicht von der engen Verbundenheit mit Gott werde trennen können, dass er als Gottes "Begünstigter“ über den Tod triumphieren werde. Die Verheißung der Vergangenheit sei für David also stets aktuell gewesen.

 

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V. 36

 

Beobachtungen: In V. 36 ist die Zuordnung der Worte "idia genea“ ("dem eigenen Geschlecht / zur eigenen Zeit“), "hypêretêsas“ ("gedient habend“), "tê tou theou boulê” ("dem Willen Gottes / aufgrund des Willens Gottes“) und "ekoimêthê“ ("er ist entschlafen“) unklar, so dass mehrere Zuordnungen und damit auch Übersetzungen möglich sind: a) "tê tou theou boulê” wird auf "hypêretêsas“ bezogen und "idia genea“ auf "ekoimêthê“. Die Übersetzung lautet "Denn David ist zwar zu seiner Zeit entschlafen, nachdem er dem Willen (des) Gottes gedient hatte,…“ Gemäß dieser Übersetzung war David zwar ein gottesfürchtiger Mann, doch ist er vor langer Zeit gestorben und somit tot. b) Sowohl "tê tou theou boulê” als auch "idia genea“ werden auf "hypêretêsas“ bezogen. Die Übersetzung lautet: "Denn David ist zwar entschlafen, nachdem er zu seiner Zeit dem Willen (des) Gottes gedient hatte,…“ oder "Denn David ist zwar entschlafen, nachdem er seiner Generation aufgrund des Willens (des) Gottes gedient hatte,…“. Gemäß der ersten Übersetzung war David zwar ein gottesfürchtiger Mann, doch hat er nur zu seiner eigenen Zeit Gott gedient und ist inzwischen gestorben und somit tot. Gemäß der zweiten Übersetzung hat zwar David aufgrund des Willens Gottes seiner eigenen Generation gedient, doch ist diese längst gestorben. Auch David ist gestorben und somit tot. c) "Idia genea“ wird auf "hypêretêsas“ und "tê tou theou boulê” auf "ekoimêthê“ bezogen. Die Übersetzung lautet: "Denn David ist zwar nach dem Willen (des) Gottes entschlafen, nachdem er seiner Generation gedient hatte,…“ Gemäß dieser Übersetzung hat David (nur) seiner eigenen Generation gedient, jedoch war es Gottes Wille, dass er sterben und die Verheißung auf jemand anderen übergehen sollte.

Allen diesen Zuordnungen und Übersetzungen ist − bei allen Unterschieden - die Aussage gemeinsam, dass David zwar gedient hat, aber gestorben und zu seinen Vätern − gemeint sind die Vorfahren − gelegt worden ist. Er hat die Verwesung gesehen, weshalb sich die Verheißung V. 35 nicht auf David persönlich beziehen kann. Der "Heilige“ kann demnach nicht David sein.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 37

 

Beobachtungen: Wenn nicht David der "Heilige“ ist, wer ist es dann? Gemäß V. 34 ist David etwas heilig versprochen, etwas zuverlässig verbürgt. Soll David, der vermutlich einer der in V. 32 genannten "Väter“ war, nicht betrogen worden sein, dann muss an ihm zumindest indirekt die Verheißung erfüllt worden sein. Direkt muss die Verheißung an einem "Heiligen“ erfüllt worden sein. Weil David ein König war, ist daran zu denken, dass die Verheißung an einem anderen König aus seinem Geschlecht erfüllt wurde. Gemäß V. 33 ist Jesus ein von Gott erhobener, rechtmäßiger König, gemäß V. 23 stammt Jesus von David ab. Somit ist Jesus ein König aus davidischem Geschlecht. Jesus ist von Gott (von Toten) auferweckt worden; und weil er (gemäß V. 34) nicht zur Verwesung zurückkehren sollte, hat er keine Verwesung gesehen. Die Verheißung der Unvergänglichkeit ist zwar "David“ - gemeint ist hier das davidische Geschlecht − zugesprochen worden, jedoch erst an dem Davididen Jesus erfüllt worden. Die Verheißung der Unvergänglichkeit und deren Erfüllung bleibt aber nicht auf Jesus beschränkt, sondern betrifft auch die Menschen (V. 33: "uns“; V. 34: "euch“), die im Lichte der Auferstehung Jesu leben.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

Angel, Gervais; Partnership in the Gospel: Acts 13:16-47, Evangel 8/2 (1990), 2-3

Betz, Otto; Der biblische Hintergrund der paulinischen Gnadengaben, in: O. Betz [Hrsg.], Jesus Herr der Kirche. Aufsätze zur biblischen Theologie II (WUNT 52), Tübingen 1990, 252-274

Bottino, Adriana; Il discorso missionario di Paolo (At 13,16-41), RicStBib 2/2 (1990), 81-97

Collin, M.; Ac 13,16-38: un commentaire messianique de Gn 15, Transeuphratène 14 (1998), 153-165

de Silva, David A.; Paul’s Sermon in Antioch of Pisidia, BS 151/601 (1994), 32-49

Ellul, Danielle; Antioche de Pisidie: Une prédication…trois credos? (Actes 13,13-43), FN 5/9 (1992), 3-14

Kaiser, Walter C.; The Promise to David in Psalm 16 and its Application in Acts 2:25-33 and 13:32-37, JETS 23 (1980), 219-229

O’Toole, Robert F.; Christ’s Resurrection in Acts 13,13-52, Bib. 60/3 (1979), 361-372

Pichler, Josef; Paulusrezeption in der Apostelgeschichte: Untersuchungen zur Rede im pisidischen Antiochien (Innsbrucker theologische Studien 50), Innsbruck 1997

Quesnel, Michel; Paul prédicateur dans les Actes des Apôtres, NTS 47/4 (2001), 469-481

van de Sandt, Huub; The Quotations in Acts 13,32-52 as a Reflection of Luke’s LXX Interpretation, Bib. 75 (1994), 26-58